Geliebte Menschen

Samstag. Meinen Lieblingspatenonkel U. und meine Lieblingstante S. in Hamburg freuen sich über unseren Besuch. Wieviel Kraft es ihn kostet, Gastgeber (Tee und Kekse) und Zuhörer und Geschichtenerzähler für uns zu sein mit seinen 95 Jahren, das zeigt sich nur in ganz wenigen Momenten. Wieviel Kraft es sie kostet, uns mit leiser Stimme einen Witz zu erzählen, das treibt mir die Tränen in die Augen. Sie trägt ihre Perlenohrringe. Sie liegt seit Wochen auf dem Rücken im Bett, sich selbst umzudrehen schafft sie nicht mehr. Sollen wir morgen nochmal vorbeikommen? Nein, sagt er nach kurzem Nachdenken: Der Kraftaufwand heute reiche

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Knall

Mittwoch. Ein Knall, Rauch hinterm Schrank, das sehe ich noch, dann Dunkelheit. Überall. Panik: Der Laptop! Der angefangene Text … Ich taste mich durchs Haus und finde die Taschenlampe. Telefoniere mit Leuten, fotografiere die Sicherungen, schicke das Foto rum, bekomme Tipps, die nichts bringen. PM, längst in BN, gibt mir eine Notfallnummer. Wir kommen gegen 1.30 Uhr, sagt jemand. Na toll, es ist 23 Uhr. Ich warte. Aus irgendeinem Grund funktioniert das Licht im Bad. Und die Steckdose, um das Handy aufzuladen. Fein, es gibt immer ein Lichtlein am Ende des Tunnels. Ich hocke auf dem Wannenteppich, inzwischen ist es

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Zuglektüre

Dienstag. Warte ich auf dem Bahnsteig und schaue einem abfahrenden Zug hinterher, und plötzlich entdecke ich durchs Fenster mein Buchcover. Das passiert nicht alle Tage: Ganz gechillt mit Brötchentüte und Wasserflasche liest da einer die Jungen Texte aus Eisenach. Sieht aus, als gefällt’s ihm.

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Nützliche Feinde

Freitag. Nach innen gibt es gerade einen neuen Feind: Friedrich Merz und sein „Stadtbild“. Parolen schwenkend rennt man / frau auf die Straße gegen den „Rassisten“ Merz, auf dass die nächste Empörungssau durch den Medienwald gejagt wird. Nach außen ist es Russland, das klappt ganz wunderbar. Kaum jemand war zwar in Russland und kaum jemand kennt Russen, doch alle sind sich einig, dass Land und Menschen des Teufels sind. Als Opfer der Panikmache glauben sie tatsächlich, Moskau stehe kurz davor, Nato-Staaten anzugreifen. Wir sind eine riesige Schafherde: Augen zu, Ohren zu, Mund zu und mitrennen. In Wahrheit geht es Russland

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Neue Ufer

Mittwoch. Vormittags sechs Stunden Deutschunterricht mit meinen sog. „Langzeitarbeitslosen“ – junge Menschen, die aus Angst oder Frust die Schule abgebrochen haben. Und sich jetzt wieder in die Schulbank hocken – aber eine andere: wo Menschenwürde und Respekt an 1. Stelle stehen. Für mich sind sie die Elitetruppe, die nach mehreren Jahren Arbeitslosigkeit die Kurve gekriegt haben und ihren Abschluss nachholen möchten. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen, sie haben Heldentaten aufzuweisen, die nie in einem Bewerbungsschreiben erwähnt werden, die aber allerhöchsten Respekt verdienen. Mir macht diese Arbeit total Spaß. Es ist Austausch, es ist gegenseitiges Geben und Nehmen. Die neue

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Freude mit Israel

Gestern war ein guter Tag. Vielleicht geht er in die Geschichtsbücher ein. Die letzten 20 lebenden israelischen Geiseln sind frei. Der bittere Beigeschmack: 2000 Hamas-Terroristen werden im Tausch aus israelischen Gefängnissen entlassen. Nach den Worten von Dunja Hayali im ZDF gestern Morgen: Die meisten seien nur „ganz normale Palästinenser“. Vielleicht sollte Frau Hayali neben ihrer Sozial Media Auszeit auch mal über eine ZDF-Pause nachdenken. Die 20 Geiseln sind frei. Die Friedensleistung zeigt sich auch daran, ob wir, die wir uns an die gebetsmühlenartige Wiederholung vom „Rechtsextremen“ Trump und vom „Rechtsextremisten“ Netanjahu gewöhnt haben, nun in der Lage sind, diese unvorstellbare

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Machtinstrument Sprache

Dienstag. Sprache als Macht- und Herrschaftsinstrument macht sich spürbar, wenn z.B. in den Medien der „Rechtsextremist“ Netanjahu als Bad Buddy geframt wird, während die Hamas-Restbrigade von den Medien unkommentiert verkünden darf, dass sie bereits in den Startlöchern sitzt zum nächsten, diesmal finalen Überfall auf Israel. Es ist unglaublich, was uns als Information verkauft wird und was an Infos vorenthalten. Gestern Abend diese unsägliche ZDF-Sondersendung „Geiseln in Freiheit – Hoffnung auf Frieden in Nahost / ZDF spezial“: 80% Gaza, 20% Israel. Auch das ist Manipulation. Oder Ablenkung von der katastrophalen Performance unserer passiv-depressiven Regierung, die ihr Glück scheinbar nur noch im

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