Sonntag. Zum Sonntagsbrunch kommt auch noch Steve dazu, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Er ist fast fertig mit dem Studium und PM fährt seine ganze Rhetorik auf, um ihn zur Chirurgie zu bekehren.Gestern Abend mit PM auf dem Tübinger Stadtfest: Die Bühne auf dem Marktplatz ohne Liveband!, wo gibts denn so was?, dafür steht ein einsamer DJ an seinem Mix-Pult da oben und spult Malle-Schlager ab wie auf jeder Dorfkirmes. Vor wenigen Jahren rockten die Jungs von The Savants die Bühne und versorgten Tausende Tübinger*innen mit good vibrations. Dagegen ist das ein müder Abklatsch. Die Leute sollten
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Exploding Star
Donnerstag. Auf dem Etui steht es ganz understatementmäßig in kleinen, weißen Lettern: Dolce & Gabbana. Die Sonnenbrille selbst schmückt das Logo kaum sichtbar auf der Innenseite des einen Bügels. Sie sieht uneingeschränkt großartig aus, irgendwie amerikanisch – und gehört nun endlich mir! Da liegt sie an meinem Platz und stiehlt mit ihrem exotischen Design den banalen Gegenständen um sie herum die Show, doch meine Freude ist getrübt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das liegt an meinem rechten Auge. Außer den Flusen und Blasen kommt seit heute Morgen noch ein explodierender Stern dazu, jedesmal, wenn ich die Augen öffne. Ein abenteuerliches Ding.
WeiterlesenInteresse
Mittwoch. Viele Anfragen wg. Lesungen u. Veranstaltungen im Oktober/November, wenn die stillen Feiertage kommen. Anfang August Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger direkt in Köln. Kommenden Dienstag erscheint ein komplettes Kapitel aus meinem Buch Lass uns über den Tod reden – das über den Trauertherapeuten Roland Kachler – auf psylife.de. Das ist das online-Magazin des Deutschen Psychologen Verlags (DPV), eine 100%-Tochtergesellschaft des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP). Insofern eine schöne Adresse.Das Interesse tut gut. Noch besser fühlt es sich an, wenn Kollegin B. mir heute erzählt, sie habe Lass uns über den Tod reden schon zum dritten Mal verschenkt.
WeiterlesenAugenBlicke
Dienstag. Manche Krankheiten sind so hässlich wie das Wort selbst. Zum Beispiel Glaskörperabhebung. Das ist etwas sehr Doofes. Ich sehe Blasen, einen dicken Tropfen und jede Menge Flusen, als stünde ich vor einer verdreckten Glasscheibe, die mir mächtig die Sicht versaut.Ganz besonders nervt, wenn ich face to face mit jemandem rede, und dauernd flitzt dieser Tropfen über das Gesicht des anderen. Weil der mitgeht mit jeder kleinsten, beschissenen Augenbewegung. Seitdem weiß ich, wie oft man seine Augen bewegt. Das strengt dermaßen an, den Tropfen nicht zu sehen, weil ich ihn nicht sehen will, aber er ist immer da, dass ich
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Seethaler
Samstag. Da sitzt Robert Seethaler vorm Wilhelmsstift. Eigentlich sitzt er vor einem Klamottenladen auf dem schmalen Bürgersteig an einem schmalen Tisch und signiert. U.a. mein direkt vorher erworbenes Exemplar von Das Feld.Ich komme mir vor wie ein aufgeregtes Groupie. Ganz klar ist er mein persönlicher Favorit auf dem Tübinger Bücherfest. Ganz klar sieht er noch besser aus als im Fernsehen. Er freut sich, als ich ihm erzähle, dass ich den Trafikant demnächst mit meiner Truppe im „Amt“ lese. Gefragt, ob ich ihn fotografieren darf, wirft er sich liebenswürdig in Pose. Ich stelle das einfach mal hier ein, k. A., was
