Freitag. Kaum flattert Chef-Mail rein, haben alle nichts Besseres zu tun, als der enorm brisanten Anweisung Folge zu leisten. Unisono und ohne zu hinterfragen: Die Tür des Stützpunktes hat ab sofort regelkonform verschlossen zu sein, ungeachtet der auf der Hand liegenden Nachteile. Jahrelang war sie von morgens bis abends angelehnt, mit herausgedrehtem Riegel, damit du sie, von oben oder von unten im Anflug, immer in Eile und die Arme immer voller Zeug, mit dem Ellenbogen oder dem Fuß oder einem freien Finger öffnen konntest. Nun heißt es plötzlich, Achtung, Diebstahl! Vorschrift! Einhalten! Solange du da arbeitest, also ewig, hat es
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Plastik
Donnerstag. Der Jangtse ist der dreckigste Fluss der Welt. Er transportiert jährlich 330.000 t Plastikmüll ins Meer. Der zweitdreckigste ist der Ganges mit 115.000 t. Im Vergleich dazu ist der Rhein mit 20-30 t ziemlich sauber und erfreulich schuldlos am Zustand der Meere. Da können wir uns auf die Schultern klopfen. Doch der Müll in Asien ist auch unser Müll. Über Jahrzehnte exportierten wir unseren Plastikabfall nach China. Außerdem kaufen wir viele Produkte made in China. All die schönen, bunten Sachen bei Butlers & Co. … Hergestellt aus Plastik. Nebenprodukt: Plastikabfall. In China und Indien fehlen Strukturen zum Sammeln und
WeiterlesenKontemplation und Diskurs
Sonntag. Ich liebe wolkengroße Schaumberge auf meinem Badewasser. Das Obstgesicht von Ed Sheeran … ist wie seine Songs. Eigentlich ist mein gestörter Nachbar ein armes Schwein, aber weil er gleichzeitig so ein Kotzbrocken ist, der die Hausbewohner tyrannisiert und allen Angst einjagt mit seinem Cholerikergebrüll und seinem Armehochreißen (und seine Arme haben den Umfang von Walzen), kommt kein Funken Mitleid bei mir auf. Viele Mails und Telefongespräche: Für mein Buchcover darf ich in Absprache mit dem Ch. Links Verlag einen Grafiker meiner Wahl um Entwürfe bitten! Eine Gratwanderung, das Thema ‚Tod‘ gestalterisch so anzugehen, dass es Neugier weckt, aber nicht aufdringlich
WeiterlesenWeitermachen
Samstag. Ja, und in diesem anderen „Amt“ haben sie mir jetzt einen Job angeboten. Das hätte ich als Allerletztes erwartet. Denke nun aber dauernd darüber nach. Warum?, das frage ich mich. Ein „Amt“ ist wie das andere unterm Strich, und mein „Amt“ ist okay. Vielleicht fühle ich mich einfach nur irgendwie geschmeichelt … Ye hat heute ein Date. Endlich sitzt sie nicht nur in ihrem Zimmer, das kommt mir schon ganz rätselhaft vor. PM bleibt dieses WE in B.N., unser Sommerfest vorbereiten … viel, viel Arbeit. Ein WE ohne ihn: blöd. Er fehlt. T. hatte gestern e. Auftritt, schläft noch,
WeiterlesenHunde schlafen
Freitag. Meine Mädels wollen heute wissen, wie alt ich bin. Ich sage, irgendwas zw. 29 und 70. Sie lachen und fragen nochmal: Nee, echt jeeetzt! Warum das wichtig sei, frage ich sie. Wenn ich mich für einen Menschen interessiere, interessiert mich nie sein Alter. Klar kann ich grob einschätzen, ob jemand jünger oder älter als ich ist – mehr auch nicht. Mit achtzehn war ich in einen Sechzigjährigen verknallt, mit 25 in einen Neunzehnjährigen. Leute, die frei im Kopf sind, behaupte ich jetzt mal, denken nicht in diesen Kategorien. Das Alter ist nämlich eine sehr konventionelle Kategorie. Im Vergleich zu manchen
WeiterlesenRollenerwartung – Individualität und Sozialität
Donnerstagmorgen. Prüfungsvorsitz in einem anderen „Amt“ in einer anderen Stadt, mal schauen, wie sich der Tag gestaltet … ich mach heute die Perlenohrringe tragende Esprit-Tante … so seriööös … von der Rollenidentität zur Ich-Identität, sometimes that’s a giant step for me …
WeiterlesenMister Vollmond
meint, er könnte sich verstecken. Klappt nicht, Scherzkeks. Bei der löcherigen Wolkendecke!
WeiterlesenWie mit Gift sehr viel Geld gemacht wird
Montag. Monsanto heißt jetzt nicht mehr Monsanto. Die Bayer AG hat den anrüchigen Namen des Chemie- und Saatgutkonzerns ausgelöscht, seit sie ebendiesen verschluckt hat. Monsanto richtet zwar immer noch genauso viel Schaden an, aber nun unter dem Deckmantel des Leverkusener Pharmakonzerns. Monsanto ist der Erfinder und Vertreiber der alles tötenden Pflanzengifte Agent Orange und Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat und gleichzeitig des genveränderten Saatgutes, das eben gegen Glyphosat resistent ist! Die Bauern müssen also beides kaufen, denn das Glyphosat bleibt nicht auf den Äckern liegen; es fliegt durch die Luft und vernichtet alles, was diese Resistenz nicht aufweist. Natürlich
WeiterlesenJeder stirbt für sich allein
Sonntag, B.N. Am Nachmittag ist L. mit Familie da. Das ist das Glück, einfach full Life und in jeder Hinsicht fordernd und erfüllend … Abends mit PM nach Bonn ins Theater, letzte Vorstellung von Jeder stirbt für sich allein nach Fallada von der Regisseurin Sandra Strunz. Abgesehen von der Leistung, aus einem 700-Seiten-Roman (den Fallada in vier Wochen niederschrieb u der erst posthum bei Aufbau veröffentlicht wurde) ein Rollenbuch zu machen, ist diese Aufführung eine geradezu expressionistische Zusammenschau von ausdruckstänzerischen Choreographien, Rahmengesängen als Reminiszenz an den antiken Chor, mixed Songs aus der Kriegszeit – Schlager, Soldatenlieder oder auch mal das Horst-Wessellied
WeiterlesenMöglichkeiten
Freitag. Ich habe fertig! Die schlimmsten Korrekturen (fürs „Amt“) sind vorbei, alles andere kommt mir dagegen jetzt wie Peanuts vor. Auch die drückende Hitze hat sich verzogen, Sonne, der Duft von Blumen, weiße Wolken und Wind – Nordseewetter!, das Köfferchen ist vollgepackt mit Arbeit, die Spaß macht, und schönen Klamotten, die schönste Möglichkeiten enthalten, denn gleich, gleich fahre ich nach B.N.
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