Im Westen nichts Neues – Pflichtlektüre für Kriegshetzer und Fans des Kalten Krieges

Donnerstag. „Ich bin jung, ich bin zwanzig Jahre alt; aber ich kenne vom Leben nichts anderes als die Verzweiflung, den Tod, die Angst und die Verkettung sinnlosester Oberflächlichkeit mit einem Abgrund des Leidens. Ich sehe, dass Völker gegeneinandergetrieben werden und sich schweigend, unwissend, töricht, gehorsam, unschuldig töten. Ich sehe, dass die klügsten Gehirne der Welt Waffen und Worte erfinden, um das alles noch raffinierter und länger dauernd zu machen. Und mit mir sehen das alle Menschen meines Alters hier und drüben, in der ganzen Welt, mit mir erlebt das meine Generation. Was werden unsere Väter tun, wenn wir einmal aufstehen

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KZ-Gedenkfeier Ravensbrück – hochnotpeinliche Symbolik

Die 90 geladenen Überlebenden des KZ Ravensbrück standen nicht im Zentrum des Interesses. Die Feier zum 70. Jahrestag der Befreiung verkam zur Polit-Farce   Hannah Rainer und Jakob Wischniowski, beide Studenten und beide vom ehrenamtlichen Helfer-Team, empfanden die Situation am Mittagstisch als zynisch (Spiegel-online, 25.04.15): Geholfen hatten sie bei der Gedenkfeier am vorigen Sonntag auf dem Gelände des ehemaligen KZs Ravensbrück. Gedacht wurde der Befreiung des Lagers vor 70 Jahren. Eingeladen neben den üblichen (verdächtigen) Ehrenträgern waren auch die wenigen ehemaligen Häftlinge, die heute noch am Leben sind, 90 an der Zahl. Insgesamt nahmen 1000 Gäste teil. Wir kennen die

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Rose Ausländer – „Die Vergangenheit / hat mich gedichtet“

Samstag. Es waren Rose Ausländer im Besonderen und die Beschäftigung mit der deutschen Exillyrik im Allgemeinen, die mir die Tür zur Welt der Lyrik geöffnet haben. Ausländers Sprache ist einfach und gewaltig. Man wird süchtig danach, und ihre mit Sprache gezeichneten Bilder wird man nie mehr los. Wieviel Arbeit hinter der Reduktion steht, kann man spüren, wenn man sich dem Sog ihrer Gedichte hingibt. Ihre Wirkung ist geradezu körperlich. Es ist das Versinken in einer vollkommen fremden und dennoch vertrauten Anrede. Ausländer verzichtet auf Effekte. Aber mit hintergründiger Spontanität kombiniert sie scheinbar einander ausschließende Wörter/Assoziationen, um dieses Gefühl von Verblüffung und luftiger

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Zu viel, zu viel

Sonntag, B.N. Unsere Väter – unsere Mütter. Eine never ending Story. Mit dem Schritt über die Schwelle ihres Hauses ist da dieses starke Gefühl der Unvollständigkeit, Unattraktivität, Unakzeptanz in jeder Hinsicht. Wie hältst du dem Angriff diesmal stand? Wie erfüllst du deinen Teil der Verpflichtung, sprich: Pflege, ohne emotionale Beteiligung? Wie bekommst du deine Unschuld zurück? Übrigens ein Ost-West-übergreifendes Thema. Und immer wieder geht es um das zu viel*. Was begründet diese tiefsitzende elterliche Aversion? Neid? Angst vor dem Anderssein der Tochter, des Sohnes? Etwas, das viel früher zurückliegt und nun nicht mehr fassbar ist? (Der Krieg?, ach ja, dieses

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Stratfor, George Friedman und die US-Strategie in Sachen Ukraine – und Illner!

