Freitag, B.N. Aufschlussreiches Gespräch mit einer Literaturagentin. Das Sachbuchprojekt mögen sie also, sie und ihre Chefin. Den Roman finden sie und ihre Chefin aber zu gewagt. Wollen sie lieber ein weiteres nichtssagendes, nichts erzählendes Werk aus irgendeinem Schreibseminar auf den Markt werfen, damit der Wendepunkt sich auch wirklich exakt in der Mitte ereignet und auch sonst sämtliche Regelchen eingehalten sind, die so viele Bücher so ermüdend, so gleichgesichtig machen? Ich sage ihr das alles. Ich sage ihr auch, dass ich selber eine Schreibwerkstatt leite und dass ich das alles kenne und dass es nur wenige Seiten braucht, um herauszulesen, ob der
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Fakten und Praktisches
Mittwoch. Zehn Tage Israel, eine Woche Kiel und viele schöne Tage in Bad N. – packtechnisch eine Herausforderung, bes. an meinen Koffer. Wie wird es sein in Tel Aviv, in Jerusalem, in Yad Vashem, vielleicht am Toten Meer? Ich blättere in den Unterlagen vom israelischen Ministry of Tourism („Fakten und Praktisches über Israel“) und kann es mir noch nicht vorstellen. Hab mir ja auch das Vorausdenken abgewöhnt.
WeiterlesenBert Neumann, Zitat
„… dort, wo es ein bisschen kaputter ist, fühle ich mich aufgehoben. Ich muss mich dann nicht in Beziehung setzen zu dieser Perfektion. “ ( der kürzlich verstorbene Bert Neumann, Chefbühnenbildner der Berliner Volksbühne)
WeiterlesenEisenacher Impressionen
Montag, B.N. Am Wochenende ist Straßenfest in Eisenach. Irgendjemand hat Geburtstag. Zwischen traumhaften, gründerzeitlichen Großbürgerhäusern sind in zwei Reihen Biertische und -bänke aufgebaut. Getränke und das Buffet stehen im Hauseingang. Am Ende der Straße eine endlose Treppe, deren Stufen für das Fest kurzerhand bunt angestrichen wurden und nun mit Kerzen gesäumt sind, sie führen in das Dunkel der Eisenacher Oberstadt. Stimmung bestens, Anarchie und Nostalgie (jedenfalls für PM und seine alten Kumpels), für mich alles fremd und neu, die Wohnung der Gastgeberin groß genug, um darin Skateboard zu fahren, ein Riesenflur und so viele Zimmer, vollgestopft mit alten Möbeln und neuer
WeiterlesenDanke, Kollegen
Freitag. Wenns dir nicht gut geht, sind wir für dich da. Ist doch klar. Sagt Kollege Marcel oder Kollege Heiner oder beide im Wechsel, und sie sehen erst mich und dann sich an und dann wieder mich. Sie haben mir einmal maßgeblich geholfen, als ich in schlechter Verfassung war und Aufgaben nicht übernehmen konnte, und jetzt bedanke ich mich nochmal dafür und sie sehen mich wieder so an, und da muss ich schnell an etwas anderes denken, um nicht loszuheulen. Weil doch gerade die feierliche Verabschiedung von ganz anderen Kollegen läuft und ganz andere Leute heulen und das reicht dann
WeiterlesenStraßburg sehen …
Sonntag. Letzte Woche war ich beruflich in Straßburg. Erst ein einziges Mal sei ich in Straßburg gewesen, sage ich zu meinem Begleiter. Vor vielen Jahren, kurz vor dem Abi, als mir ein Maler – aber das ist wieder eine andere Geschichte. Als ich dann auf dem Platz vor dem Münster stehe, fällt mir schlagartig ein, dass es noch ein zweites Mal gegeben hat. Nämlich meine Hochzeitsreise. Colmar-Straßburg, die Katastrophenreise meines Lebens. Wie kann ich die vergessen haben! Wieder zurück, suche ich ein Foto heraus. Es zeigt eine sehr schlanke, junge Frau vor dem Hauptportal des Straßburger Münsters in schwarzem Minirock,
WeiterlesenKulturinitiative Rock e.V. Winterbach
Freitag. Zeltspektakel in Winterbach 2015. Status Quo haben dieses Jahr die Eröffnung gemacht, und heute Abend werden Jethro-Tull-Frontman Ian Anderson und Procol Harum auf der Bühne stehen. Und ich bin dabei, zusammen mit H.S., der extra aus dem Norden angereist ist. Für Legenden nimmt man so etwas in Kauf. Das Zelt ist ausverkauft, die Stimmung gigantisch. Zuerst laufen die Fünf von Procol Harum ein, die ich vor ein paar Jahren schon mal im Sudhaus gesehen habe, aber das ist mit der Open-Air-Atmosphäre so einer Location nicht zu vergleichen. Gary Brooker hat seinen Zopf abgeschnitten! Seine Stimme immer noch metallisch schneidend,
WeiterlesenSchöne Worte
Sonntag. Mit dem Nagel kratze ich den Glanz von den schönen Worten, und der Flitterstaub, der ganze Flitterstaub rieselt auf den Boden. Bleibt nichts als kaugummigraue Ernüchterung.
WeiterlesenBilanz
Samstag. Also, aus meiner Schreibwerkstatt hat eine bei einem literarischen Wettbewerb die Schreibwoche für journalistisches Schreiben in Berlin gewonnen. Eine andere hat sich bei einem Wettbewerb für dramatisches Schreiben durchgesetzt, ihr Theaterstück wird im Herbst 2016 im Reutlinger Tonne-Theater uraufgeführt. Wenn ich daran denke, wie die beiden sich in den letzten drei Jahren entwickelt haben und von den Aufgabenstellungen und unseren wöchentlichen Schreibkonferenzen profitieren konnten, weil sie uneitel und risikofreudig und offen sind – und ohne das geht es eben gar nicht -, dann bin ich zufrieden und stolz. Ja!
WeiterlesenLieb mich!
Freitag. Am Ende sind da immer unheimlich viele Leute, die deine Anerkennung suchen. Das ist anstrengend. Und schön. Beides gleichzeitig.
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