Sonntag. Mit dem Nagel kratze ich den Glanz von den schönen Worten, und der Flitterstaub, der ganze Flitterstaub rieselt auf den Boden. Bleibt nichts als kaugummigraue Ernüchterung.
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Bilanz
Samstag. Also, aus meiner Schreibwerkstatt hat eine bei einem literarischen Wettbewerb die Schreibwoche für journalistisches Schreiben in Berlin gewonnen. Eine andere hat sich bei einem Wettbewerb für dramatisches Schreiben durchgesetzt, ihr Theaterstück wird im Herbst 2016 im Reutlinger Tonne-Theater uraufgeführt. Wenn ich daran denke, wie die beiden sich in den letzten drei Jahren entwickelt haben und von den Aufgabenstellungen und unseren wöchentlichen Schreibkonferenzen profitieren konnten, weil sie uneitel und risikofreudig und offen sind – und ohne das geht es eben gar nicht -, dann bin ich zufrieden und stolz. Ja!
WeiterlesenLieb mich!
Freitag. Am Ende sind da immer unheimlich viele Leute, die deine Anerkennung suchen. Das ist anstrengend. Und schön. Beides gleichzeitig.
WeiterlesenWir lieben und wir wissen nichts
Donnerstag. „Ihr Gerät scheint ein Meilenstein zu sein in der Entwicklung der Entsaftung.“ Sagt Mann zu Mann in der LTT-Inszenierung Wir lieben und wissen nichts von Moritz Rinke. Ein Stück über, ja, auch Entsafter, Beziehung, Eifersucht, Versagensängste und Passwörter. Letzteres besonders. Das war mein ziemlich verspätetes Geburtstagsgeschenk von und natürlich mit Wolfgang. Und mit Jennifer Kornprobst. Mal wieder. Ein Entlarvungsstück. Bei dem keiner gut wegkommt. Blieb leider ein bisschen dünne, die Geschichte. Sagen wir so, Jasmina Reza kann das irgendwie besser …
WeiterlesenIsmene, Schwester von –
„Ismene, Schwester von – “ Sondervorführung nur für uns am frühen Nachmittag und wohl ein einmaliges Erlebnis mit der großartigen Jennifer Kornprobst in den ansonsten kaum zugänglichen Katakomben des LTT. Das ist eben auch Tübingen, dass eine Schauspielerin für kleines Salär bereit ist für eine Schülergruppe aufzutreten, einfach weil es ihr wichtig ist, dieses Stück zu zeigen.
WeiterlesenEin Buch
Dienstag. Das Buch ist raus. Der dritte Band mit Texten aus meiner Schreibwerkstatt. Ein schönes Gefühl: Wenn sie es in den Händen halten und das Cover betrachten und dann „ihre“ Seite aufschlagen und den Titel ihres Textes und darunter ihren Namen entdecken. Und durch jede Zeile schimmern die Spuren der ersten, zweiten, sechsten, siebten Version, hart erkämpft, verteidigt und endlich losgelassen … Fördervereinfinanziert. Das heißt, andere glauben an die Texte und geben ihr Geld dafür her. Zwei Jahre Arbeit. Zwei Jahre, die sich gelohnt haben.
WeiterlesenDie Mitscherlichs zu Kultur und Gewalt
Montag. IMMER NOCH HOCHAKTUELL: „Kriege und Bürgerkriege flammen über die Erde verstreut auf und schwelen fort, Millionen Menschen leben in Hunger und ohne Recht, in Folterkammern werden aus einer nie versagenden Phantasie neue Techniken des Quälens und Erniedrigens bereitgehalten. Das alles sind Demonstrationen von Herrschaftsformen, die menschliche Kultur repräsentieren, und zugleich ihre Folgen. … Das Bestürzende: … Im Bewusstsein der Zerstörer wird für eine gute Sache vernichtet: für den besseren Glauben, für die rassisch überlegene, von Gott auserwählte Nation etc. Die Amphiktyonien, jene kultisch-politischen Verbände, die im frühen Griechenland sich eidlich verpflichteten, das Heiligtum zu schützen und ritterlich zu kämpfen,
WeiterlesenAbenteuer Deutsche Bahn
Sonntag. Oberleitungen beschädigt, Gleise blockiert – was n-tv just in dieser Minute über den Liveticker schickt, hab ich heute live erlebt: In Remagen fällt der Zug aus, wie es heißt, gab es eine Entgleisung irgendwo in NRW. Schnell weiter nach Siegburg, Stempel vom Reisezentrum, der nächste kommt mit 90 min Verspätung, doch keiner darf einsteigen wegen Überfüllung. Ich tu es trotzdem – an diesem Sonntag liefert die Bahn das volle Katastrophenprogramm. In Frankfurt geht dann gar nichts mehr. Stillstand. Irgendwann die Durchsage: Zu viele Fahrgäste an Bord, bitte aussteigen und mit dem Regio weiterfahren! Hm. Die Bahnpolizei rückt an. Und quetscht
WeiterlesenAdorno und Friedrich werden keine Freunde mehr
Donnerstag. Friedrich aus Bremen ist zu Besuch und arbeitet alle seine Tübinger Freund*innen nach einem zuvor erstellten Terminplan ab. Ich bin die um 11.30 Uhr. Treffpunkt: Padeffke. Friedrich will Windbeutel haben. Oder ein Sahne-Eclair. Gibts beides nicht, hitzebedingt (34 Grad). Er überlegt ziemlich lange, was er dann nehmen soll. Entscheidet sich für Käutertee, bittet mich, ihn nachher daran zu erinnern, dass er vier Vanillezungen mitnimmt. Die sind nämlich fast genauso gut, sage ich ihm. Oder sechs? Nein, sechs sind zuviel, vier! Friedrich: „Also, eins weiß ich. Ich hab ja nur wenig veröffentlicht. Aber. So ’n Scheiß, wie Adorno geschrieben hat, habe
WeiterlesenJonathan Meese dekonstruiert
Jonathan Meese beim Pekingente-Essen mit Harald Falckenberg: „Ent-identifiziert euch!“ „Ein Künstler befreit die Welt und wird hoffentlich nicht Gralskönig. Das wollen diese gralsfanatischen Kulturschleimer natürlich, dass er der nächste König wird, aber die Kunst verbietet das.“ „Wenn man den Meese einlädt, in Bayreuth das Bühnenbild, die Kostüme zu machen und eine Wahnfried-Ausstellung zu machen, dann will man doch den totalen Umsturz.“ „Diese Heiligsprechung von Wagner muss aufhören, die wird ihm nicht gerecht, der ist kein Gott.“ „Alle Politiker sollen abdanken, alle. Brauchen wir nicht mehr.“ „Wer in der Monarchie leben will oder im Kommunismus oder in einer Ultrademokratie, soll sich
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