Pepys geheime Tagebücher

Samstag. Wenn ich morgens mies drauf bin, schlage ich vor dem Ausdemhausgehen ein Kapitelchen aus Samuel Pepys Geheimen Tagebüchern auf. Das mache ich schon seit Jahren so. Es gibt nichts Erstaunlicheres in der ges. Literaturgeschichte als diesen anzüglichen und anrührenden Mix aus Privatem und Politischen aus dem England des 17. Jahrhunderts. Pepys muss ein Lebenskünstler gewesen sein – gechillt (um das Wort heiter zu umgehen) und klug und immer für eine Überraschung gut.

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Haltung

Heute Morgen* würde ich am liebsten im Schlafshirt mit Kaffeetasse auf dem Teppich liegen und nachdenken und/oder in die Luft gucken. („Weniger nachdenken ist manchmal mehr.“ (Susanne)) Geht aber nicht oder wär komisch für meine Mitbewohner. Ist das gut? Ist das schlecht? Es ist, wie es ist. Mit Susanne treffe ich mich heute Nachmittag im Neckarmüller. Bis dahin muss ich einiges weggearbeitet haben. Danach werde ich Tanjas leeres Zimmer grundreinigen, sozusagen. Morgen kommt L. für eine Woche zu Besuch. Und Mitte des Monats zieht Karina ein … *Christi Himmelfahrt, 10.33 Uhr, Außentemperatur: 16 Grad, Himmel: blau, Sonne

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Flashback

Donnerstag. In der Kulturnacht 2012, da hab ich meine gerade erschienene P.i.d.A. vorgestellt. Es war so voll, dass Leute abgewiesen werden mussten. M. saß neben mir, wir waren zu Fuß gekommen, ich total aufgeregt (endlich der Moment, mit dem, woran du jahrelang, nächtelang gearbeitet hast, nach draußen zu gehen), er total abwesend (nicht verpeilt, wie damals irrtümlich angenommen). Er saß da neben mir und hörte und sah sich das alles an. Und wusste doch schon alles. Das ist mir bis heute unvorstellbar und monströs.

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Texte und Vernetzungen

Mittwoch. In drei Tagen ist Tübinger Kulturnacht. Meine Mädels von der Schreibwerkstatt lesen in der Stadtbibliothek (bzw. auf dem Platz davor), in Kooperation mit der Jazzcombo v.d. Musikschule. In den letzten Wochen konsequent gearbeitet. Vor zwei Tagen erst die endgültige Textauswahl getroffen und die Texte den Musikstücken zugeordnet. Nächste Woche beim Poetry Slam sind wir auch dabei. Weitere Vernetzungen mit anderen kulturellen Einrichtung sind anvisiert; alles verhandlungsintensiv, aber vielversprechend.

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Erdogan martialisch

Montag. Wieso wird man bes. von eher Linken blöd angemacht, wenn man Erdogan und seinen fragwürdigen Missionsseifer kritisiert? Wo seine religionsfaschistischen Zitate es doch an Deutlichkeit nicht mangeln lassen: „Wie schön, ein Märtyrer zu sein“ Wie man in der Kolumne von Wolfram Weimer auf handelsblatt.com (01.05.2016) nachlesen kann, hat die Türkei 1000 staatlich finanzierte Prediger nach Dt. gschickt und baut Moscheen in Serie. Neuerdings kuriseren sogar von den obersten Religionshütern veröffentlichte Kindercomics von Diyanet, mit denen die offene Islamisierung via bunte Family-Bildchen vorangetrieben wird. Die Kinder werden darin zum Märtyrertod animiert. Aufgedeckt hat dies die türkische Zeitung Cumhurieyet. In der Bildergeschichte mit

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Deutungsalarm

Geburtstagsparty in Frankfurt bei B. und U. mit hundert Personen. Ein bisschen in den 1. Mai getanzt, der dieses Jahr dummerweise auf einem Sonntag liegt. Meine schöne L. und ihr B. sind, das sage ich jetzt einfach mal so, ein schwer glückliches und interessantes Paar. Ich bin stolz auf sie. PM nicht gut drauf, kam vom Kongress weg aus Berlin angereist, ich aus Tü, komfortabel in einem beinahe leeren ICE*, wo es sich prima arbeiten lässt. Nach der Party noch in der Nacht nach Hause, nach B.N., gefahren. Dauerregen, Dauerkälte. Weil PM auf der Strecke Berlin – Frankfurt einen Schlenker

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Literarisches Quartett

Samstag. Das neue Literarische Quartett halte ich nur schwer aus. Biller kritisiert Grossmann wg seiner Israel-Stereotype, das finde ich noch okay und nachvollziehbar. Ansonsten ist mir die Sendung peinlich im Sinne von anhaltender Pein. Biller spielt MRR und Westermann spielt Sigrid Löffler. Biller schlägt aber unter die Gürtellinie, am liebsten unter die von Westermann, was MRR so nie gemacht hätte. Biller glaubt offensichtlich, dass nur Männer komplexe Romane schreiben können und dass Frauen über 50 keinen Sex mehr haben. Die diskriminierenden Stereotype, gegen die er sich einerseits wehrt und durch die er sich bedroht fühlt, wendet er auf anderer Seite

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Schnee

Donnerstag. Dicke Schneeflocken auf meiner dicken Steppjacke. In drei Tagen ist 1. Mai, da beginnt die strumpflose Zeit, eigentlich. Vor einer Woche noch in der Sonne gefletzt und heute blickdichte Strumpfhosen, Winterstiefel und Handschuhe. Anpassungsfähige Tierchen sind wir. Am Morgen irritierter Blick in das Schneetreiben vor dem Fenster, am Nachmittag Flirt mit High-Heel-Sandaletten im Hippielook. (Nicht gekauft). In der Nacht bis 2 Uhr Steuer gemacht, Quittungen sortiert und zusammengerechnet. Da hast du dann die Zahlen alle auf dem Tisch liegen. Ich habe für 1175 Euro Bücher gekauft und bin für 1926 Euro Zug gefahren. Gar nicht davon zu reden, was auch noch im vergangenen Jahr

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