Mein Friseur

Samstag. Mein griechischer Friseur hat eine neue Weisheit auf Lager: Wer arbeitet, kommt nicht auf dumme Gedanken. Er lacht sich halb tot. Hahahahahaaahaahaha! Wer dumme Gedanken hat, arbeitet nicht. Wer dumm arbeitet, denkt nicht, hahaha! Er ist ganz besessen von seinem Spruch. Währenddessen pinselt seine Schwester mir schon mal die Farbe auf den Kopf, pinselt mehrmals über die Konturen raus, so dass meine Stirn schon ganz rot ist. „Mach mal die Konkurrent sauber!“, weist sie ihren Lehrling an. Hahaha, das ist auch superlustig. Konkurrent! In der Bunte lese ich, dass manche Millionärinnen ‚ganz aus Versehen‘ ihren Pelz an der Garderobe

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Sprachbarriere

Freitag. Ich starte das neue Jahr – Hallo 2014! – mit einem Termin bei meinem Anwalt GU. Wie leicht sich die Vorstellung, dass ich ihn mir mit Vielen teilen muss, durch ein winziges Possessivpronömchen verleugnen lässt. Während ich schon vor ihm sitze, spricht GU ins Telefon: “ Moin moin! Ich sollte einen Herrn Kämmler zurückrufen. Schon mach ich das, da geht er nicht dran. Würden Sie ihn mal bitte … Selbstverständlich, ich warte.“ GU rollt genervt die Augen: „GSCHWIND!“, zitiert er das andere Leitungsende. „Wie man gschwind warten kann, das ist mir bis heute ein Rätsel!“

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Silvester

Mittwoch. Silvester: Macht Spaß, wieder mal den Tisch schön einzudecken und sich zu überlegen, wer wen inspirieren oder wer wen nerven könnte, viele kommen ja nicht gerade. Dazu war die Party zu kurzfristig geplant, nämlich vor ein paar Tagen erst, nämlich sozusagen spontan und eigentlich bloß, damit PM wiederkommt. Ich freue mich, wie gut ich das gemacht habe, und fühle mich auf einmal nach so langer Zeit wieder richtig lebendig, während ich Decken aufbügle, Beistelltisch und Stühle aus der Abstellkammer hole, Gläser, Teller, Bestecke, Servietten aussuche, während ich Salate und verschiedene kalte Soßen zubereite, Käse dekoriere, Kartoffeln aufsetze. Raclettegerät aufbauen.

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Nach Weihnachten

Montag. Wenn ich über irgendwas froh bin, dann darüber, dass Weihnachten endlich vorbei ist. Für Leute, denen es gerade nicht so supiwunderbartoll geht, können diese Tage richtig grausam sein. Klemens sagt, ich müsse die Rauhnächte genießen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mit seinen Rauhnächten nichts anfange. Und dass ich die Zeit zwischen den Jahren schon immer gehasst habe. Er hat mich ganz erschrocken angesehen, und ich habe noch einen draufgesetzt und gesagt, ich könne es gar nicht abwarten, bis die Geschäfte wieder geöffnet haben. Warum?, hat er gefragt. Weil das Leben dann weiter geht, hab ich geantwortet. Was das

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Rituale

Diese Düfte erzählen eine ganz besondere Geschichte. Sagt sie mit Engelsstimme und taxiert mich aus den Augenwinkeln. Welche Geschichte? Ich zeige auf eine grüne Sprayflasche. Ihr Kopf ruckt, irritierter Blick. Na, das türkische Hammam. Kennt doch jeder, oder? Auffallend fällt sie aus ihrer gecoachten Werbesprache, doch fällt sie ebenso schnell wieder zurück: Diese Produkte bauen so aufeinander auf, dass es eben ein richtiges Ritual wird. Ah, ich verstehe. Die häufige Verwendung des Wortes Ritual fällt mir erst jetzt auf. Ein Unternehmer entdeckt das Potenzial von Ritualen für die Vermarktung der namensgleichen Kette für scheinbare Notwendigkeiten. Ich finde das auf einmal

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Alleinleben

Dienstag. Lieber Peer, ich hätte da mal eine Frage: Wie kommst Du mit dem Alleinleben klar? Peer: „Hab mich in den letzten zwei Monaten viel zuviel mit anderen Leuten beschäftigt. Jetzt möchte und muss ich mehr allein sein. Ich hänge auch nicht den ganzen Tag im Internet rum, ob andere mich zur Kenntnis nehmen oder nicht. Ich suche nicht. Meine Zufriedenheit kommt daher, dass ich mal wieder einen guten Satz schreibe und mich daran freue. Das Romankapitel, an dem ich gerade arbeite, ist ein schwieriges Kapitel. Es handelt von einem, der ein starkes Selbstwertgefühl hat und der schon sehr alt

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