Arbeits-WE

Ankunft Erfurt, Einchecken im Mercure, Blick auf die alte Kaufmannskirche, Stadtbummel, ein bisschen was zu trinken kaufen. Noch einmal den Text durchgehen, den ich morgen in Erfurt auf einer Gedenkveranstaltung lesen werde. Motto: Dem Gedenken einen Namen geben. Bettlektüre: Die Korrekturen, mit über zehnjähriger Verspätung. Franzen seziert Psychen, und an manchen Stellen erkennst du dich wieder, dass dir das Herz stehen bleibt. Anstrengend. Noch halte ich durch …

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Klein

Freitag. Klein aber oho. Klein aber fein. Auch kleine Dinge können uns entzücken? Klein ist doof. Zu klein ist schlimmer als zu groß. Gibt es zu groß überhaupt? Diese Jeans ist mir zu groß – okay, nicht gut. Aber: Dieses Haus ist eigentlich viel zu groß für uns – was sonst als Jammern auf hohem Niveau? „Dann stell ich mich klein und dumm“, war die Essigessenz aller eingelegten Lebensweisheiten meiner Mutter. Ich wollte also groß und klug werden. Groß und klug war sozusagen ein Synonym. Erwachsene waren nicht dumm. Sie waren vielleicht gemein, verlogen, eigennützig, aber dumm nur, wenn sie

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Lachen light

Sonntag. Mit Willkommen bei den Hartmanns von Simon Verhoeven hast du einen entspannten und amüsanten Kinoabend. Mir ist es jedenfalls so gegangen. Der Film ist lustig. Er ist deutsch. Er tut niemandem weh, er überschreitet keine Grenzen. Wir Deutsche schwanken ja immer zwischen Ja, aber und Nein, obwohl. Mit dem Standpunkt-Beziehen haben wir es nicht so. Klare Ansagen empfinden wir als unangemessen. Fünfzehn Jahren knallharter Nazisprache, deren Gewitterleuchten bis weit in die Siebziger reichte, zeigen immer noch ihre Wirkung. Die Abgrenzung vom Faschismus mit seinen pöbelnden Parolen hat vor über fünfzig Jahren die Maßstäbe gesetzt für eine neue Ära der Kommunikation,

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Ilse Aichinger

Samstag. Ilse Aichinger ist tot. Eine Autorin, von der viele (ich auch) dachten, sie sei schon längst verstorben – weil sie eine der Leisen war. Wie auch ihre Geschichten mit diesem typischen Aichinger-Sog. Wer hat keine Aichinger-Kurzgeschichte in der Schule gelesen? Zumindest das Fenstertheater kennt doch jeder, oder? In der 7. oder 8. Klasse hat man es zum ersten Mal gehört und dann, in der Langeweile des Vormittags, angefangen zu grübeln …

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Zucchero und die Fledermäuse

Zucchero kommt nach Tübingen, und was passiert? Das Landratsamt begrenzt die Besucherzahl auf 5000! Denn im Behördenviertel, wo der Sänger mit seiner Combo auftreten soll, sind Fledermäuse gesichtet worden. Rockkonzert oder ein paar verschreckte Fledermäuse, das ist hier (mal wieder) die Frage. Vor einigen Jahren war ich auf einem der – aus demselben Grund äußerst raren – Konzerte im Tübinger Schlosshof. Überall in den Fensternischen hockten die mit ihrer Tierschützertechnik ausgestatteten Fledermauspat*innen und sahen schon selber aus wie welche: Headsets auf den Ohren, Richtmikros und Laptops auf dem Schoß, um jede noch so kleine Regung der Tierchen zu messen und

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Dallas is back!

J.R. at his best (Früher hießen sie Ewing) Donald Trump has a large family and the country got to know them better during RNC 2016. Donald has five children through three different marriages. He has three children from his first marriage to Ivana Trump. Donald Jr., Ivanka and Eric are all involved with the Trump Organization. He has one child with his second wife, Marla Maples. Tiffany just graduated from the University of Pennsylvania with a degree is sociology. He and his current wife, Melania, have one son named Barron. Click the arrow on the right side of the above

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Beschämende Fußfesseln

Donnerstag. „Es gibt kaum etwas Empörenderes als die sklavische Furcht, die der Autoritätsglaube dem Menschen einprägt und einbrennt; ein Gefühl, dessen blasse Nachtschatten bis in die späte Reife des Denkenden hineinreichen. Wie lange währt es, bis man diese beschämenden Fußfesseln des freien Gedankens nicht nur ganz abgeschüttelt, nein, auch sich völlig aus den Augen geschafft hat!“ (Christian Morgenstern)

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45 Millionen Suppenküchen-Besucher

Mittwoch Morgen. Clinton oder Trump? Wie es aussieht, macht Trump heute das Rennen, was mich zunächst mal, um nicht lange um den heißen Brei herum zu reden, kalt lässt, da ich mich über einen Sieg Hillary Clintons nicht gerade freuen würde. Ein Land, das sich 45 Millionen Suppenküchen-Besucher leistet, das das Mantra der freien Märkte in die Welt trägt, als gäbe es keine Alternativen, und von dessen Abgeordneten jeder zweite Millionär ist, während die Mittelschicht sich auflöst, setzt auf ein verwöhntes Milliardärs-Söhnchen, der mit 34 Jahren den Trump-Tower bauen ließ und sich damit schon gleich mal ein Denkmal setzte. Jetzt

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Bitte nicht stören

Dienstag. In Asien dürfe man eine Person, die ihre Beine auf den Schreibtisch gelegt hat, nicht stören. Diese Person sei mit etwas Wichtigem beschäftigt: Sie denke nach! Mal abgesehen vom wahrscheinlich gegen Null tendierenden Wahrheitsgehalt dieser vorgeblich asiatischen Weisheit finde ich die Vorstellung sehr prickelnd: Im Amt lege ich die Beine auf den Tisch, und alle Leute schleichen auf Zehenspitzen um mich herum. Weil ich denke…  Wow!

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Sonntagsblues

Sonntag. Seit gestern wieder in Tübingen: 1. Heimat, nach einer Woche in der 2. Heimat. Umstellungssymptome. PM ist mitgekommen, so haben wir die Autofahrt noch zusammen, statt stressiger Zugfahrt alleine. Steve und Karina sind nicht zuhause, ist ja auch mal ganz schön (das bewundere ich sowieso, wie PM als Nicht-WG-Sozialisierter mit meiner Wohnsituation zurechtkommt). Wir tragen die ganzen Kisten aus dem Haus m. Eltern, die bisher in PMs Keller gestanden haben, aus dem Auto zu mir hoch. Da stehen sie jetzt und verstopfen den Flur. Was drin ist? Keine Ahnung mehr. Einige schöne Dinge, viel Unnützes, eher aus Gründen des

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