Freunde und Gespräche

Mittwoch. Wieder in Tübingen. Dorle und Wolfgang zum Abendessen eingeladen. (Rinderbouillon mit Klößchen, Salat, griechisches Dessert.) Kontroverse Diskussion über Israel, die Israelfeindlichkeit der dt. Presse – Wolfgang teilt hier meine Einschätzung -, und über alternative Nachrichtenmagazine, von denen die beiden nichts halten. Viel gearbeitet. Seltsames Buch gekauft: Bonsai“ von Alejandro Zambra (Suhrkamp). Sprachlich subtil, inhaltlich bonsaimäßig reduziert, intensive Nachwirkung. Eher Novelle als Roman. Das schöne Cover hat mich verführt (bei Bücherstube Schmitz in B.N.) …

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RTL bei der Wahrheit angekommen

Samstag, B.N. Das RTL-Nachtjournal redet Tacheles. Man reibt sich die Augen und kann es kaum glauben: Am 8. September 2015 prangert RTL offen die Welteroberungspolitik der USA und das Mitwirken des Vereinigten Königreichs an den Kriegen im Nahen und Mittleren Osten an …! Und hier der Tenor der Sendung: Viel Lob für die Deutschen schwappt über den Atlantik und den Ärmelkanal. Von unserer Willkommenskultur im Zusammenhang mit den Zehntausenden Flüchtlingen sind die Amerikaner und Briten beeindruckt. Unsere Schande in der Griechenlandsache scheint vergessen. In den USA und GB schmücken die guten Deutschen die Titelseiten der Gazetten. Worüber allerdings niemand spricht, ist,

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keine Worte

Bin mit meiner Mutter im Reinen. Da staune ich und mit welcher Leichtigkeit wir in einem bestimmten Moment diesen Systemwechsel herbeiführen konnten. Dringend notwendige Worte, die viel, viel früher, Jahrzehnte früher, hätten ausgesprochen werden müssen. (Für andere die selbstverständlichsten Worte der Welt.) Offensichtlich nur in dieser Extremsituation möglich – höchst kryptisch …

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Stadt und Arbeit

Mittwoch, B.N. Mit der Bearbeitung des neuen Interviews begonnen. Jedesmal wieder spannend: Das Herantasten an die Verschriftlichung des gesprochenen Wortes auf dem Hintergrund der Gesprächsaufzeichnung und der Erinnerung an Mimik und Gestik des jeweiligen Gesprächspartners. Sie alle sollen ihre Sprache beibehalten, was bei Kürzungen um bis zu zwei Dritteln des Originaltextes jedesmal wieder eine Herausforderung ist. Zunehmende Routine erleichtert den Arbeitsprozesses. In Köln Speedshopping mit L. bei Kaufhof. Allerlei Nützliches für ihren Haushalt u ihre Küche gefunden. Aufatmen: Großstadtluft, U-Bahn, Geschäfte, Menschen und dazu Spätsommersonne im Überfluss. Und: Einen Tag lang keine Eltern, keine Verantwortung. Oh! Mein! Gott! Bis das Handy

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Alter

Dienstag, B.N. Gestern wieder zu meiner Mutter gefahren. Von B.N. aus an einem Tag zu schaffen: Neun Stunden Fahrt für vier Stunden da sein. Endlich einen Pflegeplatz für sie gefunden. Schlechtes Gefühl. Die Fragen überlagern die Erleichterung. Und die Superfrage dahinter: Wie plant man das Alter richtig?

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Tausend Tode

Montag, B.N. Ich neige zu Übertreibungen, in meiner Familie gab es nur das emotional Extreme, sonst war es nichts wert. So ist man übrigens auch gestorben: Erstickt an einem Thüringer Kloß, ertrunken auf einer Schiffsreise nach Amerika, vergiftet von der hassgetriebenen Stiefmutter, verschollen oder ermordet (man weiß es nicht) auf einer Italienreise, ermordet im KZ, aufgeschnitten und wieder zugenäht, weil der Krebs schon überall war, erfroren nachts auf einem Kinderspielplatz (meine exotisch schöne Patentante) – unter dem machen wir es nicht! Nur Opa, der ist mittags auf seinem Sofa eingeschlafen und einfach nicht mehr aufgewacht.

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Na, was denn

… zwei scheißtraurige Geschichten. Ohne die PM und ich uns nie begegnet wären. Das ist verwirrend und manchmal auch präsent und verbindend und ist jetzt im Rückblick eine gemeinsame Geschichte von Schicksal – wovon ich nichts halte – und Mut, also von Verzweiflung und Mut und von Initiative und Lebenskraft und Glück. Und wenn er schläft oder isst oder von der Arbeit kommt oder am Telefon seine Patienten runterbringt oder Na, was denn sagt oder Ja, so ist das eben oder wenn er seinen Rasen mäht oder Auto fährt oder seine Sprüche macht oder schläft, oder schläft, dann atme ich

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Lästige Leute

Sonntag Morgen, B.N. Dieser Typ von gestern hat schon wieder geschrieben. Dieses Mal eine E-Mail. Wieso glauben Leute, die mir vollkommen fremd sind, dass ich Zeit und Energie zum Abwinken habe, um mich ihnen und ihrem persönlichen Dilemma zu widmen?

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