keine Worte

Bin mit meiner Mutter im Reinen. Da staune ich und mit welcher Leichtigkeit wir in einem bestimmten Moment diesen Systemwechsel herbeiführen konnten. Dringend notwendige Worte, die viel, viel früher, Jahrzehnte früher, hätten ausgesprochen werden müssen. (Für andere die selbstverständlichsten Worte der Welt.) Offensichtlich nur in dieser Extremsituation möglich – höchst kryptisch …

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Stadt und Arbeit

Mittwoch, B.N. Mit der Bearbeitung des neuen Interviews begonnen. Jedesmal wieder spannend: Das Herantasten an die Verschriftlichung des gesprochenen Wortes auf dem Hintergrund der Gesprächsaufzeichnung und der Erinnerung an Mimik und Gestik des jeweiligen Gesprächspartners. Sie alle sollen ihre Sprache beibehalten, was bei Kürzungen um bis zu zwei Dritteln des Originaltextes jedesmal wieder eine Herausforderung ist. Zunehmende Routine erleichtert den Arbeitsprozesses. In Köln Speedshopping mit L. bei Kaufhof. Allerlei Nützliches für ihren Haushalt u ihre Küche gefunden. Aufatmen: Großstadtluft, U-Bahn, Geschäfte, Menschen und dazu Spätsommersonne im Überfluss. Und: Einen Tag lang keine Eltern, keine Verantwortung. Oh! Mein! Gott! Bis das Handy

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Alter

Dienstag, B.N. Gestern wieder zu meiner Mutter gefahren. Von B.N. aus an einem Tag zu schaffen: Neun Stunden Fahrt für vier Stunden da sein. Endlich einen Pflegeplatz für sie gefunden. Schlechtes Gefühl. Die Fragen überlagern die Erleichterung. Und die Superfrage dahinter: Wie plant man das Alter richtig?

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Tausend Tode

Montag, B.N. Ich neige zu Übertreibungen, in meiner Familie gab es nur das emotional Extreme, sonst war es nichts wert. So ist man übrigens auch gestorben: Erstickt an einem Thüringer Kloß, ertrunken auf einer Schiffsreise nach Amerika, vergiftet von der hassgetriebenen Stiefmutter, verschollen oder ermordet (man weiß es nicht) auf einer Italienreise, ermordet im KZ, aufgeschnitten und wieder zugenäht, weil der Krebs schon überall war, erfroren nachts auf einem Kinderspielplatz (meine exotisch schöne Patentante) – unter dem machen wir es nicht! Nur Opa, der ist mittags auf seinem Sofa eingeschlafen und einfach nicht mehr aufgewacht.

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Na, was denn

… zwei scheißtraurige Geschichten. Ohne die PM und ich uns nie begegnet wären. Das ist verwirrend und manchmal auch präsent und verbindend und ist jetzt im Rückblick eine gemeinsame Geschichte von Schicksal – wovon ich nichts halte – und Mut, also von Verzweiflung und Mut und von Initiative und Lebenskraft und Glück. Und wenn er schläft oder isst oder von der Arbeit kommt oder am Telefon seine Patienten runterbringt oder Na, was denn sagt oder Ja, so ist das eben oder wenn er seinen Rasen mäht oder Auto fährt oder seine Sprüche macht oder schläft, oder schläft, dann atme ich

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Lästige Leute

Sonntag Morgen, B.N. Dieser Typ von gestern hat schon wieder geschrieben. Dieses Mal eine E-Mail. Wieso glauben Leute, die mir vollkommen fremd sind, dass ich Zeit und Energie zum Abwinken habe, um mich ihnen und ihrem persönlichen Dilemma zu widmen?

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Schlüssel und Steuer

Samstag, B.N. Heute in Eisenach. PM’s Eltern. Das Altwerden. Das Altsein. Diese Angst auf beiden Seiten, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die Angst vor dem schlechten Gewissen (auch auf beiden Seiten?). Da muss man aufpassen, da muss man auch mal abwehren und das Herz kalt werden lassen, um sich selbst in Abstand zu setzen. PM’s Vater hat mir vor einem Jahr ein Auto geschenkt, das sollen wir jetzt endlich abholen. Einen roten Opel Kadett, Baujahr 1991. PM’s Vater, seinerzeit Deutsch- und Lateinlehrer mit immer noch großer Fangemeinde, marschiert voran. Am Gehstock, vier Stockwerke runter und rüber zur Garage, was ihm schwerfällt,

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Von Neid und Stutenbissigkeit

Wieder in B.N., Samstag Morgen Manchmal stell ich meine Blogposts auch beim Freitag ein. Dann freue ich mich über die Kommentare, die in der Regel Denkanregungen, Links für weitere Recherchen, manchmal auch Kritik und manchmal Polemik sind. So wie dieser Kommentar, der mich heute Morgen erreicht und der die gesamte Palette des altbekannten, männlichen Vorurteilsvokabulars enthält. (Soviel schon mal vorweg: Es bleibt dabei! Ronja von Rönne ist inhaltlich leider totaler Bullshit.) Nachrichtentext: Liebe Frau Vieregge, Habe gerade Ihren Artikel zu RvR’s Artikel im Freitag gelesen. Woher kommt eigentlich dieser Hass und diese Stutenbissigkeit, die RvR von allen – vor allem

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Jetzt doch nicht so systemkritisch – von Rönne lässt sich über Ai Weiwei aus

Freitag. Ronja von Rönne hat mal wieder was geschrieben. Über den chinesischen  Künstler Ai Weiwei. Warum? Hat sie neuerdings Ahnung von Kunst? Wenn Springers WELT nicht wäre, würde die Welt keine Kenntnis von ihr nehmen. So aber kann sie ungehindert hinaustönen, in immer derselben Attitüde der Unbedarftheit und unter Zuhilfenahme immer derselben stilistischen Pose: Die der nicht erwachsen werden Wollenden und semantisch von der Sendung mit der Maus Geprägten. Dissidenten sind selten, stellt sie fest, „und in Europa besonders selten. Aber Systemkritik ist gut und chinesische Systemkritik besonders gut, das weiß man. Das steht ja in der Zeitung, das steht im Display des

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Wie steht’s um unsere Kultureignung?

Mittwoch. Warum hört man von der EU und deutschen Politikern immer nur Kampf gegen Schleuserbanden und nicht: Wege suchen, Kriege so schnell wir möglich zu beenden? Warum schlagen die EU oder die deutsche Regierung oder die UNO keine Friedenskonferenzen zur Beendigung der Kriege vor? Will man die Kriege so weiterlaufen lassen, bis der ganze Nahe Osten und Nordafrika zerstört sind? Ja, wahrscheinlich. Weil Kriege zweckgelenkt sind und bestimmte Interessen befriedigen. Und diese Interessen heißen ganz bestimmt nicht Regimewandel zur Demokratie. Die wachsende Sach-Intelligenz vermag die triebhafte, insbesondere die aggressive Reizbarkeit der Menschen nicht zu mildern, analysiert es Freud. Ihre permanente Aggressionsbereitschaft

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