Ganz anders

Freitag, B.N. Auch hier heißt die Hauptverkehrsstraße Wilhelmstraße. Auch hier heißen die Straßen eines Wohnviertels aus den Sechzigern Sudeten-, Danziger- oder Tilsiterstraße. Und die Weinbergstraße gibts in Tübingen auch, sodass sich für einen Augenblick die Bilder verwirren. Auch hier reden die Leute Dialekt. Den verstehst du ohne Anpassungsphase, obwohl du im ersten Moment glaubst, die machen nur Spaß. Es gibt nur einen Buchladen, nur ein Antiquariat und kein einziges ernstzunehmendes Schuhgeschäft. Dafür an jeder Ecke ein Lokal. Hier wird rheinländisch gekocht, und dazu werden Weine aus der Region gereicht. Den meisten scheint es sehr gut zu gehen. Sie leben vom

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Heimat II – oder Das Einzige

Donnerstag, B.N. Die einzige Botschaft, die meine Mutter mir auf den Lebensweg mitgegeben hat, ist, dass das Leben an sich nichts taugt. Ihr eigenes Leben hat sie als Zumutung empfunden. Das Leben der Anderen auch; stellvertretend sozusagen, für die Anderen. Das Einzige, was meine Geschwister und mich in Sachen Lebensführung verbindet, ist ein sensationeller Aktionismus. Wir lassen nur wenig aus, wir nutzen jede Sekunde. Wir haben Energie zum Abwinken. Wir sind sehr gründlich, jeder auf seinem Gebiet. Wir sind ultimativ kreativ. Wir kriegen den Kopf aus jeder Schlinge. Wir lassen uns nichts vormachen (die Jahrzehnte lange Rhetorik-Schulung einer vom Leben

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„Alle Kriegsherren haben einen gemeinsamen Feind: Die Wahrheit.“ (Kurt Tucholsky)

Krieg gegen Russland: Ehemalige Geheimdienstler warnen Merkel vor falschen „Beweisen“ Ehemalige Mitarbeiter von US-Geheimdiensten haben einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel geschrieben, in dem sie vor einem Krieg mit Russland warnen. Die von den USA vorgelegten Beweise für eine russische Invasion der Ukraine seien höchst zweifelhaft und erinnerten an die falschen Beweise im Vorfeld des Angriffs auf den Irak. Die ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter warnen Merkel vor Nato-Generalsekretär Rasmussen. Denn als dänischer Premier hat er auch 2003 im Vorfeld des Irak-Kriegs massiv gelogen. (Foto: dpa) Alarmiert durch die anti-russische Stimmung, die das offizielle Washington in diesen Tagen prägt – und das Gespenst

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Putins Äpfel

Große Beunruhigung wg Ukraine-Krise. Gestern Nacht kam eine Doku über den Tag, an dem der 2. Weltkrieg anfing. Es war ein sonniger Spätsommertag, die Leute badeten und gingen shoppen und tanzen und hatten Spaß am Leben und gar keine Lust auf Krieg. Warum muss die Nato jetzt den starken Mann markieren? „Aktionspläne“ und „Speerspitzen“, „zusätzliche Soldaten“ und „Logistikstützpunkte“ gegen den „Aggressor“ statt Abrüstung, auch verbaler Art. Männer bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, könnte man meinen. Wenigstens ein bisschen Kalter Krieg, den hatten wir schon so lange nicht mehr. Dafür wird Propaganda gemacht, mit Drohungen und Geprotze. Und die Medien spielen mit. Dabei

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Kochen und Arbeiten

Dienstag, B.N. Gestern Abend las PM mir das Märchen Tischlein, deck dich vor. Wir waren durch ein Zitat darauf gekommen. Märchen kannst du immer wieder hören, auch wenn du den Plot schon in- und auswendig kennst. Du setzt dich hin, weißt genau, was jetzt passiert und freust dich drauf. Du könntest das auch analysieren, wie der Text das anstellt, und das ist sogar ziemlich offensichtlich, wie er es anstellt, aber hast du dazu wirklich Lust? Während er las, hab ich gekocht: Reis, Thymiantomaten und Hähnchenschlegel, für PM Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Bohnengemüse. Nach dem Essen ist er auf dem Sofa

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Echte Alternativen

Es ist doch immer wieder ein Wunder, welche Möglichkeiten sich im Leben manchmal auftun und sich als echte Alternative entwickeln und dann auch vieles Bisherige infrage stellen … Panta Rhei sozusagen, alles verändert sich. In jeder Veränderung entsteht ein Neues (frei nach Platon bzw. Heraklit).

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August Macke Haus in Bonn

Montag, B.N. „Nun merke ich immer mehr, welche wundervollen Möglichkeiten die Kunst bietet. … Das Kunstwerk ist ein Gleichnis der Natur, kein Abbild“, schreibt August Macke am 12. Februar 1914 an seinen Künstlerkollegen Hans Thuar. Kann man nicht das Gleiche von der Literatur behaupten? Ein halbes Jahr nach dem o.g. Briefwechsel, im September 1914 und damit unmittelbar nach Kriegsbeginn, fällt Macke in Frankreich. Er ist erst siebenundzwanzig Jahre alt, und Deutschland hatte einen visionären und innovativen Künstler weniger.

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Promi Big Brother

Dienstag, B.N. In L.’s WG habe ich ein Mädchen kennengelernt, die bei Promi-Big-Brother arbeitet. Sie ist extra für diesen Job nach Köln gezogen (in das Zimmer von dem Typen, der dachte, er wäre während der Zeit weg, jetzt aber gar nicht weg ist und deshalb solange in der Küche schlafen muss!) Sie hat mir erzählt, dass ihr Job darin besteht, jeden Tag acht bis neun Stunden Promi-Big-Brother zu gucken, und zwar die gesamten Aufzeichnungen von einer Kamera. Sie muss alles dokumentieren, was da passiert, und mit Hilfe ihrer Dokumentation wird dann von der Regie entschieden, welche Szenen zusammengeschnitten werden für

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Too cold, too cold …

Montag, B.N. Ich unterbreche jetzt mal meine Arbeit und geh mir eine Jacke kaufen. It’s too cold, too cold for me! Wird ja wohl auch nix mehr mit dem Sommer. Heizen? Im August? Und in meinem Koffer nur die paar Sachen vom Urlaub: Bikinis, T-Shirts, kurze Röcke, weiße Hosen … Ach ja, und drei Paar Sandalen!

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Pink Hotel

Sonntag, B.N. Hab gerade eine schöne Stelle gelesen (PINK HOTEL) … ‚Melancholie‘, dachte ich bei mir, ‚von großer Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder Depressivität gekennzeichneter Gemütszustand.‘ Was für ein schönes Wort, das man immer weiterspinnen konnte, das einen zu anderen Wörtern führte, zu ‚Melange‘ und ‚cholerisch‘ beispielsweise, ja sogar zu ‚Liebe‘. aus: Pink Hotel von Anna Stothard, Diogenes 2013 (S.92)

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