Was stimmt nicht

Samstag, B.N. Wenn du genau weißt, etwas stimmt nicht, der andere merkt aber nichts, was machst du dann? Schweigen, bedeutungsvoll gucken, Kopf wegdrehen, Geist wegdrehen – gähn! Und schon bist du allein. Besser etwas Unerwartetes, das der mal den Kopf hebt, wenigstens, dass da mal ein Funke hinter seinem Blick, hinter dem geschäftigen – Was is‘ n? Is was? Ja, es is was. Was denn. Du musst doch gleich los. Sags nur schnell. Damit ich weiß, worum … Nee, geht nicht schnell. Doch, sonst bin ich beunruhigt. Macht nichts. Bin ich auch. War halt anstrengend, die letzten Wochen. Is immer

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Back from Vietnam

Donnerstag. Abendessen mit T. im Bahnhof. Von seiner Reise nach Vietnam hat er Gewürze und salzigsüß gebrannte Mandeln mitgebracht. Viele Fotos von Paradiesstränden, Palmen, Tempelanlagen, Fressständen. Und Geschichten. Abends, in den Keipen, seien die Mädels sehr touchy, sagt er. Sie suchen Kunden, und sie wissen wie. (Prostituierte und Barmänner seien die einzigen, die Englisch sprechen). Als er mit seinem Kumpel die Kneipe wechselt und eine eher leere, gemütliche findet, setzt sich nach kürzester Zeit wieder ein Mädel zu ihnen, etwas weniger körperorientiert, dafür noch hübscher, die beiden Jungs wissen nicht, wie sie sie einzuschätzen haben. Was gefällt dir an der

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Reha-WE

Samstag. PM kommt mit einer Plastiktüte voll Tabletten an. Ich sei eine ungeduldige Kranke, sagt er. Gibt es geduldige Kranke? Schmerzen machen mich wütend. Mit seinen Antibiotika und Halstabletten wird es in der Nacht auf Samstag endlich besser. Es tut gut, dass er da ist. Mittags geht er alleine in die Stadt, während ich mich wieder ins Bett verkrieche. Komisches WE. Mit meiner Mutter telefoniert. Ihre erste Frage: Ob ich abgenommen habe. Dies kommt mir angesichts meiner Kleidergröße, vor allem aber angesichts unserer gemeinsamen Geschichte, die vom frühesten Moment an mit Essensverweigerung zu tun hatte, sehr bizarr vor. Wenn man

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Blitzlichter

Donnerstag. So eine richtig fette Grippe ist geeignet, einen fertig zu machen. Die zweite seit Weihnachten. Angina und Schmerzen in Kopf und Gelenken und irgendwie überall. Bin zu nichts in der Lage außer rumzuhängen, zu frieren und mich SCHWACH zu fühlen – Hilfe! Schade um die vorbeifließenden Tage! Allerlei Melancholisches und Blitzlichter aus der Schatzkiste der Vergangenheit, die in der Fieberhitze hochschnellen, und du kannst sie dir nicht mal zunutze machen. Nur schnaufen, rotzen und stöhnen. Sachichjetzma. Immerhin habe ich den Stapel der ungelesenen Bücher angefangen abzuarbeiten. Und dabei John Fante entdeckt. Was ist das für ein wunderbares Buch: „1933

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Der mächtigste Mann der Welt und ein Koffer

Mittwoch. Die Medien überschlagen sich mit apokalyptischen Szenarios. Als wäre Trump ein hysterischer Volltrottel – okay, wahrscheinlich ist er ein hysterischer Volltrottel -, der demnächst einfach mal so den berühmten Atomkoffer aktiviert und die Welt uns und ihm um die Ohren fliegen lässt. DAS ist Hysterie! Was unsere Journalisten da aufführen, ist nur noch peinlich und arrogant und außerdem abgekupfert. Alle schreiben und schreien das gleiche. War denn Obama ein Segen für die Menschheit? Ist Frau Clinton etwa ein verstoßener Weltenretterengel? Die einzige, die cool bleibt, ist mal wieder Sahra Wagenknecht. Sie kritisiert diese medialen Zustände und die einseitige Lobhudelei

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Befremdliche Schnüffelei

Dienstag. Ich hoffe, es ist mir endlich gelungen, dem einzigen unerwünschten Leser meines Blogs auf diesem Planeten den Garaus zu machen. Technisch kann man User ja nicht sperren, höchstens moralisch. Mal sehen, ob es funktioniert. Die Frage ist, warum einer, der so viel Dreck in mein Leben gekübelt hat wie alle übelwollenden Menschen – falls es die überhaupt gibt – zusammengenommen nicht, sich meine Beiträge reinzieht? Echtes Interesse kann es nicht sein, überhaupt kann es nichts Gutes sein … Machtgefühl? OmG! Die Macht der Ohnmächtigen ist bekanntlich die Destruktion … Mein Blog stellt einen wesentlichen Teil meiner schriftstellerischen Identität dar.

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Wohnen und Reisen

Montag, B.N. Heute Morgen: in Jakutsk -42 °C in Wladiwostok -6 °C in Lissabon +7 °C in Tübingen -1 °C in Bad Neuenahr +2 °C in Eisenach -2 °C in Imperia +7 °C in Tel Aviv +14 °C in New York -7 °C in Berlin -2 °C Städte, die uns verbinden: durch Wohnungen, durchs Erzählen, Reisen oder geplante Reisen …

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Berlin ist ein Dorf

Donnerstag. Schon seltsam, wenn sich eine Begegnung genauso gestaltet, wie du sie dir vorgestellt / erhofft hast. Meine Interviewpartnerin in Berlin holt mich liebenswürdigerweise von der S-Bahn ab. Sie hat mich eingeladen, bei ihr zu übernachten, was ich gerne annehme (die unkomplizierten Ossis …). Ich habe den Eindruck, in einem Dorf auszusteigen. Doch sind es angeblich nur zwanzig Minuten bis zum Alex, und wir sind definitiv noch in Berlin. Wir erkennen uns sofort, hatten ja schon Schrift- und Bildkontakt.  Der Schnee rieselt und bedeckt Gärten und Hausdächer und die Straße, auf der wir uns mit dem Auto langsam fortbewegen. Dann

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Geschichten

Dienstag, B.N. Die besten Geschichten liegen auf der Straße. Da warten sie manchmal sehr, sehr lange, bis jemand sie abholt. Ich hole mir gerade so eine ab. Und bin vollkommen geflasht. Die Person, die zu dieser Geschichte gehört, führt mich in die dunkelste deutsche Vergangenheit, in eine fremde, abgeschlossene Parallelwelt. Die Person, die zu dieser Geschichte gehört, schenkt mir ihre Geschichte. Wie eine überdimensionale, uralte Kirschbaumvitrine mit einer schweren Marmorplatte, tiefen, klemmenden Schubladen und vielen kleinen Geheimfächern.

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