WeiterlesenZu zweit
Donnerstag. Zu zweit ist besser als zu dritt. Als allein sowieso. Zu zweit auf einem Dach sitzen, zwischen zwei Schornsteinen, und der Sonne beim Abtauchen zusehen. Zu zweit auf einem Dach spazieren gehen. Tanzen. Kunststücke machen. Fast runterfallen. Sich auffangen. Am anderen festhalten. Zu zweit ist ein ständiges Hinhören. Kann auch nerven. Hin ist von sich weg. Allein ist Herhören, Insichreinhören. Oder: gegen die Stille anhören. Zu dritt ist fremdhören. Das ist schizo, das geht gar nicht. Da lasse ich mir nichts mehr erzählen. Zu zweit erzählen: Was hast du heute gemacht? Und du, was hast du gemacht?Ich habe an
WeiterlesenAbgeschlossen
M: Na super! T: Geht da noch was? M: Was soll da gehen? Zu ist zu. T: Man könnte … M: Was? T: Versuchen … M: Mit Gewalt? T: Gewalt wär eine Lösung. M: Hey, du bist doch sonst so peaceful! T: Ist ja nur gegen Sachen. Nur eine Tür. M: Die ist dann kaputt. T: Ja. M: — T: Aber wir hätten Klarheit. M: Stimmt. T: Also? M: Mach du. T: Wieso ich? M: Du wolltest reingucken. T: Alter, als wolltest du nicht! M: Geht so. Ist wahrscheinlich bloß Gerümpel drin. T: Oder eine Leiche. M: Pfff. Solln wir
WeiterlesenAnverwandlung
Sonntag, im Zug. Nochmal also zu Leila Slimanis Roman Alles das zu verlieren: Zu vermuten ist doch, dass die Autorin sich explizit in die Tradition Flauberts stellt – zu auffällig sind die inhaltlichen Parallelen – und damit kann ich mich von dem Buch leider nur verabschieden. Gegen Madame Bovary wirkt Alles das zu verlieren wie der – ziemlich kunstlose – Holzschnitt nach der Vorlage eines eminent kunstvollen Ölgemäldes der Meisterklasse.Ist auf der inhaltlichen Ebene die Protagonistin psychologisch kaum nachvollziehbar, so eiern auf der erzähltechnischen Ebene nicht nur die Vergangenheits-Tempi wild durcheinander, dass du beim Lesen besoffen zu werden glaubst, sondern
WeiterlesenSarah-Lee Heinrich
Samstag, B.N. Eine wie Überraschungsgast Sarah-Lee Heinrich lässt Altbundespräsident Joachim Gauck im Nachtcafé ganz schön alt aussehen. Zu „Würde, Wut und Toleranz“ hat die 18-jährige Abiturientin aus Unna viel zu sagen – als Tochter einer Hartz IV-Empfängerin mit Migrationshintergrund kann sie sich auf ihre eigenen Erfahrungen berufen. Heinrich ist Sprecherin der Grünen Jugend in Unna, Feministin und Antifaschistin, außerdem engagiert sie sich in der Black lives matter-Bewegung. Klingt vielversprechend. Heinrich ist Stipendiatin des Schülerstipendienprogramms „RuhrTalente“.
WeiterlesenAb-Gründe
Donnerstag, B .N. Seit ich in Köln war, sind Ladekabel und Netzteil verschwunden. Zwar kann ich mich genau daran erinnern, das Handy in die Handtasche gesteckt zu haben, wo es auch schon die ganze Nacht über gesteckt hat – am Stromnetz angeschlossen, wie ich das immer mache, um es beim Verlassen des Hauses nicht zu vergessen. Nicht erinnern kann ich mich jedoch, dass ich es ausgesteckt habe. Genauso wenig, wie ich mich an die Bewegung oder die gedankenlose Aktion oder den Umstand zu erinnern vermag, die dazu geführt haben, dass das Kabel samt Adapter herausgefallen, irgendwo liegengeblieben, verloren gegangen ist.
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