Zwei Seiten

Dienstag. Zwei Handwerker kommen, um das Dach bzw. den Schacht meiner Dunstabzugshaube zu reparieren. Ich stell Kaffee und Kekse raus, wir quatschen ein bisschen, der eine hat einen ostdeutschen Slang. Ich sage, cool, Sie kommen aus Thüringen, da ziehe ich bald hin.Ich gehe auch bald wieder zurück, sagt er. Das muss jetzt reichen mit dem Westaufbau, und die Leute hier motivieren einen ja nicht direkt zum länger Bleiben.Wir lästern ein bisschen über die schwäbische Mentalität ab, da sagt der andere: Ich komme auch nicht von hier. Ich bin eine Mischung, die eine Hälfte verrate ich, die andere verheimliche ich. Okay,

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Freunde

Samstag. Als ich heute Morgen meinen Koffer nach unten trage, steht Beret ganz zerknittert im Schlafanzug in der Tür. Bedrückender Abschied, ich laufe zur Bushaltestelle und fahre zum Kieler Hauptbahnhof. Jetzt geht es für die beiden wieder zu zweit weiter. Ich bringe ihnen ein Stück Welt ins Haus, an der sie kaum noch teilnehmen. Zeit spielt für sie keine Rolle, ein Tag ist wie der andere, vergeht mit körperlichen Schmerzen, zunehmenden Einschränkungen, Ohnmacht auf der einen und Organisation des Alltags, Kraftanstrengung, Ausgepowertsein auf der anderen Seite. Deprimiertheit auf beiden Seiten. Es gibt keine Lösung. Beret sah so traurig aus, das

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Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern

Freitag, Kiel. Als sie noch grüne Oppositionspolitikerin war, forderte Baerbock das Ende des deutschen Irak-Einsatzes. 2016, 2017 und 2020 fand sie dessen Fortführung zur Bekämpfung des sog. Islamischen Staates mit Recht „unverantwortlich“ und forderte die Evakuierung aller deutschen Truppen aus dem Irak. Jetzt, als Außenministerin, könnte sie die Mission tatsächlich beenden und die derzeit 280 deutschen Soldaten heimholen – doch stattdessen arbeitet Baerbock an der Verlängerung des Militäreinsatzes! Die Kehrtwende in Sachen Krieg und Frieden zeigt schon zu Beginn ihrer Regierungszeit: Grüne Außenpolitik ist in erster Linie Harmonie mit den NATO- Bündnispartnern und verfolgt damit die Doppelmoral einer politischen Haltung

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Begegnungen im Norden

Donnerstag, Kiel. Viel Laufen, Anlaufstellen gibt es genug. Zu meinem Bruder von Suchsdorf nach Wyk sind es 5 km, genau die richtige Strecke, ehe die Füße wehtun. Blöderweise habe ich nur Stöckelstiefeletten dabei, und seit heute liegt Schnee. Gestern ein schöner Tag in Lüneburg mit meiner alten Freundin V.: Bummeln, Pizza Essen, Quatschen über alte Zeiten. Bei ihr bzw. ihrer Familie habe ich zwei Jahre lang gelebt, nachdem ich mit 15 von zu Hause ausgezogen bin, die Fliege gemacht habe gerade noch rechtzeitig. In Essen-Werden waren wir in einer Klasse und zusammen in der Theater-AG und, ach ja, im Doppelpack

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Quod licet iovi …

… non licet bovi: Was für ein Signal! Kurz nach Regierungsantritt der Ampel und inmitten der Corona-Pandemie genehmigen die Abgeordneten sich eine Gehaltserhöhung, während die Hartz IV Regelätze nur symbolisch erhöht werden. Mit Herz für Gerechtigkeit warben die Grünen im Wahlkampf, der soziale Ausgleich sollte im Vordergrund stehen. Hartz IV überwinden lautete gar die programmatische Parole.An sich kein Skandal, dass die Abgeordnetendiäten automatisch an die mittlerweile wieder steigenden Nominallöhne angepasst werden, aber 40 Minuten später im gleichen Bundestagsplenum den Inflationsausgleich bei Hartz-IV-Regelsätzen abzulehnen, ist echt cringe. Die ab 1. Januar nur um ein Prozent steigenden Hartz-IV-Sätze werden von vier bis

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2022

Samstag, Kiel. Familie und Freunde in Lüneburg, Hamburg und Kiel, und PM ist bei allen herzlich willkommen – ein guter Start ins neue Jahr 2022.Umfangreiches, für die Ahrflut entschädigendes Büchergeschenk an PM von einem total liebenswerten und hochinteressanten Studienrat (über meine Jugend- und Schulfreundin V. vermittelt), zwei alte Bilder von Onkel U. für unser Haus in Eisenach, eine Nacht im Romantikhotel an der Ilmenau, Silvesternacht bei meinem Bruder im neuen Haus und mit neuen Plänen und jetzt wieder bei Jerome und Beret, die dem neuen Jahr ohne Illusionen entgegensehen.

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Plan A

Mittwoch, Kiel. Zwischen den Jahreswechselfeiertagen stand die Welt ja immer schon still, aber diese Stille dieses zweiten Coronawinters ist durchdringender. Es ist der Stillstand jeglicher Kreativität, jeglichen Aufbruchs, der die Menschen schlaff und aggro macht.Aggressivität ist die Kreativität der Ohnmächtigen. Das C-Virus, die Ahrflut mit ihrem katastrophalen, noch längst nicht überwundenen Zerstörungspotential, der drohende Klimakollaps in seiner Allgegenwärtigkeit in Politik und Kultur, die mediale Inszenierung einer angeblichen russischen Aggression, die die permanente osterweiternde NATO-Aggression verschleiern oder sanktionieren soll und auf die so viele Menschen reinfallen, vielleicht um ein Ziel für ihre eigenen Aggressionen auszumachen – so viel Angst und Schrecken

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Zeigen

Dienstag. Die Frau ist fürs Verpacken da. Bei Fragen weist sie lächelnd auf ihre Kolleginnen vom Verkauf. Sie überragt sie alle, ihre kunstvolle Flechtfrisur passt irgendwie nicht zu dem engen Kaufhauskleid, das viel über ihre Anpassungsbereitschaft aussagt. Das mit dem Verpacken klappt noch nicht so richtig. Ich halte den Finger aufs Papier. Dannge!, sagt sie und lächelt ein Lächeln, das sogar die LED-Leuchten im Laden überstrahlt. Dass das Paket schief wird, ist nach der ersten Umwickelung absehbar. Mit einem Handzeichen demonstriere ich ihr, dass die Schnittkante parallel zur Seitenkante liegen muss. Wieder lächelt sie, wickelt das Paket aus und wieder

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