Dienstag. Vor drei Wochen hat meine Waschmaschine den Geist aufgegeben. Frühester Reparaturtermin: 09. Februar, also heute. Drei Wochen sind entsetzlich lang, wie soll ich so lange ohne Waschen auskommen? Von der Sache her nicht schlimm, ich kann bei meiner Nachbarin Lilli waschen. Vom Zeitgefühl her empfinde ich diese drei Wochen im Rückblick als Katastrophe. Plötzlich sind sie um, die vielen, vielen Lebenstage, und mir fällt nichts ein, was ich in dieser Zeit gemacht habe außer am Laptop gesessen. Der Lockdown macht einen anderen Menschen aus mir, einen, der ich nicht sein will. Am schlimmsten finde ich diese permanente Angst vor
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Pijökel und Saharastaub
Sonntag. Der bedrückend gelborangebraune Himmel gestern – das war Staub aus der Sahara! Gegen Mittag tauchte er die Welt, zumindest den Süden Deutschlands, in ein trübes Licht, der perfekte Rahmen für den gesamtgesellschaftlichen coronadepressiven Seelenzustand. Die Atmosphäre war unwirklich wie kurz vorm Weltuntergang. Mit Dorle gestern abend bei PMs formidabler Fischpfanne ein neues Getränk getestet und für gut befunden: Pijökel 55! Das Rezept stammt vom Apotheker-Opa des Firmengründers: Ein Herbal-Elixier (weder Schnaps noch Likör!) aus Berlin – sehr zu empfehlen gerade in diesen unsäglichen Zeiten. Heizt gut ein und hinterlässt keinen Kopfschmerz. Dorle zieht nächsten Monat nach Berlin um, schnief.
WeiterlesenCorona Diary – Vorübung
Freitag. An eine existenzielle Katastrophe wie die Pandemie können wir wohlstands- und sicherheitsverwöhnten Europäer uns nicht so ohne Weiteres gewöhnen. Wir haben die Wissenschaft, die Technik und eine hochentwickelte Medizin auf unserer Seite – was soll da schon passieren? Unsere größte Sorge gilt der Ausbildung der Kinder, dem Berufsalltag, den Hobbies, den Urlaubsreisen. Und plötzlich kommt ein Virus aus dem Nichts und stellt alles infrage. Unser gesellschaftliches, kulturelles und wirtschaftliches Leben liegt am Boden, Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen kommen an ihre Grenzen, jeder ist mit sich allein. Corona-Alltag: Man bewegt sich nicht mehr, man sieht niemanden mehr, man spricht mit seinem
WeiterlesenMorning has broken
Donnerstag. Kaum kommt die Sonne nach langer Zeit endlich mal wieder raus, hält man alles für möglich.
WeiterlesenGrüne für Fracking?
Montag. Die Chefin der einstigen grünen Anti-NATO-Partei, Anna Lena Baerbock, fordert das endgültige Aus der russisch-deutschen Pipeline Nord Stream II zugunsten von US-Fracking-Gas. Kanzlerin geht eben nur als NATO-Abnickerin. Seit Monaten schon bedient Baerbock das US-Wording vom „russischen Regime“, das „in aller Welt Morde“ verübt – ungeachtet der Tatsache, dass das US-Imperium in 170 der knapp 200 Staaten dieser Welt Kriegstruppen stationiert und Folterbasen betreibt. Sonderbar und befremdlich für eine Partei, der die Sorge um das Wohl der Umwelt einst den Namen gegeben hat: Der ökologische Stiefelabdruck vom US-Fracking-Gas ist kein Thema für die Parteispitze. Die Tanker, die das Gas
WeiterlesenWochenstart
Montag, 8.50 Uhr: Bundesweiter (!) Zusammenbruch der Moodle-Plattform! Na prima! Also schnell alle sorgenvollen E-Mails von Eltern und Kids beantworten und – frühstücken.PM’s Vater, 94 Jahre alt, wartet immer noch auf seine Impfung. Doch es gibt keinen Impfstoff mehr. Heute ist Impfgipfel, BioNTech und AstraZeneca sollen mehr liefern, was ist schiefgelaufen?, die Unternehmen und die EU – sprich Ursula von der Leyen – schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Jens Spahn denkt endlich öffentlich darüber nach, auch die Corona-Impfstoffe aus Russland und China bei uns einzusetzen. Schlimm, wenn das Impfen zu einem Politikum wird, wenn die Verfügbarkeit des Stoffs
WeiterlesenArik Brauer ist tot
Sonntag. Wie oft ich seine Platten gehört habe! Mein Sohn ist mit diesen Liedern immer auf meinem Arm eingeschlafen. Der österreichische Liedermacher und Maler des phantastischen Realismus ist mit 92 Jahren gestorben. Er war irgendwie nie alt. Menschen wie ihn braucht die Welt.
WeiterlesenPM kommt
Samstag. Am Nachmittag kommt PM. Er schleppt zwei Tüten nach oben und macht sich ans Kochen. Zartes Rindergulasch, saftige Kartoffelknödel, knackige Schwarzwurzeln in Sauce Hollandaise – er zaubert und mir geht es gut. So ist er, der Mann, der aus dem Osten kam …
WeiterlesenInformieren statt Inspirieren
Freitag. Nach der freundlichen Privatfortbildung weiß ich jetzt: wissenstechnisch bin ich mit der „Amts“leitung ungefähr auf Augenhöhe. Das ist einerseits beruhigend für mein Ego, andererseits ist es höchst beunruhigend für das politisch und gesellschaftlich gewollte Zukunftsprogramm ‚digitales Lernen‘.Digitales Wissen ist Macht. Es ist das Wissen der Zukunft. Diejenigen, die uns die Sache beibringen, beherrschen allerdings selbst nur geschätzte 5 % des Gesamtpotenzials z.B. der Moodle-Plattform. Bei Einzelnen mag das mehr sein, aber was an Wissen hinten raus kommt, also bei uns, den Anwenderinnen in der Praxis, sind dann vielleicht noch klägliche 2%. Wie man hört, liegt an manchen Schulen der
WeiterlesenCorona Diary – Luxus analog
Mittwoch. Zwischen Videokonferenzen, Material einscannen, Einstellungen optimieren, 30 Lösungen korrigieren, 30 Feedbacks geben, Noten ausrechnen, E-Mails beantworten, Beschwerden abfedern, Termine checken, nochmal 30 Lösungen korrigieren – auch mal essen. Oder schlafen (überschätzt, I know). Oder sich richtig anziehen (s.o., I know). Oder in einem ZEITFENSTER my best ever Vinyl – Baba O’Riley von The Who – auflegen, einfach so … Luxuswünsche aus der analogen Welt … Neue Erfahrung: Videokonferenzen können – in Grenzen – direkt Spaß machen … erster Schritt zur Anpassung?
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