Mittwoch. Der komplette Monat Mai ist dieses Jahr mal wieder der Megakorrektur fürs „Amt“ vorbehalten, einschließlich vier gesetzlich vorgegebener Korrekturtage, dergestalt, dass sich der Korrektor – ich – uneingeschränkt von morgens bis abends, nachts oder bis zum nächsten Morgen seiner Aufgabe widmen kann. Einschließlich leiser Grundsatzzweifel am System, am didaktischen Wert, am Ergebnis solcher Prüfungsmarathons (positives Gegenstück hierzu: meine Schreibwerkstatt mit von Zeit zu Zeit wahrhaft verblüffenden Ergebnissen). Einschließlich einer deprimierenden Grundstimmung, die im Zweijahresrhythmus den Wonnemonat Mai überschattet. Dahingehen immerhin 30 Tage meines Lebens … Heute, am 1. Mai, zieht mein neuer Mitbewohner ein – Dario, ein Naturwissenschaftler aus
WeiterlesenKategorie: 2019
Der Fall Collini
Sonntag, B.N. Der Fall Collini ist ein Film, den man sich ansehen sollte, ohne vorher die Rezensionen zu lesen – was besonders für die maulige FAZ-Kritik gilt. Der Gewinn ist ein ergreifendes Kinoerlebnis, das nachhaltig wirkt und vielleicht sogar zu eigenen Recherchen anregt. Im Kino darf geweint werden – an dem Grad der Ergriffenheit des Publikums wurde bei den antiken Dichter- und Tragödienwettkämpfen zu Athen die Qualität eines Bühnenstückes gemessen, galt doch die seelische und moralische Reinigung als eigentlicher Sinn und Zweck der frühen Theaterkunst. Die Story selbst – nach dem gleichnamigen Buch von Ferdinand von Schirach – ist schon
WeiterlesenAufgeklärt
Samstag, B.N. Die Beschäftigung mit dem Tod führt einen immer wieder und zwangsläufig auf das Thema Einsamkeit / Verlassenheit zurück.Und das ist auch gut so. Das Individuum, ich und jede*r andere, hat sich mit seiner Verlassenheit zu konfrontieren und auseinanderzusetzen.Denn: Es ist eine kulturelle Leistung unserer aufgeklärten Gesellschaft, die Autonomie des Individuums herzustellen. Das existentiell gesicherte Fundament ist das eines Selbstbezugs. Es ist dieser Selbstbezug, auf dem unsere Autonomie beruht und der seinem tiefsten Verständnis zufolge das Individuum zunächst vor jeglicher Familien- oder Gruppenhaftung, vor jeglicher Vereinnahmung durch Ideologien und Institutionen schützt und davon befreit insofern, als er ihm eine
WeiterlesenFamilie
Freitag, B.N. Familienthemen sind nicht gerade das, was ich hier im Blog in den Vordergrund stelle, wie auch mein bürgerlicher Beruf und ein paar andere Lebensbereiche nur indirekt einfließen. Obwohl es Familie ist, was mir in erster Linie das Gefühl von Vollständigsein gibt: Ohne meine Kinder, ohne meine Lieblingsfamilie in Köln (aber auch ohne Jerome und Beret in Kiel) wäre ich ein halbes oder nicht einmal halbes Etwas und sehr unglücklich. Weshalb die beiden letzten Tage in Köln einfach nur glückliche Tage waren. Die ganze Arbeit, das ganze Streben täuschen doch nicht darüber hinweg, dass im weitesten Sinne alles um
WeiterlesenRelevant. Jung. Nachdenklich. Unterhaltsam.
Junge Mütter reden: https://podtail.com/de/podcast/muddis-ungeschminkt/
WeiterlesenH.E.
Dienstag, B.N. Hannelore Elsner ist tot. Das kann doch nicht wahr sein. Wie kann Hannelore Elsner tot sein? Einst das schönste Gesicht des deutschen Films – „nach kurzer, schwerer Krankheit …“ Das ist wirklich ein Schock!Hannelore Elsner hat mal bei mir angerufen. Um ihre Teilnahme an meinem Buchprojekt „Lass uns über den Tod reden“ abzusagen. Darüber war ich sehr traurig, ich hätte sie gerne kennengelernt. Sie rede nicht über private Dinge, meinte sie, und sie hatte genau diese rauchige Stimme, wie man sie von ihren Filmen her kennt.
WeiterlesenHappy Easter
Ostersonntag, B. N. Die N.s, mit denen wir einen schönen Abend verbracht haben, nehmen großen Anteil daran, wie es mit meinem Buch weitergeht. Das tut mir gut und ist auch nicht verwunderlich, da er einer meiner Interviewpartner ist, mit dessen Text (oder einem Teil davon) ich jetzt immer meine Lesungen abrunde wegen seinem positiven Drive. Ein anderer schöner Abend war der mit A. und J., mit denen wir unseren nächsten Urlaub planen – zu viert diesmal statt zu siebt wie letztes Jahr, was sich ja dann zur ziemlichen Katastrophe entwickelte. Gestern und heute spontanes Wochenende in Eisenach aus keinem guten
WeiterlesenNotre Dame
Dienstag, B.N. OmG!, die Kathedrale brennt, und die fassungslose Pariser Bevölkerung versammelt sich in den Straßen und sieht über die Seine hinweg das Feuer und den Qualm in den Himmel steigen und kann nichts tun. Spontan singen die Menschen Kirchenlieder. Seit langem war das weltberühmte Gebäude in einem schlechten Zustand und wurde seit diesem April renoviert, was ja auch irgendwie die Ursache für den Brand gewesen sein soll. Das berühmte Rosettenfenster bleibt wohl erhalten. Das letzte Mal habe ich es 2008 gesehen und mich von seiner tiefen Farbigkeit berühren lassen. Notre Dame ist mehr als eine Kirche und mehr als
WeiterlesenDer Tod hat viele Facetten
Campus-TV am 11.04.2019Sprechen über den Tod mit C. Juliane Vieregge und Sabine Klocke-Daffa
WeiterlesenSieben Jahre
Sonntag, B.N. Schockierende Bilder von Julian Assange nach sieben Jahren freiwilligem Hausarrest in der ecuadorianischen Botschaft in London werden getoppt von noch schockierenderer Berichterstattung über ihn. SPON z.B. tratscht das Getratsche der spanischen Sicherheitsleute weiter, die während der gesamten Zeit für Assanges Unversehrtheit zuständig waren. Jetzt, wo das Asyl beendet und Assange von der britischen Polizei festgenommen und abgeführt ist und die Spanier nach Hause gehen und ihr ungeprüftes, seltsam indiskretes, irrelevantes Geplapper in die Welt hinausposaunen können, stürzen sich die Medien darauf, um total investigativ sämtliche Schandtaten des Whistleblowers aufzudecken: Assange sei bei den Botschaftsangestellten nicht wirklich beliebt gewesen.
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