Mein eindrücklichstes Erlebnis hatte ich als Oberarzt in Braunschweig mit einem Patienten, der mit unheilbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs kam. Er hatte das im ersten Gespräch sofort verstanden. Dann erzählte er mir, er sei der Betreiber einer Würstchenbude auf dem Stadiongelände von Eintracht Braunschweig. Seit Beginn der Bundesliga 1963 habe er kein einziges Heimspiel verpasst. »Mein größter Wunsch ist es, noch beim DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund dabei zu sein«, vertraute er mir an. Von der Diagnose bis zu jenem Tag, an dem Borussia Dortmund nach Braunschweig kommen würde, waren es genau acht Wochen. Braunschweig war damals Zweitligist, und Borussia Dortmund natürlich der Bundesligastar. »Zu
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Empört euch – doch nicht!
Donnerstag. „Fuck, ist das heftig!“ Wie ein YouTuber Politik und Medien mit einem einzigen Video in Schockstarre versetzt Der YouTuber Rezo hat sich die CDU zur Brust genommen. Die Zerstörung der CDU – Jetzt reichts!, heißt sein Video, das schon über 5 Millionen Mal angeklickt wurde, und es werden immer mehr und das sind vor allem junge Leute, für die es was Neues ist, dass einer der Ihren mal so zur Sache kommt. Der Junge mit dem blauen Deckhhaar ist kein Rudi Dutschke 2.0. Er ist lustig und man versteht ihn. Das war ja bei unseren Heroen der jüngsten Vergangenheit so
WeiterlesenDie Sache mit den Orden
Montag. Michel Houellebecq ist nun Ritter der Légion d’honneur. Die ranghöchste Auszeichnung Frankreichs verlieh ihm Präsident Macron höchstpersönlich. Auch Gustave Flaubert wurde mit diesem Orden ausgezeichnet, nachdem er in einem schmachvollen Prozess – wegen Verstosses gegen die öffentliche Moral und die guten Sitten in seinem Jahrhundertroman Madame Bovary – freigesprochen worden war. Tragen sie erstmal diese Medaille im Knopfloch, dann vergisst man schnell, was für revolutionäre Geister sie einst waren … Das nennt man totstreicheln. Macht Merkel mit Greta Thunberg auch: So lange loben, bis die/der Gelobte nicht mehr kann … Anschaulichstes Beispiel in der Kirchengeschichte: Franz von Assisi. Über
WeiterlesenTja, da liegt’s …
… zwischen lauter Wohlfühlliteratur … Magische Momente, Glück, Freunde – davon handelt auch Lass uns über den Tod reden – etwa in der Geschichte von Dieter Thomas Kuhn, von Enno Kalisch, von Joe Bausch, von Hans Jellouschek, von Katrin Sass, von Arsène Verny, von Jochen Busse und vielen mehr. Über das Leben nachdenken heißt eben auch über den Tod nachdenken – und umgekehrt sowieso …
WeiterlesenAusgemadonnat? Hoffentlich nicht
Sonntag. „Sie haben es gehört hier, hier wird live gesungen“, kommentiert der ARD-Moderator ihren seit Wochen gehypten Auftritt trocken. Gottogottogott!, was war los mit Madonna, das klang ja irgendwie unterirdisch und auch ihre Kostümierung riss es diesmal nicht so raus, weil die Anleihen bei der katholischen Kirche längst verbraucht sind. Aber, so what – Töne treffen gehörte noch nie zu ihrem Portfolio. Leid tun braucht sie einem deshalb nicht. Madonna ist ein Megastar, sie ist viel mehr als schön singen. Ihr Auftritte sind immer noch 1,5 Mio Dollar wert, wie der top secret Sponser jetzt rausließ, das soll erstmal eine(r)
WeiterlesenMeldepflicht auf Katholisch – schlimme Finger unter sich
Samstag. Papst Franziskus hat die Welt davon in Kenntnis gesetzt: Ab Juni dieses Jahres sind katholische Priester und Ordensleute dazu verpflichtet, Erkenntnisse über Missbrauchsfälle kirchenintern zu melden. Das ist das Ergebnis des Missbrauchsgipfels im Januar in Rom.Die Meldepflicht bezieht sich sowohl auf konkrete Fälle als auch auf Vertuschungsversuche derselben. Damit auch Opfer unbürokratisch die klerikalen Täter anzeigen können, verpflichtet Papst Franziskus in seinem Schreiben die Bistümer, bis Juni 2020 „ein oder mehrere feste Systeme [zu] bestimmen, die der Öffentlichkeit leicht zugänglich sind, um Meldungen einzureichen. Dies kann auch durch die Errichtung einer eigenen kirchlichen Behörde geschehen.“Für alle, die dieses Gesetz
WeiterlesenDie EKZ hat gesprochen
Montag. Wie die EKZ.Bibliotheksservice GmbH – Einkaufszentrale für Öffentliche Büchereien – ein (mein?) Buch einschätzt, ist nicht gerade unwichtig. Ihr Urteil entscheidet nämlich über die Neuanschaffungen für alle öffentlichen Bibliotheken. Für diejenigen, die sich immer schon gefragt haben, wie die Stadtbüchereien zu neuen Büchern kommen: Die EKZ unterhält ein Lektor*innen-Netzwerk, das die ca. 90.000 jährlichen Neuerscheinungen in deutscher Sprache durchforstet und dann 14.000 bis 16.000 Titel zur Anschaffung für den bibliothekarischen Bestandsaufbau auswählt.Da bin ich mit Lass uns über den Tod reden jetzt also dabei mit folgender Begründung: „Die Autorin (2 Romane) und Bloggerin, die u.a. Theologie studiert hat, fühlte sich
WeiterlesenBabylonisches Sprachengewirr
Wenn man mit T. essen geht, kommt manchmal eine mit, von der ich den Status immer noch nicht kenne. Sind die jetzt zusammen oder nicht? (Hat T. sich von der schweren Geschichte mit J. erholt? Ich weiß jedenfalls, dass J. als geheilt gilt und sozusagen in den Schoß ihrer Familie zurückgekehrt ist.) Sie, also die, deren Status ich nicht kenne, ist Italienerin, hat eine Stimme wie Gianna Nannini und spricht nur Englisch. Super, mein neuer Mitbewohner Dario redet auch nur Englisch, und wenn dann PM dabei ist, so wie dieses Wochenende wieder, reden wir alle nur noch Englisch, zücken Handys
WeiterlesenManche Dinge …*
Sonntag. Wenn sich ungefragt einer, oder kann auch eine sein, vor dir aufbaut und irgendwelchen Müll ablässt, und du musst jetzt irgendwas tun. Was sagen oder irgenwie gucken oder lachen. Lachen passt in den meisten Fällen, da gewinnst du Zeit und kannst noch überlegen. Oder ne Frage stellen, Fragen passen auch meistens. Ich frage dann, wie meinst du das?, obwohl es mich überhaupt nicht interessiert, wie einer seinen Müll meint, oder: Warum sagst du das? Die zweite Frage finde ich inzwischen richtig gut. Die Leute schauen dich an und wissen nichts zu erwidern. Die Leute wissen nämlich nicht, warum sie
WeiterlesenTrauriger Trakl
…„Trunken tanzt auf schwülen MattenAuf dem Thymian mein Schatten.…
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