Tagesticker

Freitag. Zwölf Kolleginnen zu Besuch, ich erwarte einen entspannten Nachmittag bei Kaffee und Tee, Apfelstrudel, Ingwerkuchen, Aprikosensahne … und natürlich Baileys in großen Mengen und hoher Qualität! Der Agenturvertrag kam in einem rot versiegelten Umschlag. Schon wieder ist ein Krankenhaus von „Ärzte ohne Grenzen“ bombardiert worden. Diesmal im Jemen in der Provinz Saada, diesmal durch saudischen Luftangriff. Im Fahrradkeller wurden zweimal hintereinander die Reifen aufgeschnitten. Wer im Haus ist der Psychopath, der solche Aktionen braucht, um gut durch den Tag zu kommen? Er sollte zum Arzt gehen, statt anderen auf die Nerven zu fallen. Die Vorsitzende der Grünen Jugend Theresa Kalmer

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Springender Strom

Donnerstag. Heute Morgen mit dicker Backe aufgewacht. Als hätte ich eine Kirsche gebunkert. Sieht entschieden blöd aus. Sprechen geht nicht, tut weh. Von der Arbeit abgemeldet, muss aber nachher trotzdem kurz hin wg. unaufschiebbarem Termin. Vorher zum Zahnarzt … Stresssymptom, ich kenne das schon von früher … aber nicht in dem Ausmaß … das geht bis zum Auge hoch! Die letzten Monate mit nicht enden wollendem Anwalt-Notar-Papierkrieg-Wohnungs-Scheiß waren ungefähr so, wie wenn du in stetig steigendem Wasser stehst und du merkst/siehst es gar nicht, außer dass du keine Luft mehr kriegst. Gestern war der Elektriker von dem wunderbaren Lampenladen da, aus dem fast

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Boxen und Speisen

Montag. W. hat heute Nachmittag seine alten Boxen bei mir installiert.  Was für ein Sound im Vergleich zu vorher!, und dann haben wir gleich mal Colosseum und später Chicago eingelegt… Den neuen Glastisch hat PM mir am Wochenende mitgebracht. Ist jetzt doch nicht der mit den Rädern geworden, sondern ein runder mit interessantem Stahlsockel. PM hat im Möbelladen die ausschlagebende Entscheidungshilfe geleistet. W. hat große Augen gemacht. Er findet ihn stylisch. Nach der Boxenmontage, für die W. erst noch 12 Meter Lautsprecherkabel beim Saturn holen musste, bedankte ich mich mit einer Einladung im Herzog Ulrich, wo wir köstlich gespeist haben:

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Unbeflecktes Töten

Sonntag. Drohnen töten, ohne dass sich jemand die Finger dabei schmutzig macht. Man sieht auch kein Blut fließen. Unbeflecktes Töten, sozusagen. Dafür reicht eine Telefonnummer aus. Wie das funktioniert und dass es – mit deutscher Unterstützung – ganz einfach geht, berichtete der ehemalige US-Drohnenoperator Brandon Bryant am 15. Oktober 2015 vor dem deutschen Bundestag. Genauer: Vor dem NSA-Untersuchungsausschuss, der ihn als Kronzeugen anhörte. Dass mittels der Telefonnummer ein feindliches Handy so exakt geortet werden kann, dass die Drohne das Haus bzw. die entsprechende Location auch punktgenau trifft (Kollateralschäden inbegriffen), dafür sorgt die geheimdienstliche Metadatenspeicherung. Solange Bryant bei der amerikanischen Luftwaffe

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Alles psycho

Mit Dorle ins Piccolo Sole d’Oro auf einen Sekt und Schinkentoast nach diesem wahrhaft anstrengenden Tag. Danach mit Schokolinsen und noch mehr Sekt bewaffnet ins Kino: I killed my Mother von Xavier Dolan aus der Reihe Film und Psychoanalyse, heute mit Dr. H. v. Freytag-Loringhoven und Dipl.Psych. P. Schraivogel. Ein taffer Film vom erst 25-jährigen Dolan, der das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat und außerdem die Hauptrolle spielt. Angeblich dreht er jedes Jahr einen. Bevorzugtes Thema: Die Mama bzw. seine schräge Mutterbeziehung. Schwer autobiographisch, schwer ödipal. Von Freytag-Loringhoven vermutet, dass Dolan selbst nicht alles durchschaut, was er in dem Film

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Seit heute

Mittwoch. Seit heute bin ich alleinige Eigentümerin meiner Wohnung. Seit heute habe ich alleine einen großen Schuldenberg abzutragen. Seit heute sind Bedrohung, Unehrlichkeit, Verachtung und Destruktion endgültig aus meinem Leben verschwunden. Seit heute weiß ich, dass, wer sich selbst belügt, Andere nur belügen kann. Seit heute weiß ich, dass Menschen – ich – sich ändern können. Dank an meine „Frau Tietze“ (die in Wirklichkeit ein Mann ist und Dr. K. heißt). Seit heute weiß ich, dass ich den Weg der Bedrohung, der Unehrlichkeit, der Verachtung, der Destruktion mir nicht freiwillig ausgewählt habe, sondern weil er mir von kleinst auf vertraut

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Stimmt so

Sonntag, B.N. Solche Tage, wo du das Gefühl hast, alles stimmt so, wie es ist, und du hast doch einiges richtig gemacht, Tage eben wie der Sonntag heute, und die richtigen wichtigen (liebsten) Leute rufen an und du hast ein gutes Gespräch mit L. und mit T. und hörst PM’s Lachen aus der Küche, und der Kaffee duftet und das Laub durch die Tür zum Garten auch, und die Arbeit ist getan und der Koffer schon gepackt und dann klappts auch noch mit der Bahn – du stehst inzwischen auf dem Hbf Koblenz, wohin die Bahn-App dich geschickt und PM mit durchgedrücktem

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So weit, so mainstream

Warum war die Sendung mit Anne Will und der Bundeskanzlerin über die Flüchtlinge in Europa (Die Kanzlerin in der Flüchtlingskrise, 07. Oktober 2015) so langweilig? Weil die Kanzlerin jedes aussagekräftige Statement vermied. Interessant wäre gewesen, über die Ursachen der Flucht zu erfahren. Warum auf syrischem Boden hemmungslos die Großmächte agieren, welche Rolle der Westen spielt und welche die arabischen Nachbarstaaten – dazu hätte mich Merkels Meinung interessiert. Mit keinem Satz weist die Bundeskanzlerin jedoch darauf hin, dass die vom Westen angezettelten Kriege von Libyen über Syrien und Irak bis Afghanistan einer der wesentlichen Gründe dafür sind, dass Menschen fliehen. Und

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