Geschichte braucht Geschichten

Montag. Immer noch und immer wieder gibt es sie, die richtig guten Filme. Mit Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße hat sich Wolfgang Becker von der (Film-)welt verabschiedet. Ein Jahr nach seinem Tod kommt sein letztes Werk fast genau zum ersten Todestag in die Kinos. Einmal mehr glänzt Charly Hübner in dieser tiefgängigen Ost-West-Komödie. Die ganze Riege toller SchauspielerInnen ist vertreten. Jürgen Vogel phantastisch in einer ganz kleinen Rolle, Christine Paul sowieso, Daniel Brühl, die skurrile Eva Löbau, Peter Kurth, Thorsten Merten, Leon Ullrich … Statt auf Klamauk setzt der Film auf witzige Wortwechsel, einen wunderbaren Soundtrack und liebevolle Interieurs: In

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Donnerstag. Fertig. Ein Roman, diesmal. Der Plot entspringt einem Satz aus der Vergangenheit. Und nu? Weitermachen. Weiter. Das nächste Projekt hat sich ja doch schon ins Gehirn gefräst …

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Her mit dem neuen Jahr

Mittwoch. Dann wollwirmal Schnippeln anfangen für heute Abend. Es gibt Raclette mit vielen Zutaten und feinen Dipps, same procedure as every year, wie üblich viel zu viel eingekauft. Diese Panik im Supermarkt vor leeren Schüsseln … Liebe Freunde aus Weimar und Eisenach kommen, ich freue mich auf sie und auf das neue Jahr. Ich wünsche euch und uns allen ein gutes Ankommen in 2026, Momente der Zufriedenheit und Dankbarkeit. Und nicht vergessen, es gibt immer ein paar schöne Dinge, die bleiben: der Kaffee am Morgen und der Ouzo am Abend, der Sonnenaufgang, der Blick aus dem Fenster … und vor

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I was very angry about it

Montag, Eisenach. Bin wieder zurück. Abends schöner, aber kalter Jahresausklang bei Freunden in der Garage mit reichlich Glühwein und Lagerfeuer. Einen Tag nach dem Friedenstreffen zwischen Selenski und Trump fällt Kiew nichts Besseres ein, als Putins Residenz mit Drohnen anzugreifen. Trump kommentiert den Vorfall in seinem ihm eigenen parataktischen Kindersprech: „Das gefällt mir nicht. Das ist nicht gut. Ich habe heute von Präsident Putin davon erfahren. Ich war sehr verärgert darüber. Es ist eine Sache, offensiv zu sein, weil sie offensiv sind. Es ist eine andere Sache, sein Haus anzugreifen. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um so etwas zu tun.“

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Die Sache mit der Freude

Freitag. Das Wort Selbstverwirklichung hatte für mich einen verheißungsvollen Klang: Nach Abenteuer, Antiautorität, Aufbruch. Es inspirierte mich. Ich war 14 und kam aus dem Badezimmer und erzählte es meinem Vater. Was ich alles vorhätte. Er holte mit der Hand weit aus und knallte mir eine. Und brüllte irgendwas von Mädchen, die von den Händen des Elternhauses in die Hände eines Ehemannes kämen, also nicht über Selbstverwirklichung nachzudenken brauchten, und das war schon damals erschreckend antiquiert. Ich sagte nichts, ich wurde nicht oft geschlagen, die paar Mal, an die ich mich erinnere, fand ich immer extrem ungerecht. Obwohl ich mir alle

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Kirche, Essen, Familie

Donnerstag, 1. Weihnachtstag, Tübingen. Ich treffe mich mit A. vor der Stiftskirche. Sie ist voll, die Predigt redundant (die Völker sehnen sich nach Vereinigung ohne Grenzen), dafür werden viele Lieder gesungen. Organist ist der phantastische Ingo Bredenbach, der die alten Mauern zum Beben bringt. PM hat wirklich alles – Gans, Rotkraut, Klöße – in Eisenach vorgekocht und mitgebracht. Es geht ihm nicht gut, unser und besonders sein Leben ist zu anstrengend, außerdem ist er erkältet. Baby Z. freut sich am Paketeaufreißen. Alle freuen sich über ihre Geschenke, ich auch (der Strickmantel, den ich schon beim Zinser anprobiert hatte und dann

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Ich bin nicht Stiller

Dienstag, Tübingen. Max Frisch, so sein Landmann Adolf Muschg ironisch, habe das Thema Identität nicht direkt erfunden. Aber niemand wisse damit so virtuos umzugehen wie der Schweizer Autor in den drei großen Werken Andorra, Stiller und Mein Name sei Gantenbein. „Ich probiere Geschichten an wie Kleider“, sagt Gantenbein. Das Leugnen des eigenen Ich, der Versuch ein anderer zu sein, die Flucht aus dem eigenen Ich in eine neue Identität – das sind die Gedankenexperimente, die Frisch hier durchspielt. Um zu erkennen: Es gibt doch kein Entkommen aus der eigenen Identität. Die Hölle sind eben nicht, wie Sartre behauptet hat, die

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Harter Stoff

Montag, Tübingen. Gabor Steingart in The Pioneer: „Bankrotterklärung der NATO/EU“ „Wer die heutigen Zeitungsseiten liest, die unisono die angebliche Geschlossenheit Europas bejubeln, könnte meinen, die Presse in Deutschland sei verstaatlicht worden. Eine mehrschichtige Wirklichkeit wird in die regierungsfreundliche Eindimensionalität gezwungen. Jede Konfliktlösung beginnt mit dem Aufarbeiten von Konfliktursachen – im privaten wie im politischen Raum. Diese Aufarbeitung unterblieb erneut: Der Westen geht weiterhin davon aus, dass John F. Kennedy legitim handelte, als er im Oktober des Jahres 1962 die Stationierung russischer Nuklearwaffen auf Kuba mit einer Kriegsdrohung verhinderte, während Putin illegitim handelte, als er im Dezember 2021 unter Berufung auf

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