Freitag, B.N. Warum kann einer, der seinen drehbuchreifen Abgang mit dem größtmöglichen Schaden und den nachhaltig wirksamsten Spielchen und Grausamkeiten, die er nur ersinnen konnte, inszeniert hat, auch drei Jahre danach einfach NICHT LOSLASSEN? Das ist ein Rätsel, mit dem sich vor allem mein bedauernswerter Anwalt beschäftigen muss: „In vorgezeichneter Angelegenheit sollten wir tatsächlich nicht versuchen, durch meines Erachtens nicht haltbare rechnerische Spielereien eine doch naheliegende Einigung der Parteien zu verhindern.“ „Es ist nicht einzusehen, weshalb der Urlaub Ihrer Sekretärin die ganze Angelegenheit nun noch einmal verzögern sollte. Dies dürfte nicht im Interesse Ihres Mandanten liegen.“ „Ich möchte doch im
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Massenflucht und US-Militärinterventionen
„… Bei der Suche nach den Fluchtursachen fällt sofort auf, dass die mit Abstand meisten Flüchtlinge aus Ländern kommen, die in den letzten 20 Jahren Schauplätze von Kriegen waren: das ehemalige Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Syrien, Äthiopien, Somalia. Nach einer Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) waren 2014 die genannten Staaten und ihre Zerfallsprodukte die zehn wichtigsten Herkunftsländer für Asylbewerber in Deutschland. Kennzeichnend für fast alle Kriege in den genannten Staaten sind völkerrechtswidrige Militärinterventionen, zumeist der USA und ihrer Bündnispartner. Das legt die Annahme nahe, dass diese Kriege hauptursächlich für die großen Fluchtbewegungen der Gegenwart sind. Diese Kriege bedeuteten
WeiterlesenWarum die Ukraine?
Warum unterstützen der IWF und die EU die Ukraine, obwohl die Ukraine keine Demokratie ist? Wieso gelten die korrupten Oligarchen dem IWF und der EU als förderungswürdig? Wieviele der verschenkten Millionen wandern sofort in Waffengeschäfte? Bringt der IWF, als Instrument des US-Imperialismus (Nato-Osterweiterung), damit die ukrainischen Faschisten nicht direkt gegen Russland in Stellung? Paradox, oder größter Witz: Die Ukraine strebt ähnliche Konditionen für einen russischen Kredit über drei Milliarden Dollar an, der am 20. Dezember fällig wird. Mit den nun ausgehandelten Bedingungen müsse sich auch Moskau abfinden, forderte Jazenjuk: „Russland wird keine besseren Bedingungen als die restlichen Kreditgeber erhalten“, sagte
WeiterlesenMan kann, oder: Familie im Ruhrpott
Donnerstag, B.N. Und dann sechs Tage Familie, der schwierige Teil. Familie kann zum Fürchten sein. Sich jeden Tag neu erfinden, wie Sartre das so durchgespielt hat gedanklich und auch autobiographisch – kann man das? Jeden Tag ein neuer Entwurf meines Ichs, ohne die gefürchteten Spuren, frei von jenen familiären Mustern, die es nicht wert sind, tradiert zu werden, ja, man kann. Ein bisschen kann man das. Und das ist unter Umständen ganz schön viel. Die Befreiung von der Herkunftsfamilie – es gibt Fälle, für die das ein unabdingbarer Prozess ist, und unbedingt betrachte ich mich als einen solchen Fall. Nicht,
WeiterlesenFreitag in Frankfurt
Freitag. B.N. Wieder zurück in Deutschland. PM heute mit seinen beiden Kindern nach Chicago, ich nach Frankfurt zum Big Familytreffen, der angenehme Teil. (L.’s 30. Geburtstag!) Thommie: Der liebe Gott hat mir zwei Ohren geschenkt: Eins für rein und das andere für raus.
