Sonntag, Eisenach. PM und ich offenbaren uns gegenseitig beim Frühstück, wie schwer es uns fällt, unser eines Bein jeweils aus unseren bisherigen Standorten zu ziehen. Tübingen und Bad Neuenahr, während unser anderes Bein noch etwas wackelig in Eisenach Fuß zu fassen sucht. Ich bin sehr erleichtert, dass es ihm genauso geht. Und dass wir es uns sagen können. Wir müssen daran arbeiten, sagt PM. Den Anfang mache ich heute mit der Küche. Die ist zwar inzwischen voll eingerichtet, aber mittlerweile in einem chaotischen Zustand. Überall sind noch die Handwerker zugange, Putzen & Aufräumen kommt mir vor wie zwei Schritte vor,
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Leben, Arbeit und die Kalligraphie
Dienstag. Wir haben unsere Mutter beerdigt. Nun hat sie es „hinter sich“, eines ihrer geflügelten Worte. Sie hat ein ganzes Jahr darauf gewartet. Dann darf man wohl gehen. Bei aller Anspannung meinerseits – ich war für den Ablauf verantwortlich – ging es peaceful und sogar harmonisch zu. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn die Eltern gestorben sind, erst recht nicht in meiner Familie. Familie ist okay. Familie ist wichtig. Man gehört dazu, das ist der Punkt. Man braucht nicht darüber nachzudenken. Drei Tage war ich in NRW / Werne, anschließend mit meiner lieben L. nach Köln, wo ich eine Nacht in
WeiterlesenErzähle deine Geschichte
Super sehenswerte TV-Doku von Ulf Kalkreuth: „Erzähle Deine Geschichte“ – die DDR in 30 Begriffen. Entlang von 30 Begriffen, die es nur in der DDR gab, erzählen 10 Protagonist*innen von ihren Erinnerungen an die damalige Zeit und ihr Leben in der DDR. Schöne Idee! Bewegend und bei aller Unterschiedlichkeit total nachvollziehbar. U.a. mit dem grandiosen Norbert Bisky und vielen anderen …
WeiterlesenMenschenleben
Freitag. Das ist alles so widersprüchlich, dass ich darüber kaum nachdenken kann, ohne verrückt zu werden. Zuerst hieß es 700 Tote, das war schon angesichts der ersten Bilder unglaubwürdig. Dann hieß es 7000, später 20.000, und als ich am nächsten Tag im „Amt“ eine frage, deren Familie aus der Türkei stammt, sagt sie, ihr Vater schätze die Zahl der Toten eher auf das Dreifache. Sie macht einen Aufruf, bittet um Kleiderspenden, warme Sachen, Parker, Pullover, Mützen, auch Toilettenartikel. Aus der türkischen Community hat sich sofort jemand gefunden, der die Sachen nächste Woche mit einem LKW ins Erdbebengebiet bringt. Jeden Tag
WeiterlesenDas Wort Frieden hört man sehr wenig
Kanzler Scholz ist nach Brasilien gereist. Es geht um den Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, um Rohstoffe und natürlich um den aktuellen Krieg, zu dem Lula da Silva eine deutlich differenziertere Position als die Ampelregierung hat. Am 30. Januar fand eine Pressekonferenz von BK Scholz und Präsident Lula da Silva statt: Präsident Lula, an Sie die folgende Frage: Sie haben vergangenen Mai in einem Interview gesagt, der ukrainische Präsident Selensky sei genauso verantwortlich für den Ukrainekrieg wie der russische Präsident Putin. Sehen Sie das heute immer noch so? Im Zusammenhang damit die nächste Frage: Brasilien verfügt über Gepard-Flakpanzer und Leopard-Kampfpanzer aus
WeiterlesenGamechanger
Montag, Eisenach. Die für meine Biografie wichtigen Grundwerte werden von einer doppelmoralischen, man könnte auch sagen, heuchlerischen Politik und einer devoten Medienbegleitung propagandistisch pervertiert, wenn ich das mal so deep formulieren darf. Und ich leide tief mit ihnen: Im Namen der Toleranz herrscht totalitäre Intoleranz. Im Namen des Friedens wird der War to end all wars nationalistisch vorangetrieben. Im Namen der Solidarität werden kritische Stimmen als rechtslastig geframt. Im Namen der Umwelt wird die Umwelt zerstört. Im Namen der Gleichheit wird die totale digitale Kontrolle errichtet. Im Namen des „Guten“ werden Feindbilder gepflegt. Danke, ich mache nicht mit.
WeiterlesenGregor der Große
Sonntag, Eisenach. Gestern Abend toller Vortrag von Gregor Gysi. Was unterscheidet ihn von anderen Politiker*innen – bzw. was macht ihn so inspirierend? Er spricht schnell und strukturiert. Er hat alle Zahlen im Kopf. Er ist selbstbewusst. Er reißt denkend Grenzen ein. Er ist schlagfertig. Und außerdem hat der Kerl Charme wie kein zweiter.
WeiterlesenBaerbock kämpft Krieg
„Wir kämpfen einen Krieg gegen Russland und nicht gegeneinander“, kauderwelscht Baerbock am Dienstag vor dem Europarat. Dass sie damit nicht nur Kanzler Scholz widerspricht, der doch immer wieder betont, Deutschland sei auch nach den Leopard-Lieferungen keine Kriegspartei, sondern auch das russische Außenministerium aufgeschreckt hat, kann niemanden ernsthaft verwundern. Zwar twittert das Auswärtige Amt unverzüglich: „Deutschland ist kein Konfliktpartner.“ Aber hallo, wie passt denn diese Aussage zu Baerbocks Aussage? „Verstehen Sie selbst, wovon Sie da reden?“, fragt die Sprecherin des russischen Außenministeriums denn auch und fordert eine Erklärung. Verständlich. Klärung wäre das Mindeste, was Russland von der deutschen, des Sprechens nicht
WeiterlesenSchreibwerkstatt
Donnerstag. Wie soll ich anfangen?, fragen sie. Legt einfach los, antworte ich stereotyp. Und lächle ihr Erschrecken weg. Und wende mich ab, indem ich sie zu vergessen scheine. Und wenn ich wie zufällig wieder zurückkomme und ihnen über die Schulter schaue, sind sie über Impuls und Einstiegssatz längt raus, versinken in ihrem Blatt oder Tablet und beachten mich kaum. Meine Rolle in dem Spiel, so soll es sein. Ich weiß schon jetzt, dass sie sich mit ihren Texten selbst überraschen. Dass sie gerade etwas produzieren, das sie weiterbringt. Dass sie ab jetzt dem einzelnen Wort Achtsamkeit schenken.
WeiterlesenMehr, mehr, mehr
Mittwoch. Juhuu!, endlich liefern wir den Leopard. 14 Stück, und Polen, Finnland, die Niederlande und Spanien wollen auch liefern, während die USA sogar ankündigen, gleich 30 Panzer in die Ukraine zu schicken. Kaum ist die Nachricht durch, fordern Selenski und der superproletige Melnyk Langstreckenraketen und Kampfjets aus Deutschland. Wahnsinn! Mir wird, während ich das eben Gehörte niederschreibe, kalt vor Angst. Ob diese Entscheidung richtig ist, werde erst die Zukunft zeigen, kommentiert die Sprecherin. Ja, wenn wir uns das leisten können, dann hoffen wir eben auf die Zukunft und darauf, dass Putin einmal nicht konsequent ist. Was allerdings allen bisherigen Wahrnehmungen
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