Neue Wirklichkeit

Sonntag. Vier unterschiedlich große Flüchtlingsheime, zusätzlich zu den bereits bestehenden, werden in den nächsten Wochen in unserer unmittelbaren Nähe gebaut, zwei weitere in mittelbarer Nähe, alle sechs Neubauprojekte also in der Südstadt für je 60 bis 150 Flüchtlinge. Was macht das aus meinem Stadtviertel?, frage ich mich, und auch, ob mir das jetzt nicht doch ein bisschen Angst macht und ob ich auch in Zukunft so unbekümmert wie bisher abends und nachts zu jeder beliebigen Uhrzeit mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sein kann. Das bin ich nämlich, auf dem Heimweg von Freundinnen, von Veranstaltungen oder einfach vom Bahnhof,

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Das Wollen der Anderen

Freitag. „Du hast auf diese Männer großen Eindruck gemacht. Du hast ihnen die Augen darüber geöffnet, was ein Mädchen alles leisten kann. … Sie war zwar froh über die Anerkennung von ihrem Vater. Doch seine Freundlichkeit erreichte sie nicht mehr. Sie schien ihren Körper anzufallen, irgendetwas von ihm zu wollen, und ihr Körper rebellierte.“ (J. Franzen: Die Korrekturen, S. 520) Genau so, bis zur Schmerzgrenze, läuft das. Da will einer was von dir oder will irgendwas anderes, was du nicht willst, und ehe du das realisierst, verkrampft sich dein ganzer Körper zu einem Nein! Und manchmal machst du es dann

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Black Star

Mittwoch. Was hängt jetzt über dem Esstisch? Ein schwarzer Weihnachtsstern, Geschenk von Karina. Sie hat ihn, Spitze für Spitze, selbst gefaltet, aus geprägtem Tonpapier. Sofort liebe ich ihn. Er ist sehr kunstvoll. Nicht rot, nicht gold. Schwarz! Das ist meine Mitbewohnerin Karina.

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School at it’s best

Dienstag Nachmittag … intensive zwei Stunden mit meinen Mädels und seit neuestem einem Jungen beim üblichen Tee – Heiße Liebe von Teekanne –, Kuchen und Gummibärchen. Ein paar feine Texte haben wir da in den letzten Wochen fertiggestellt, und jetzt mal sehen, wie sie sich in der 10. Anthologie machen. Wir werden wieder stark vertreten sein. Eine Lesung in einer „richtigen Buchhandlung“ ist auch in Planung. Viele Ideen: Punsch und Kekse. Hinter einer Leinwand sitzen. Schattentanz. Publikumsbefragung. Ganz viel Publikum, am besten lauter Fremde. Sie spinnen rum: Unter dem machen wir’s jetzt aber nicht mehr! Sie sind aufgeregt. Sie freuen sich.

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Python Urlibb2 und Query Strings

B.N., Samstag. Ich weiß nicht, wie das anderen geht. Immer wenn ich die Google-Maschine anwerfe, weil ich mal wieder etwas zu verstehen versuche, was die Internet-Linguistik betrifft, komme ich mir extrem doof vor. Abgehängt. Abgestellt. Ein bisschen so, wie ich mich als kleines Mädchen bei dem Versuch gefühlt habe, den Kühlschrank zu verstehen. Wieso bleibt die Milch da drin kalt? Nach mehreren Anläufen bei klugen Erwachsenen beantwortete ich mir die Frage schließlich selbst: Indem du sie rein tust und Tür zu! Der Rudimentarität (gibts das Wort?) war ich mir durchaus bewusst. Das hatte mit Physik zu tun, das ging über

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„Ich bin immer gegen den Strom geschwommen“ – Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Freitag. Sie war die ladylikeste Lady der deutschen Polit-Szene bis heute (sorry, Sahra W.), sah super aus, trug elegante Kleider und Frisuren und war irgendwie, fand ich jedenfalls damals immer, in der FDP falsch. Am 22. September 2002 trat sie, nach 54 Jahren Mitgliedschaft, aus der Partei aus. Sie begründete dies mit der Annäherung der FDP an die antiisraelischen und einseitig pro-palästinensischen Positionen, die durch Jürgen Möllemann im Verlauf des Projekts 18 Eingang in die FDP gefunden hatten (wie sie im Mai 2008 im Interview mit der Süddeutschen Zeitung rückblickend darstellte). Hamm-Brücher, deren jüdische Großmutter sich selbst getötet hat, um den Nazis nicht in die Hände

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Beruf und Schreiben

Freitag. Immer mehr überschneiden sich meine beiden Lebensbereiche, Beruf und Schreiben. Davor hatte ich immer Angst – vielleicht etwas irrational, wie die Angst überhaupt oft mein Leben bestimmt hat -, und jetzt finde ich es ganz wunderbar.

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Wenn Heizung und Internet ausfallen

Was machen, wenn Heizung und Internet gleichzeitig den Geist aufgeben? Am besten lässt man sie gleichzeitig kommen, den Heizungsmonteur und den Elektroniker. Der eine sitzt, der andere steht oder rennt rauf und runter, beide bekommen eine Tasse Tee, werkeln vor sich hin und erzählen dabei Anekdötchen aus ihrem Leben. Der Monteur sei eine männliche Zicke, stellt der Elektroniker fest, als Ersterer mal wieder nach unten in den Heizungsraum geht. Die männliche Zicke mag es nicht, wenn eine Frau, also die Kundin, also ich, sich fachlich äußert. Dann wird die männliche Zicke abfällig, guckt der Kundin lieber in den Ausschnitt als

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Schenken und Geschenke

Samstag Morgen. Die Adventsketten für T. und L. gestern Abend mit leichter Verspätung abgeschickt, bzw. zum Abholen bereit gestellt. Obwohl schon ziemlich erwachsen, freuen sie sich immer noch darüber. Der richtige Zeitpunkt, damit aufzuhören, ist ohnehin verpasst, mittlerweile ist mehr ein Gag daraus geworden: Was, immer noch … und mir macht es Spaß, ab Herbst die 2 mal 24 Sachen zu besorgen und zu verpacken, bei einem Polizeiruf oder Tatort und einer Kanne Ingwertee oder Kakao oder einem gut eingeschenkten Limoncello. Schenken ist an jemanden denken. Weihnachten eben! Das Essen sollte noch mit W. abgesprochen werden. Da er immer noch oder

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Meine Freundin

Freitag. Meine Freundin Thea bringt feine Sachen vom Griechen mit, ich habe den Champus. Wir haben jede ein paar private Highlights zu feiern. Meine Freundin Thea, die ich seit vielen Jahren kenne, ist plötzlich meine Nachbarin. Meine Freundin Thea ist der emotional und intellektuell eigenständigste Mensch, den ich kenne. Meine Freundin Thea hat den Klinikchef, der vom musiktherapeutischen Ansatz bisher nichts gehalten hat, dermaßen überzeugt, dass es plötzlich eine volle Stelle gibt. Für meine Freundin Thea natürlich. Meine Freundin Thea hält viel von sich. Das finde ich bemerkenswert.

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