WeiterlesenNo problem
Donnerstag, Tel Aviv. Als wir in der Dämmerung aus Jaffa zurückkommen, PM und ich haben Geschenke für unsere Lieben eingekauft, laufen wir am Sir Charles Clore Park vorbei. Jeden Abend ist der ganze Park voller Familien, die zusammensitzen, essen, Musik hören und Spiele machen. Sie haben Tische und Stühle aufgebaut, die sie samt Grillzeugs in ihren Autos her transportieren, die Grills rauchen, das Fleisch und das Gemüse auf den Rosten duftet und die Stimmung ist so megaentspannt, dass man sich am liebsten sofort dazu setzen möchte. Bloß wo? Arabische und israelische Familien sitzen getrennt voneinander, in friedlicher Koexistenz, wie auch die Communities
WeiterlesenKein Aber
PM sagt: „Jetzt verstehe ich das. Mit Israel ist es das gleiche wie mit der DDR. Da ist immer dieses Aber. Du darfst sagen, dass du Israel gut findest, es muss aber ein Aber folgen: Aber die Palästinenser, aber das Problem mit den besetzten Gebieten, aber, aber. Du darfst auch sagen, dass du in der DDR eine gute Jugend hattest, vergiss aber ja nicht hinzuzufügen, dass die DDR aber (!) ein Unrechtstaat gewesen ist. Damit zwingt man mich, der trotz der damit verbundenen, erheblichen Nachteile ein Kritiker des DDR-Staates gewesen ist, die DDR zu verteidigen. Das ist paradox. Ich war
WeiterlesenYad Vashem
Yad Vashem ist ein Muss. Als Deutsche(r) kannst du dich da nur beschissen fühlen. Wenn du einigermaßen gut informiert bist, überraschen dich weniger die Bilder und Texte, sondern vielmehr die konsequente Opferperspektive der Ausstellung. Die Täter sind Nebenfiguren und werden als solche lediglich benannt. Vor der original Schindlerliste zu stehen, ist ein besonderer Moment. Spätestens da begreifst du, dass der Staat Israel die einzige mögliche Antwort auf den Holocaust ist. Zum Glück, wirklich, habe ich Imre Kertesz‘ „Roman eines Schicksallosen“ im Reisegepäck und in den Tagen zuvor gelesen. Die sehr nachhaltigen Eindrücke des Romans ergänzen und intensivieren die bedrückenden Eindrücke
WeiterlesenPolitikunterricht
Dienstag, Tel Aviv. Am Sonntag stehen Yad Vashem und der Shrine of The Book an. Wir sagen es dem Taxifahrer, und er will wissen, warum. Erst nachdem wir ihn aufgeklärt haben, dass wir die Jerusalemer Altstadt schon kennen, ist er einverstanden. Trotzdem fragt er uns die Sehenswürdigkeiten eine nach der andern ab. Er ist Jerusalemer, und was seine Stadt angeht, da versteht er keinen Spaß. Er erzählt uns, dass jeder und jede Israeli drei, bzw. zwei Jahre lang zum Militär müssen und danach jedes Jahr wieder für einen Monat. Bei mir sind das 41 Jahre, sagt er und taxiert uns
WeiterlesenEnjoy The Day
Montag, Tel Aviv. Die nächsten drei Tage verbringen wir in Tel Aviv und am Strand. Hier wird ausschließlich Französisch gesprochen, was daran liegt, dass viele jüdische Familien aus Frankreich im August ihren Urlaub traditionell im Hotel Dan verbringen. Sie scheinen sich alle untereinander zu kennen und machen viel Krach. Sie überfluten Tel Aviv „wie eine Krankheit, die vorübergeht“, bringt es ein Taxifahrer auf den Nenner. Er führt es darauf zurück, dass aufgrund des zunehmenden Antisemitismus‘ französische Juden sich im eigenen Land nicht mehr sicher fühlen und sie wenigstens einen Monat im Jahr unbeschwert leben möchten. (Jedes Jahr übersiedeln 10.000 französische Juden
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