Mittwoch. Wer Karriere machen will, muss netzwerken, heißt es heute auf Spiegel-online (Netzwerken macht ein dreckiges Gefühl, Timo Stukenberg) Zu diesem Zweck geplante Netzwerk-Events seien oft aber so grässlich, dass sich die Teilnehmer hinterher wie befleckt fühlen, körperlich schmutzig – es sei denn, sie halten sich für mächtig. Erzwungene Gespräche mit lauter fremden, potenziell karrierefördernden Leuten: Wer an einer derartigen Veranstaltung teilnimmt und andere Menschen nur unter dem Aspekt kennenlernt, seine persönlichen Jobchancen zu erhöhen, empfinde sich dabei oft als unauthentisch, unmoralisch, schuldig. Dieses Unbehagen sei so stark, dass es sich sogar auf den Körper übertrage, bis hin zum Bedürfnis
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Sehr seltsam
Montag. Es ist sehr seltsam, von einem Menschen zu wissen, der dich emotional, finanziell und existentiell vernichten will. Noch seltsamer, wenn dieser Mensch der ist, um den du zwanzig Jahre lang einen never ending Tanz aufgeführt hast wie seinerzeit die Israeliten am Fuße des Horeb um ihr goldene Kalb. Ich finde, der, der geht, nein, der so geht, sollte froh und zufrieden sein, dass er alle Brücken mit Erfolg hinter sich eingerissen hat. Ansonsten soll er für den Rest seines Lebens unsichtbar bleiben. Und die Fresse halten.
WeiterlesenHimmlische Hochzeit
Sonntag, B.N. Die Hochzeit von L. und B. war ein himmlisches Fest. Das meine ich ohne Übertreibung. Nichts hat gefehlt. Nichts war zu viel. Ein Fest zum Eintauchen und Wohlfühlen. Eine wunderschöne Braut. Phantasievoll gestaltetes Outfit in Royalblau und Weiß. Vieles selbstgemacht. Perlen, Bänder, Accessoires. Kreativ statt protzig. Geschmackvoll. Hinreißend. (Meine Tochter!) Einhundert Gäste kamen ins Bürgerzentrum, das wir vorher geputzt und schön dekoriert hatten. Eine Bande von interessanten und interessierten, sozial eingestellten, kommunikativen, sehr entspannten Jungs und Mädels. Jeder war Teil vom Ganzen, trug dazu bei, dass das Fest so war, wie es war, zu Ehren des Brautpaares. Ein Buffet,
WeiterlesenWerkbericht
Das Interview mit C.M.-B. ist fertig. Gestern Abend habe ich es abgeschickt. Die Bearbeitung war extrem schwierig und hat viel Zeit gekostet, fast soviel wie das Interview mit C.B. Es ist erstaunlich, dass die meisten Menschen nicht in vollständigen Sätzen reden (ich übrigens auch oft nicht). Normalerweise fällt das nicht auf, aber die Aufzeichnungen zeigen deutlich diese Ungeduld, dieses nicht zu Ende Sprechen und Denken und mit jedem Halbsatz schon wieder ein neuer Gedanke. Mehrmals musste ich nachfragen, wie er was gemeint hatte. Besonders seine große emotionale Distanzierung verschleiert das Geschehene mehr, als dass sie es klärt. Ein paar Mal
WeiterlesenHeimat III
Sonntag, B.N. Hab geträumt, ich steige auf der Strecke nach Tübingen an einem unbekannten, kleinen Bahnhof aus und weiß nicht weiter. Laufe mit meinem Gepäck in den Ort, wo ich an einem hübschen Haus vorbeikomme, und kann bei der Familie auf dem Sofa übernachten. Das Mädchen untersucht meine Schminksachen, während sie mir von ihren Schulproblemen erzählt. Am nächsten Tag bringen die freundlichen Menschen mich zum Bahnhof, und ich stelle fest, dass ich einfach im Zug hätte sitzen bleiben müssen. Mit welchen Empfindungen werde ich heute Nacht den Schlüssel in die Haustür stecken? Wie wird meine Wohnung nach so langer Abwesenheit
WeiterlesenOst-West-Konflikt
Der amerikanische Schauspieler Richard Kiel ist im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in Kalifornien gestorben, sagt der Nachrichtensprecher beim Morgenkaffee. Richard Kiel? Nie gehört. Doch mit dem nächsten Stichwort löst sich das Rätsel: Der Gegner von James Bond in Der Spion, der mich liebte und Moonraker, aaah, der Beißer, der Eisenbeißer, der mit seinem Stahlgebiss alles kaputt beißt und fies grinst und nie redet und immer überlebt, sogar, wenn Gebäude über ihm zusammenstürzen, augenblicklich habe ich ihn vor Augen. Ist das so wichtig, wundert PM sich, dass sie das in den Nachrichten bringen? Im Osten, sage ich, gab es das auch.
