Aufgeklärt

Samstag, B.N. Die Beschäftigung mit dem Tod führt einen immer wieder und zwangsläufig auf das Thema Einsamkeit / Verlassenheit zurück.Und das ist auch gut so. Das Individuum, ich und jede*r andere, hat sich mit seiner Verlassenheit zu konfrontieren und auseinanderzusetzen.Denn: Es ist eine kulturelle Leistung unserer aufgeklärten Gesellschaft, die Autonomie des Individuums herzustellen. Das existentiell gesicherte Fundament ist das eines Selbstbezugs. Es ist dieser Selbstbezug, auf dem unsere Autonomie beruht und der seinem tiefsten Verständnis zufolge das Individuum zunächst vor jeglicher Familien- oder Gruppenhaftung, vor jeglicher Vereinnahmung durch Ideologien und Institutionen schützt und davon befreit insofern, als er ihm eine

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Familie

Freitag, B.N. Familienthemen sind nicht gerade das, was ich hier im Blog in den Vordergrund stelle, wie auch mein bürgerlicher Beruf und ein paar andere Lebensbereiche nur indirekt einfließen. Obwohl es Familie ist, was mir in erster Linie das Gefühl von Vollständigsein gibt: Ohne meine Kinder, ohne meine Lieblingsfamilie in Köln (aber auch ohne Jerome und Beret in Kiel) wäre ich ein halbes oder nicht einmal halbes Etwas und sehr unglücklich. Weshalb die beiden letzten Tage in Köln einfach nur glückliche Tage waren. Die ganze Arbeit, das ganze Streben täuschen doch nicht darüber hinweg, dass im weitesten Sinne alles um

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H.E.

Dienstag, B.N. Hannelore Elsner ist tot. Das kann doch nicht wahr sein. Wie kann Hannelore Elsner tot sein? Einst das schönste Gesicht des deutschen Films – „nach kurzer, schwerer Krankheit …“ Das ist wirklich ein Schock!Hannelore Elsner hat mal bei mir angerufen. Um ihre Teilnahme an meinem Buchprojekt „Lass uns über den Tod reden“ abzusagen. Darüber war ich sehr traurig, ich hätte sie gerne kennengelernt. Sie rede nicht über private Dinge, meinte sie, und sie hatte genau diese rauchige Stimme, wie man sie von ihren Filmen her kennt.

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Happy Easter

Ostersonntag, B. N. Die N.s, mit denen wir einen schönen Abend verbracht haben, nehmen großen Anteil daran, wie es mit meinem Buch weitergeht. Das tut mir gut und ist auch nicht verwunderlich, da er einer meiner Interviewpartner ist, mit dessen Text (oder einem Teil davon) ich jetzt immer meine Lesungen abrunde wegen seinem positiven Drive. Ein anderer schöner Abend war der mit A. und J., mit denen wir unseren nächsten Urlaub planen – zu viert diesmal statt zu siebt wie letztes Jahr, was sich ja dann zur ziemlichen Katastrophe entwickelte. Gestern und heute spontanes Wochenende in Eisenach aus keinem guten

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Notre Dame

Dienstag, B.N. OmG!, die Kathedrale brennt, und die fassungslose Pariser Bevölkerung versammelt sich in den Straßen und sieht über die Seine hinweg das Feuer und den Qualm in den Himmel steigen und kann nichts tun. Spontan singen die Menschen Kirchenlieder. Seit langem war das weltberühmte Gebäude in einem schlechten Zustand und wurde seit diesem April renoviert, was ja auch irgendwie die Ursache für den Brand gewesen sein soll. Das berühmte Rosettenfenster bleibt wohl erhalten. Das letzte Mal habe ich es 2008 gesehen und mich von seiner tiefen Farbigkeit berühren lassen. Notre Dame ist mehr als eine Kirche und mehr als

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Sieben Jahre

Sonntag, B.N. Schockierende Bilder von Julian Assange nach sieben Jahren freiwilligem Hausarrest in der ecuadorianischen Botschaft in London werden getoppt von noch schockierenderer Berichterstattung über ihn. SPON z.B. tratscht das Getratsche der spanischen Sicherheitsleute weiter, die während der gesamten Zeit für Assanges Unversehrtheit zuständig waren. Jetzt, wo das Asyl beendet und Assange von der britischen Polizei festgenommen und abgeführt ist und die Spanier nach Hause gehen und ihr ungeprüftes, seltsam indiskretes, irrelevantes Geplapper in die Welt hinausposaunen können, stürzen sich die Medien darauf, um total investigativ sämtliche Schandtaten des Whistleblowers aufzudecken: Assange sei bei den Botschaftsangestellten nicht wirklich beliebt gewesen.

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Es kommt ein Zug …

Samstag. Ein Abteil für mich allein, Voodoo Child (Hendrix), Love Street (The Doors), Too Old To Rock’n’Roll, Too Young To Die (Jethro Tull), die vorbeiziehenden Burgen und Wolf Haas‘ Verteidigung der Missionarsstellung – das ist Entspannung pur. Ich drehe auf, lege die Füße hoch, esse bulgarische Käsekringel, die es seit neuestem in der Stuttgarter Bahnhofshalle zu kaufen gibt, trinke Buttermilch und schaue aus dem …bis in Bingen doch noch einer reinkommt. iPhone aus, schlagartig fängt es zu regnen an, nach der Loreley hört es wieder auf, aber es bleibt grau und unfreundlich und ich wünschte, der Typ würde sich wieder

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Roboter …

… im Turbogang: das automatisierte Durchführen aller tagesrelevanten Arbeitsschritte unter höchster Auslastung, effektivsten Bewegungsabläufen und kürzesten Taktzeiten … und dazwischen die Frage (wenn Gehirn sich gegen Programm durchsetzt): Warum tue ich das? Was wäre, wenn ich nichts davon täte? Weiterweiter ins Abendprogramm: einkaufen, nach Hause, Tabulet und Humus zubereiten, umziehen, dann zu H.‘s Party …, soll ich – soll ich nicht, Grundsatzzweifel in letzter Sekunde, weil eigentlich ist es schon wieder zu spät, aber – Überraschung!, ein wundersam klarer Gedanke leuchtet wie eine Fehlschaltung unter meiner Schädeldecke auf: da will ich hin, weil da ist es schön, da sind die

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