Geht das anderen auch so? Die Kombis für 4 Tage Nürnberg strategisch ausgebreitet, und dann das: Ein Fleck auf der weißen Jeansjacke. Woher? Die hab ich noch gar nicht angehabt. Direkt vorne auf der Knopfleiste, wie ein minikleiner Make-up-Spritzer. Und daneben noch einer, heilige Scheiße, was will mir das sagen? Hat sich etwa eine andere in der Jacke, die inzwischen meine ist, in der Umkleide geschminkt? Ich weiche ein, wische, schrubbe, und endlich verblasst der Fleck, verschwindet schließlich ganz. Alles wird gut. Ich werde sie anziehen können, na klar! Morgen. Morgen fahre ich los, mit der Jacke im Koffer, sie
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Gewalt als Ideologie
In Mosambik werden Christen erschossen, und in Europa haben Medien, Verantwortungsträger und stumpfe Massen nichts Besseres zu tun, als einen neuen Hass auf Juden/Israel zu kultivieren.
WeiterlesenIm Spiegel
Mittwoch, Tübingen. Gerade finde ich bei Deborah Levy (Ein eigenes Haus, 2021 Hoffmann und Campe) eine Stelle, die von mir handelt: Nur ein Teil in uns ist geistig gesund, nur ein Teil in uns liebt die Freude und länger währendes Glück, möchte neunzig Jahre alt werden und friedlich im eigenen Haus sterben, das auch denen Schutz bietet, die nach uns kommen. Die andere Hälfte in uns ist dem Wahnsinn nahe, sie zieht das Unangenehme dem Angenehmen vor, liebt den Schmerz und möchte in einer Katastrophe untergehen, die das Leben auf seine Anfänge zurückwirft und von unserem Haus nichts als das
WeiterlesenMaßnahme
Montag. Nach sechs Stunden Unterricht fällt die Tasche mit dem schweren Ordner auf den Stuhl in der kleinen Pizzeria in der Querstraße, ich plumpse auf den Stuhl daneben. Mein Geist ein zusammengeknautschtes Papierknäuel, das sich unter leisem Knistern langsam wieder entfaltet. Alle Gedanken, am Vormittag über- und ineinander geknetet, glätten sich. Muster treten hervor. Unwichtiges trennt sich von Wichtigem. Sind wir denn die Deppen? Die Rechtsradikalen? Die AfD wählen, weil dumme Ossis? Fragt Tanja, und die anderen nicken. Ich wähle die nicht. Die haben ja kein glaubwürdiges Personal, sagt Bernd. Aber wie wir in den Medien dargestellt werden, wie die
WeiterlesenHeimat mal wieder
Freitag, Kamen. Was ist für dich Heimat, fragt A heute Morgen. Den Abend davor war Klassentreffen. Wir haben uns sauwohl gefühlt, vertraut, akzeptiert. Wir sind in einem Alter, in dem wir den anderen nehmen können, wie er ist. Oha, sage ich, das habe ich mir schon so oft überlegt. Kamen vielleicht? Na klar, Kamen. Obwohl ich seit meinem 15. LJ nicht mehr hier wohne, weil ich damals von zuhause ausgezogen bin, nach Essen-Werden zu einer anderen Familie, weniger aus Rebellion als aus Verzweiflung, aber das ist wieder ein anderes Thema. Ich kenne mich hier aus. Die Leute sind offen und
WeiterlesenNext
Mittwoch. Das Manuskript liegt auf Schreibtischen, wird gelesen oder auch nicht, die Verlage lassen sich Zeit oder sie haben keinen Mut. Und wenn das Buch erschienen ist, was ich inständig hoffe, werde ich längst an einem neuen MS arbeiten. Ohne rechts und links zu schauen, fokussiert, weil es das ist, was ich am besten kann. Ich stecke ja schon knietief drin, in einem anderen Stoff, totaler Themenwechsel, um meine eigenen Erwartungen zu erfüllen. Heute Abend auf einen Drink mit M. und U. im Berghotel mit Blick auf die Wartburg in der Abendsonne. M: Kommt ein Pferd in den Blumenladen und
WeiterlesenNürnberg
Montag. Anschauen! OmG!, was für ein Film: Nürnberg. Anschauen! Anschauen! Anschauen! Gerade jetzt! Nürnberg! Und keine Rezis lesen, selbst entscheiden.
WeiterlesenSelbsterkenntnis
Sonntag. Auf der Gartenparty zum Geburtstag von S. sind Leute, die es selbstverständlich finden, dass wir auch da sind, PM und ich, und wir finden das inzwischen auch. Wie S. aus der alten Villa herauskommt, Schüsseln in den Händen, freundlich wie immer: schön, dass ihr gekommen seid, das ist ein gutes Gefühl. Vielleicht arbeiten wir bald zusammen. Es gibt da so ein Projekt, und ich stelle es schon bei verschiedenen Schularten vor, erzähle von kultureller Beteiligung und Selbstwirksamkeit und davon, dass man im Schreiben immer auch etwas über sich selbst erfährt. Erschreckt sieht eine auf. Eine andere ist ins Handy
WeiterlesenNirgends überall
Samstag. Im Mongolischen gibt es kein Wort für bitte, und die Mongolen lieben Deutschland. Bei Fußballweltmeisterschaften fiebern sie für die deutsche Nationalmannschaft – wer weiß denn so was? Viele Ältere sind zur Ausbildung in der DDR gewesen, ihr Deutschlandbild ist ungebrochen positiv besetzt. Erzählen uns B. und M., mit denen wir auf der Terrasse grillen, bis plötzlich das Tischtuch wegstiebt und Regen vom Himmel fällt. Wir gehen rein und hören Geschichten aus einem sehr fernen Land, aus dem B. kommt und in dem M. für mehrere Jahre gearbeitet hat, bis es sie wegen einer neue Stelle nach Thüringen verschlagen hat.
WeiterlesenEinfangen
Mittwoch. So redet doch niemand, sagt M. und schiebt die Kurzgeschichte von Hohler verächtlich beiseite. Na ja, sage ich, das ist Literatur und kein TicToc-Speach. Wir lesen ja eher keine ganzen Bücher, sagt die zierliche J., die uns vorher anschaulich von ihrem ersten Vollsuff gemeinsam mit ihrer Mutter berichtet hat. Begleitetes Trinken, kennen Sie nicht?, schiebt sie nach, als ich etwas konsterniert aus der Wäsche gucke. Schade, finde ich, es gibt so schöne. Welche denn, fragt M. So wie er mich ansieht, meint er es ernst. Es ist nicht so, dass ich gleich ein paar Titel aus dem Bildungskanon raushaue,
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