Freitag, B.N. Das youtube-Video „Stratfor – George Friedman“ (www.kla.tv/5586) muss man leider gesehen haben. Eigentlich gibt es kein wichtigeres Thema als dieses, wenn die Auseinandersetzung damit nicht so deprimierend wäre. Friedman gibt in einmalig unmissverständlicher Weise die US-Strategie in Sachen Ukraine und US-Weltmacht preis: „Die Deutschen haben ein sehr komplexes Verhältnis zu den Russen. … Die Hauptbefürchtung der USA ist, dass deutsches Kapital und deutsche Technologien mit russischen Rohstoff-Ressourcen und russischer Arbeitskraft sich zu einer einzigartigen Kombination verbinden, die DIE USA SEIT EINEM JAHRHUNDERT ZU VERHINDERN SUCHEN.“ Friedman rechtfertigt Nato-Aktionen übrigens ausdrücklich auch, wenn sie moralisch nicht vertretbar sind… Ich

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Wie im Himmel

Den schwedischen Spielfilm Wie im Himmel (2004) vergesse ich nicht so schnell. Gestern Abend kam er auf 3sat, ich wollte eigentlich nur durchzappen. Das ging aber nicht. Die Bilder nahmen mich sofort gefangen und zogen mich immer weiter in das Geschehen hinein. Das Erstaunlichste: Der ganze Film ist vollkommen ironiefrei. Er ist sozusagen unschuldig. Und lädt den Zuschauer zu einer poetischen Reise in eine Lebenswelt ein, in der die Musik sowohl Konflikte aufbrechen lässt als auch heilt. Wie im Himmel ist im positiven Sinne seltsam. Yeah, that’s it!

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Brauchen wir den Feminismus noch?

Donnerstag, B.N. Am 08.08.2015 hat Jens Jüttner auf Facebook den WELT.de-Artikel „Warum mich der Feminismus anekelt“ von Ronja von Rönne gepostet. Ich kommentierte daraufhin, es mache sich nicht gut, als Mann einen intellektuell so unterirdischen, antifeministischen Artikel weiterzuverbreiten. Daraufhin er: Jens Jüttner Erleuchten Sie mich/uns. 1 Std · Gefällt mir C Juliane Vieregge Schlechte Voraussetzungen, oder? Die WELT hat manchmal eben BILD-Niveau. Aber manchen gefällt’s … 1 Std · Gefällt mir Jens Jüttner Frau Vieregge, kommt da inhaltlich noch was an Argumenten oder begnügen Sie sich damit, die Autorin als ignorant und der Welt ein BILD-Niveau zu attestieren? 1 Std · Gefällt mir C Juliane Vieregge SEUFZ! Mit dieser Provokation haben

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Ostern

Ostermontag, B.N. Zweitägiger Besuch von T. und S., gleich nach ihrer Ankunft langes und megaentspanntes Baden und Saunieren in der Ahrtherme. Am nächsten Tag: Volles Haus, Osterfest in peacefuller Stimmung mit Sonne im Garten und am Frühstückstisch. Nachmittags Sightseeing, Spazierengehen, Eis essen. Abends Familien-Zusammenkunft in Köln bei L. und B. Zu zehnt essen gegangen, angenehme Kneipe in der Neusser Straße. L. ist ganz schön schwanger, zukunftsorientiert, zuversichtlich. Ja ja. Alles wird gut.

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Raus aus der NATO

Ostermontag, B.N. Anlässlich der OSTERMÄRSCHE 2015: Eugen Drewermanns Rede auf der großen Friedensdemo am 13. Dezember 2014 vor Gaucks Residenz    Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens, wir stehen hier in den Vorweihnachtstagen um auszusprechen, was wohl jeder fühlt: Wir wollen Frieden, und keinen Krieg! Als Theologe möchte ich Herrn Gauck daran erinnern, dass er seinen Gemeinden, als er noch im Dienst war, wohl nicht erläutert hat wie die Engel über den Fluren von Bethlehem zur Friedenspolitik des Kaisers Augustus in Rom aufriefen. Genau das Gegenteil der Pax Romana war gemeint: Wer dich auf

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