WeiterlesenBuch-Challenge
Donnerstag, B.N. Heinz Koch hat mich für die Buch-Challenge nominiert (danke, dass es kein Eiswasser war). Hier zehn von vielen anderen Büchern, die für mich wichtig waren oder es im Moment sind: 1. H. Christof Müller-Busch: Abschied braucht Zeit 2. A. u. M. Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern 3. Marion Brasch: Wunderlich fährt nach Norden 4. Stefan Schwarz: Die Großrussin 5. Daniel Kehlmann: Ruhm 6. Thomas Mann: Tonio Kröger 7. Rafael Yglesias: Dr. Nerudas Therapie gegen das Böse 8. Philippe Djian: Betty Blue 9. Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand 10. Phillip Roth: Der menschliche Makel Beste Grüße an die zehn von mir
WeiterlesenGrossrussin?
Montag, B.N. „Man ist ja nicht dazu geboren, in der zweiten Reihe zu stehen“, sagt gestern einer beim Winzerfest zu Dorothee und mir. (Ich kann es nicht glauben, dass ich beim Winzerfest war!) Heute morgen wg meinem Arm zum Orthopäden. Kortisonspritze in den Ellenbogen. Hoffe es nützt, ist schmerzhaft und bewegungseinschränkend u ich fürchte, es kommt vom Schreiben am PC. Danach eine wunderbare Buchhandlung entdeckt: Bücherstube Schmitz. Interessante Auswahl bei den Neuerscheinungen, sehr kompetente Beratung. Drei Bücher gekauft: – Wunderlich fährt nach Norden von Marion Brasch, Fischer – Die Grossrussin von Stefan Schwarz, Rowohlt (Hm! Müsste ja eigentlich Großrussin heißen.
WeiterlesenSchuld, Scham, Trauer
„Wo Schuld entstanden ist, erwarten wir Reue und das Bedürfnis der Wiedergutmachung. Wo Verlust erlitten wurde, ist Trauer, wo das Ideal verletzt, das Gesicht verloren wurde, ist Scham die natürliche Konsequenz.“ (S. 36) Warum Schuld, Scham und Trauer nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes allerdings kollektiv ausfielen, untersuchten Alexander und Margarete Mitscherlich schon 1967 in ihrem gemeinsamen Werk Die Unfähigkeit zu trauern. Diese Unfähigkeit, die einzig angebrachten – edelsten menschlichen – Gefühle zunächst mal zu empfinden und dann auch zu äußern, lässt sich zusammenfassen als Resultat einer intensiven inneren Abwehr. Die Hitlerbefürworter, die Judenmordbefürworter hätten nicht mehr in den Spiegel schauen
WeiterlesenZellbiologie am Sonntag
Sonntag, B.N. Heute klaue ich meinen Blogeintrag mal von Facebook, mit Quellenangabe selbstverständlich! C Juliane Vieregge hat Kristina Paßbergs Status geteilt. vor etwa einer Stunde Schon wieder was gelernt. Entropiezunahme – Danke! #Zellbiologie am Sonntag: Unser ICH ist kein Einzelwesen. Jeder Mensch ist ein funktioneller Verbund von 100 Billionen Zellen. Zellen besitzen einen eigenen Stoffwechsel, können kommunizieren, haben unterschiedliche Formen und Funktionen, können sich reproduzieren und sterben. Sie sind also die kleinste, uns bekannte Lebensform. Ergo, der Mensch ist eine Entität aus 100 Billionen Entitäten. Da jedoch alles, inklusive des Universums, die Tendenz hat zu entropieren (Entropiezunahme = die Tendenz
Weiterlesen