Die Sache mit den Orden

Montag. Michel Houellebecq ist nun Ritter der Légion d’honneur. Die ranghöchste Auszeichnung Frankreichs verlieh ihm Präsident Macron höchstpersönlich. Auch Gustave Flaubert wurde mit diesem Orden ausgezeichnet, nachdem er in einem schmachvollen Prozess – wegen Verstosses gegen die öffentliche Moral und die guten Sitten in seinem Jahrhundertroman Madame Bovary – freigesprochen worden war. Tragen sie erstmal diese Medaille im Knopfloch, dann vergisst man schnell, was für revolutionäre Geister sie einst waren … Das nennt man totstreicheln. Macht Merkel mit Greta Thunberg auch: So lange loben, bis die/der Gelobte nicht mehr kann … Anschaulichstes Beispiel in der Kirchengeschichte: Franz von Assisi. Über

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Tja, da liegt’s …

… zwischen lauter Wohlfühlliteratur … Magische Momente, Glück, Freunde – davon handelt auch Lass uns über den Tod reden – etwa in der Geschichte von Dieter Thomas Kuhn, von Enno Kalisch, von Joe Bausch, von Hans Jellouschek, von Katrin Sass, von Arsène Verny, von Jochen Busse und vielen mehr. Über das Leben nachdenken heißt eben auch über den Tod nachdenken – und umgekehrt sowieso …

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Ausgemadonnat? Hoffentlich nicht

Sonntag. „Sie haben es gehört hier, hier wird live gesungen“, kommentiert der ARD-Moderator ihren seit Wochen gehypten Auftritt trocken. Gottogottogott!, was war los mit Madonna, das klang ja irgendwie unterirdisch und auch ihre Kostümierung riss es diesmal nicht so raus, weil die Anleihen bei der katholischen Kirche längst verbraucht sind. Aber, so what – Töne treffen gehörte noch nie zu ihrem Portfolio. Leid tun braucht sie einem deshalb nicht. Madonna ist ein Megastar, sie ist viel mehr als schön singen. Ihr Auftritte sind immer noch 1,5 Mio Dollar wert, wie der top secret Sponser jetzt rausließ, das soll erstmal eine(r)

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Meldepflicht auf Katholisch – schlimme Finger unter sich

Samstag. Papst Franziskus hat die Welt davon in Kenntnis gesetzt: Ab Juni dieses Jahres sind katholische Priester und Ordensleute dazu verpflichtet, Erkenntnisse über Missbrauchsfälle kirchenintern zu melden. Das ist das Ergebnis des Missbrauchsgipfels im Januar in Rom.Die Meldepflicht bezieht sich sowohl auf konkrete Fälle als auch auf Vertuschungsversuche derselben. Damit auch Opfer unbürokratisch die klerikalen Täter anzeigen können, verpflichtet Papst Franziskus in seinem Schreiben die Bistümer, bis Juni 2020 „ein oder mehrere feste Systeme [zu] bestimmen, die der Öffentlichkeit leicht zugänglich sind, um Meldungen einzureichen. Dies kann auch durch die Errichtung einer eigenen kirchlichen Behörde geschehen.“Für alle, die dieses Gesetz

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Die EKZ hat gesprochen

Montag. Wie die EKZ.Bibliotheksservice GmbH – Einkaufszentrale für Öffentliche Büchereien – ein (mein?) Buch einschätzt, ist nicht gerade unwichtig. Ihr Urteil entscheidet nämlich über die Neuanschaffungen für alle öffentlichen Bibliotheken. Für diejenigen, die sich immer schon gefragt haben, wie die Stadtbüchereien zu neuen Büchern kommen: Die EKZ unterhält ein Lektor*innen-Netzwerk, das die ca. 90.000 jährlichen Neuerscheinungen in deutscher Sprache durchforstet und dann 14.000 bis 16.000 Titel zur Anschaffung für den bibliothekarischen Bestandsaufbau auswählt.Da bin ich mit Lass uns über den Tod reden jetzt also dabei mit folgender Begründung: „Die Autorin (2 Romane) und Bloggerin, die u.a. Theologie studiert hat, fühlte sich

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Babylonisches Sprachengewirr

Wenn man mit T. essen geht, kommt manchmal eine mit, von der ich den Status immer noch nicht kenne. Sind die jetzt zusammen oder nicht? (Hat T. sich von der schweren Geschichte mit J. erholt? Ich weiß jedenfalls, dass J. als geheilt gilt und sozusagen in den Schoß ihrer Familie zurückgekehrt ist.) Sie, also die, deren Status ich nicht kenne, ist Italienerin, hat eine Stimme wie Gianna Nannini und spricht nur Englisch. Super, mein neuer Mitbewohner Dario redet auch nur Englisch, und wenn dann PM dabei ist, so wie dieses Wochenende wieder, reden wir alle nur noch Englisch, zücken Handys

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Manche Dinge …*

Sonntag. Wenn sich ungefragt einer, oder kann auch eine sein, vor dir aufbaut und irgendwelchen Müll ablässt, und du musst jetzt irgendwas tun. Was sagen oder irgenwie gucken oder lachen. Lachen passt in den meisten Fällen, da gewinnst du Zeit und kannst noch überlegen. Oder ne Frage stellen, Fragen passen auch meistens. Ich frage dann, wie meinst du das?, obwohl es mich überhaupt nicht interessiert, wie einer seinen Müll meint, oder: Warum sagst du das? Die zweite Frage finde ich inzwischen richtig gut. Die Leute schauen dich an und wissen nichts zu erwidern. Die Leute wissen nämlich nicht, warum sie

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Schlafen im Theater

Sonntag. Die Ehe der Maria Braun im LTT beginnt mit einem tollen Bühnenbild: Schwarz-weiß-Aufnahmen von einer Hochzeit in der Stiftskirche im Stil der Vierziger flimmern über die Leinwand, bis diese plötzlich unter Kanonendonnergetöse in sich zusammenfällt: Nachkriegstrümmersteine, die während des ganzen Stücks auf der Bühne liegen bleiben und, unterschiedlich zusammengesetzt, mal eine Wohnung, mal ein Büro, mal ein Gefängnis ergeben.Dann wird es langweilig, und die ermüdenden Dialoge werfen die Frage auf, ob die uralte Handlung-Zeit-Ort-Einheit nicht doch eine sinnvolle Dramenvorgabe gewesen ist. Ständig große Zeiträume von Wochen, Monaten, gar Jahren durch Dialog zu überspringen, geht auf Kosten des Tiefgangs desselben.

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Ein Juso denkt sozialistisch

Donnerstag. Ein bayrischer Rentner hat Käse für 4,55 € geklaut. Der 87-Jährige wurde erwischt, heute erhält er sein Urteil: drei Monate auf Bewährung. Der Mann lebt von 200 € im Monat, er habe Hunger gehabt, sagt er.Was sind wir für ein beschissenes Land geworden. Der bayrische „Mundräuber“ gehört zu den drei Millionen Rentner*innen in Deutschland, die als armuts“-gefährdet“ gelten, Tendenz steigend. Die vielen Langzeitarbeitslosen und Menschen aus dem Niedriglohnsektor kommen allmählich ins Rentenalter und müssen gucken, wie sie zurecht kommen. Die Gefängnisse stellen sich darauf ein: neuerdings gibt es Seniorentrakte mit Rampen für Rollstühle und Rollatoren. Kevin Kühnerts kapitalismuskritischer Vorstoß

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