Von Sprüchen und Projekten

Mittwoch. 9.15 Uhr: Heute Nachmittag Interview mit einem unserer politischen Entscheidungsträger. Seit einem Monat fokussiere ich mich auf diese Person und weiß inzwischen so viel über sie, dass es an der Zeit ist, ihr von Angesicht zu Angesicht und mit meinen Fragen gegenüber zu sitzen. Nervös, angespannt, tunnelblickerisch, zielorientiert, die üblichen Begleiterscheinungen. Und immer wieder dieser unterschwellige (Selbst-)Zweifel, ob aus der Sache jemals ein Buch wird. Eingebrannt der (wahrlich abgehalfterte) Spruch, mit dem eine schubladenorientierte Literaturagententussi mein Projekt vor zwei Jahren belegte und den ich jetzt hier NICHT zitiere! Dabei ist gerade die Person, mit der ich mich heute Nachmittag

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Gut, besser, die Beste

Sonntag. „Es kommt nicht nur darauf an, die Dinge richtig zu machen, sondern die richtigen Dinge zu machen.“ Von einer Plakatwand springt mich der Spruch an. Und hinterlässt umgehend ein Gefühl von Verdruss. So, als wenn einer ständig auf der Matte steht und nichts als Erwartung in seinem Blick transportiert. Es kommt nicht nur darauf an – Hallo, geht’s noch? So werden Lehrerweisheiten eingeleitet. Jetzt also auch noch als Werbeslogan? Der catcht mich direkt auf dem Weg zur Arbeit. Suggeriert mir: Zieh dein Ding durch, Mädel, aber wer sagt dir, ob du nicht auf’s falsche Pferd gesetzt hast? Und dich ganz umsonst

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Frau Betty Tsipras

Donnerstag. Hallo, na das ist mal ein Statement!: „Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat womöglich einen handfesten persönlichen Grund, in den Verhandlungen mit den Geldgebern Griechenlands so unnachgiebig zu sein. Das Geheimnis lüftete Frankreichs Präsident Francois Hollande gegenüber der Wochenzeitschrift „Le Canard Enchaîné“, die zwar häufiger mit spitzer satirischer Feder über politische Vorgänge berichtet, aber trotzdem als seriös und vor allem sehr gut informiert gilt: Tsipras habe ihm gegenüber die Sorge geäußert, dass er es sich nicht nur mit seiner Partei verderben würde, wenn er der Troika in zu vielen Punkten nachgebe – sondern auch mit seiner Frau. Betty Batziana gilt als mächtige Kraft hinter Tsipras und wird politisch wesentlich weiter links eingeordnet als ihr Mann.“ (spiegel-online, 18.06.15) Lysistrate lässt Betty grüßen!!!  

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Das Fest

Sonntag, B.N. „Das Fest“ im Theater Bonn gesehen. Ein unerträgliches, an die Substanz gehendes und deshalb saugutes Stück. Mit mutigen, großartigen Schauspielern: Bernd Braun, Benjamin Grüter, Benjamin Berger, Sophie Basse u.v.a.. Nur zwei Leute haben die Aufführung verlassen: Mutig auch das Publikum.  Ernsthafter, kritischer und gesellschaftlich relevanter kann Theater kaum sein. Will jetzt eigentlich auch gar nichts weiter darüber sagen, außer dass es sich um eine Veranstaltung mit nachhaltiger Wirkung handelt. Lustig:  Vor zwei Wochen habe ich „unser“ Familienfest platzen lassen aufgrund unüberwindlicher Differenzen bezüglich der Auffassung von Familienfest.  Familie als Tatort. Und eine Elterngeneration, die – obwohl durch die Geschichte

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Wie aggressiv ist erlaubt?

Dienstag. Solange du dabei nicht destruktiv bist, solange du Kommunikation, Kontakt und den Weg nach vorne suchst – warum nicht? Aggression im guten Sinne sucht zuerst nach dem Missklang im Akkord und dann nach der Lösung. Aggression hat auch was mit Kreativität zu tun. Mit Leidenschaft. Harmlose Leidenschaft kannst du vergessen, gibt’s nicht. Manche finden schon aggressiv, wer seine Meinung kundtust. Das wollen die nicht, da fühlen die sich angegriffen. Klarheit ist für die wirklich bedrohlich. Die sogenannten Friedlichen gehen dem Streit lieber aus dem Weg. Sie denken, sie sind so friedlich, dabei ducken sie sich bloß weg. Und merken

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Jeansblaue Augen

Sonntag. Vorgestern war noch italienische Riviera. Shopping im Städtchen, nachmittags Intensivbaden und -sonnen und zum Abschluss eine ausgedehnte Esserei – Fisch laut PM Note 1, Beilagen Note 2, weil nicht genug für einen „Mann der Arbeit“, Zitronensorbet Note 1, Stimmung 1 plus. Das Essen mit anschließender Bar-Visite zog sich bis ziemlich nach Mitternacht. Auf dass der Hotelportier unser Klingeln nicht hörte und wir vor dem Eingang herum hingen wie früher vor dem verschlossenen Tor der Jugendherberge (Bispingen!!!). H. hatte Geburtstag. Eine gelungene Überraschung von mir ließ ihn mal im wörtlichen Sinne sprachlos werden, was bei H. so selten vorkommt wie eine vorbeifliegende

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Ein Tag in Menton

Donnerstag, Diano Marina, Ligurien. Obwohl nur wenige Kilometer von Diano Marina entfernt, ist die Atmosphäre in Menton eine andere. Menton ist gepflegt und mondän. Gigantische Privatjachten liegen im Hafen, prachtvolle Villen an den Strassen und Hängen und der Look der Frauen ist hochwertig und pur. Dagegen die Italienerinnen übertreiben es gerne. Auf italienischen Straßen geht es laut, bunt und glitzernd zu. Kein Kleid ohne Strass, die Sonnenbrillen sind riesig, der Schmuck vor allem schwer, und an den Häusern bröckelt der Putz. Das stört keinen großen Geist. In seinem alten Leben war PM war schon in Menton gewesen, ich in meinem

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Leichte Brise

Mittwoch. Tage voller Sonne und Freude, kann man darüber überhaupt schreiben? Ich glaube nicht, und über die in Vollmondlicht getauchten Nächte, das Meeresrauschen und die leichte Brise, die die Vorhänge bauscht, erst recht nicht. Ich befürchte, wenn es mir noch länger so gut geht, verliere ich die Kraft zum Schreiben.

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