Campus-TV am 11.04.2019Sprechen über den Tod mit C. Juliane Vieregge und Sabine Klocke-Daffa
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Sieben Jahre
Sonntag, B.N. Schockierende Bilder von Julian Assange nach sieben Jahren freiwilligem Hausarrest in der ecuadorianischen Botschaft in London werden getoppt von noch schockierenderer Berichterstattung über ihn. SPON z.B. tratscht das Getratsche der spanischen Sicherheitsleute weiter, die während der gesamten Zeit für Assanges Unversehrtheit zuständig waren. Jetzt, wo das Asyl beendet und Assange von der britischen Polizei festgenommen und abgeführt ist und die Spanier nach Hause gehen und ihr ungeprüftes, seltsam indiskretes, irrelevantes Geplapper in die Welt hinausposaunen können, stürzen sich die Medien darauf, um total investigativ sämtliche Schandtaten des Whistleblowers aufzudecken: Assange sei bei den Botschaftsangestellten nicht wirklich beliebt gewesen.
WeiterlesenEs kommt ein Zug …
Samstag. Ein Abteil für mich allein, Voodoo Child (Hendrix), Love Street (The Doors), Too Old To Rock’n’Roll, Too Young To Die (Jethro Tull), die vorbeiziehenden Burgen und Wolf Haas‘ Verteidigung der Missionarsstellung – das ist Entspannung pur. Ich drehe auf, lege die Füße hoch, esse bulgarische Käsekringel, die es seit neuestem in der Stuttgarter Bahnhofshalle zu kaufen gibt, trinke Buttermilch und schaue aus dem …bis in Bingen doch noch einer reinkommt. iPhone aus, schlagartig fängt es zu regnen an, nach der Loreley hört es wieder auf, aber es bleibt grau und unfreundlich und ich wünschte, der Typ würde sich wieder
WeiterlesenRoboter …
… im Turbogang: das automatisierte Durchführen aller tagesrelevanten Arbeitsschritte unter höchster Auslastung, effektivsten Bewegungsabläufen und kürzesten Taktzeiten … und dazwischen die Frage (wenn Gehirn sich gegen Programm durchsetzt): Warum tue ich das? Was wäre, wenn ich nichts davon täte? Weiterweiter ins Abendprogramm: einkaufen, nach Hause, Tabulet und Humus zubereiten, umziehen, dann zu H.‘s Party …, soll ich – soll ich nicht, Grundsatzzweifel in letzter Sekunde, weil eigentlich ist es schon wieder zu spät, aber – Überraschung!, ein wundersam klarer Gedanke leuchtet wie eine Fehlschaltung unter meiner Schädeldecke auf: da will ich hin, weil da ist es schön, da sind die
WeiterlesenLive
Donnerstag. Live Senden ist echt eine verdammte Herausforderung. Jedes heuschnupfenbedingte Allergisches-Asthma-Hüsteln, jedes Zeitgewinnungs-ähm, jede Spontanäußerung (Nee!) und die falsche Rocklänge bleiben dem weltweiten Netz für die Ewigkeit erhalten. Ich nehme das Thema Tod und Trauer ernst, so what? Die Sendung ist richtig gut geworden, sehr jung, sehr unvorbelastet von jeglicher Theorie und deshalb so erfrischend. Ich bin ganz beeindruckt von der thematischen Vielfalt und der künstlerischen wie technischen Professionalität des Campus-TV-Teams. Alles in allem eine interessante Erfahrung und supernette, kompetente Leute kennengelernt … Das Studio von Campus-TV befindet sich im Erdgeschoss rechts. Den Brechtbau kenne ich wie meine Westentasche. Dachte
WeiterlesenRunder Tisch
Komme gerade von einer sehr anderen Lesung in Reutlingen im kleinen Kreis am runden Tisch: In dieser intimen Atmosphäre beteiligt sich das Publikum, stellt Fragen, äußert Wünsche, einige beginnen selbst zu erzählen, eine Frau weint, die anderen schenken ihr ihre Aufmerksamkeit und trösten sie. Für mich eine neue Erfahrung, was die Texte von Lass uns über den Tod reden auslösen können.
WeiterlesenSchwarze Seelen
Mittwoch. Es gibt sie, diese Stumpfen und Dumpfen, nicht ansprechbar und ohne Antenne für dich und für jedermann und wahrscheinlich auch für sich selbst. Die fühlen nichts, und wenn doch, dann ist da nur der Wille zum Gefühl, weil sie ganz weit hinten schon kapieren, dass da irgendwas sein müsste, wo bei ihnen nur dumpfe Leere ist, weshalb ihr Lächeln ein Grinsen und ihre Anteilnahme – welche Anteilnahme? – eine Grimasse und Fake ist, und nur der Hass ist echt. Darauf können die bauen. Leute wie mein verrückter Nachbar, der gestern in den Fahrstuhl dazu steigt, und ich halluziniere nur
WeiterlesenDr. Assurs Pokal
Sonntag. Gestern habe ich auf dem Haaggassen-Trödelmarkt einen wunderschön geschliffen Kristallpokal von klassisch gerader Form entdeckt. Er trägt eine kleine, unauffällige Gravur: Dr. Assur. Wer war Dr. Assur? Karl August Varnhagen(1785-1858), Chronist und Biograph, Sammler Tagebuchschreiber und Diplomat, ändert 1814 auf Drängen seiner Dauerverlobten Rahel seinen Namen in Karl August Varnhagen von Ense. Damit übernimmt er den adligen Namenszusatz seiner westfälischen Vorfahren und lässt ihn vom Kaiser bestätigen. 1814 heiraten er und die 14 Jahre ältere Schriftstellerin, Tagebuchschreiberin und Salonnière Rahel Levin. Rahel Varnhagen von Ense, geb. Levin (1771-1833), lässt sich 1814 taufen, um Karl August Varnhagen von Ense heiraten
WeiterlesenFace to Face
Samstag. Das Missverständnis lasse sich nicht am Telefon klären, meint er. Wenige Stunden später muss er schon wieder zurück. Er ist nicht einer, der schöne Sätze drexelt. Er ist da, wenn Dasein wichtig ist. Und während sein Auto am frühen Morgen in der ausgestreckten Kurve der B27 allmählich unsichtbar wird, seine Hand am Fenster, schwebt die Angst mit dem Fahrtwind davon.
WeiterlesenGier
Venezuela hat die höchsten Erdöl-Reserven der Welt.Jetzt können wir aus der Ferne beobachten, was wir schon x-mal beobachtet haben: Die USA befeuern die landesinternen Aufstände gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Maduro, verschärfen die Sanktionen (warum? Die Bilder jedenfalls sprechen für eine Demonstrationsfreiheit in Venezuela, wie es sie in Saudi Arabien niemals geben könnte), lassen das Land aushungern, indem sie humanitäre Hilfsmittel in Erpressermanier instrumentalisieren, und Trump denkt schon mal laut über militärische Mittel nach. Noch bevor in Venezuela die Zeichen auf Neuwahlen standen, anerkannten die USA Juan Guaidó als Zwischenpräsidenten, ungeachtet der Tatsache, dass sie damit auf einen der Öffentlichkeit
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