Samstag, Tel Aviv. Das Mietauto haben wir ja noch bis Mittwoch Abend. Nach dem Tag gestern in Jerusalem können wir uns nicht vorstellen, gleich nochmal hinzufahren, schon gar nicht mit dem Auto (obwohl wir noch einiges nicht gesehen haben). Und so fahren wir ans Tote Meer. Nach En Gedi möchte ich, wo Saul David verfolgte und David sich in einer Höhle versteckt hielt. Ich stelle mir eine sehr kleine, alte und verfallene, irgendwie staubige Stadt zwischen Wüste und Salzmeer vor. Das Bild vor meinem inneren Auge ist recht konkret. Doch En Gedi ist praktisch nichts! Wir kommen an eine Raststation,
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Jerusalem also
Freitag, Tel Aviv. Jerusalem also. Also die Hinfahrt. Die Parkplatzsuche. Die Altstadt. Der Tempelberg. Und dann die Klagemauer. Was da in dir vorgeht, wenn du vor der Klagemauer stehst, diesem Restbestand des ersten Tempels, die alten Ritzen gespickt mit Dankes- und Bittzettelchen, von Frauen gesäumt (ich war natürlich auf der Frauenseite), die ihre Stirn und ihre Handflächen an das Gemäuer pressen und die Augen schließen, das kann u. will ich hier nicht darstellen Nur so viel: Es lässt dich, niemanden, kalt. Es berührt dich, mehr als du vermutet hast. Es weckt Erinnerungen, Sehnsüchte. Es lässt dich nicht ungeschoren davonkommen. Etwas
WeiterlesenUnd dann: Jerusalem
Jerusalem, heute, hat mich getroffen, tief bewegt, geschafft, ermattet. Zu viele Eindrücke! Am Anfang und leider auch nochmal am Ende stand jeweils eine ziemlich ätzende Fahrt mit dem Mietauto durch zwei Städte – Tel Aviv und Jerusalem – , in denen jede Sekunde der Verkehrsinfarkt droht. Einzige Therapie (gilt nur für Einheimische): Aggro-Volldrauf-Hupkonzerte! PM maximal genervt… So kann das gehen, wenn sehr alte Träume endlich wahr werden. Morgen mehr.
WeiterlesenJaffa und Meer
Dienstag, Tel Aviv. Nach Sonnenuntergang, nachdem der Feuerball hinter Dunstwolken verschwunden ist, tobt am Strand das Leben. Familien karren sich selbst und Körbe mit Essen und transportable Grills heran, komplett bekleidete Araberinnen steigen ins Wasser und haben ihren Spaß, das Ufer ist gesäumt von Badenden und Hunden, andere holen sich die schon aufgestapelten Plastikstühle herunter und schieben sie zu einem großen Kreis zusammen, um miteinander zu trinken und zu spielen. Wir halten bis 1.30 Uhr heute früh durch, trinken in der Masada-Bar noch einen Arak Mojito, bzw. israelisches Bier und stellen Überlegungen an, wann auf dem Boulevard wohl Ruhe einkehrt. Wir
WeiterlesenThe Eagle Has Landed: Tel Aviv
Montag. Tel Aviv ist laut, bunt und leidenschaftlich. Im Hotel Dan gibts ein koscheres Frühstücksbüffet, das wirklich keine Wünsche offenlässt. Allein 4 verschiedene Käsesahnetorten! Nachts, am Strand, trainieren israelische Jungs und Mädels in einer Art Open-Air-Fitnessstudio. Alles geht geregelt und diszipliniert zu, von der Taxifahrt am Flughafen bis zur Strandhandtuch-Ausgabe am Hotelausgang. Toda heißt Danke!
WeiterlesenTelefontermin Literaturagentin
Freitag, B.N. Aufschlussreiches Gespräch mit einer Literaturagentin. Das Sachbuchprojekt mögen sie also, sie und ihre Chefin. Den Roman finden sie und ihre Chefin aber zu gewagt. Wollen sie lieber ein weiteres nichtssagendes, nichts erzählendes Werk aus irgendeinem Schreibseminar auf den Markt werfen, damit der Wendepunkt sich auch wirklich exakt in der Mitte ereignet und auch sonst sämtliche Regelchen eingehalten sind, die so viele Bücher so ermüdend, so gleichgesichtig machen? Ich sage ihr das alles. Ich sage ihr auch, dass ich selber eine Schreibwerkstatt leite und dass ich das alles kenne und dass es nur wenige Seiten braucht, um herauszulesen, ob der
WeiterlesenFakten und Praktisches
Mittwoch. Zehn Tage Israel, eine Woche Kiel und viele schöne Tage in Bad N. – packtechnisch eine Herausforderung, bes. an meinen Koffer. Wie wird es sein in Tel Aviv, in Jerusalem, in Yad Vashem, vielleicht am Toten Meer? Ich blättere in den Unterlagen vom israelischen Ministry of Tourism („Fakten und Praktisches über Israel“) und kann es mir noch nicht vorstellen. Hab mir ja auch das Vorausdenken abgewöhnt.
WeiterlesenBert Neumann, Zitat
„… dort, wo es ein bisschen kaputter ist, fühle ich mich aufgehoben. Ich muss mich dann nicht in Beziehung setzen zu dieser Perfektion. “ ( der kürzlich verstorbene Bert Neumann, Chefbühnenbildner der Berliner Volksbühne)
WeiterlesenEisenacher Impressionen
Montag, B.N. Am Wochenende ist Straßenfest in Eisenach. Irgendjemand hat Geburtstag. Zwischen traumhaften, gründerzeitlichen Großbürgerhäusern sind in zwei Reihen Biertische und -bänke aufgebaut. Getränke und das Buffet stehen im Hauseingang. Am Ende der Straße eine endlose Treppe, deren Stufen für das Fest kurzerhand bunt angestrichen wurden und nun mit Kerzen gesäumt sind, sie führen in das Dunkel der Eisenacher Oberstadt. Stimmung bestens, Anarchie und Nostalgie (jedenfalls für PM und seine alten Kumpels), für mich alles fremd und neu, die Wohnung der Gastgeberin groß genug, um darin Skateboard zu fahren, ein Riesenflur und so viele Zimmer, vollgestopft mit alten Möbeln und neuer
WeiterlesenDanke, Kollegen
Freitag. Wenns dir nicht gut geht, sind wir für dich da. Ist doch klar. Sagt Kollege Marcel oder Kollege Heiner oder beide im Wechsel, und sie sehen erst mich und dann sich an und dann wieder mich. Sie haben mir einmal maßgeblich geholfen, als ich in schlechter Verfassung war und Aufgaben nicht übernehmen konnte, und jetzt bedanke ich mich nochmal dafür und sie sehen mich wieder so an, und da muss ich schnell an etwas anderes denken, um nicht loszuheulen. Weil doch gerade die feierliche Verabschiedung von ganz anderen Kollegen läuft und ganz andere Leute heulen und das reicht dann
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