Zerstörung

Montag, Stoßdorf / Tübingen. Wir fragen PM nach seiner Versicherung. Die meisten Menschen seien falsch versichert, haben wir in den Nachrichten gehört: zwar gegen Elementarschäden, aber kaum jemand explizit gegen Hochwasser.
Wer sichert schon sein Auto, seine Sachwerte gegen die Flut ab? Auch der alte Kadett, den PMs Vater mir geschenkt hat und den ich nur ein Mal gefahren habe, liegt zerbeult unter einem Baum. PM wäre nicht der Einzige, der alles verloren hat und nichts bekommt. Es ist eine Sache, die ihn momentan nicht beschäftigt. Vorläufig kann er in der Einliegerwohnung von Freunden von Markus unterkommen. Gute Nachrichten – auf andere warten Sammelunterkünfte in Turnhallen!
Er ist schlecht drauf, zu viel Neues, zu wenig Verlässliches. Überhaupt nichts Verlässliches. Anne hat ihm Brote gemacht, er steht vom Frühstückstisch auf und will zur Arbeit fahren, und ich nehme das Brotpaket und sage, mehr so als Gag, wo ist deine Tasche, und er: Ich habe keine Tasche mehr. Ich habe nichts mehr.
Am Abend, als wir wie gewohnt telefonieren – ich bin inzwischen wieder in Tübingen – , erzählt er von der großen Ernüchterung in Ahrweiler. Rechts und links sind drei Nachbarn gestorben, im Keller bzw. in ihrer Garage ertrunken. Die Zahl der Toten allein in Rheinland-Pfalz ist auf 128 gestiegen. Insgesamt sind 167 Flut-Opfer zu betrauern. Ungefähr genauso viele Menschen werden noch vermisst. Der Aktivismus weicht allmählich der Depression. Da sagt und fragt man lieber nichts mehr.
Wie wird es mit uns weitergehen? Das regionale Bahnnetz existiert nicht mehr. 80 Stationen, 600 km Schienenstrecke und zahlreiche Bahnbrücken sind zerstört. Nicht weniger verheerend der Zustand von Straßen und Autobrücken.
Soviel zum logistischen Problem …