Lustig: Der Verfassungsschutz ist unterwandert worden. Von einem (?) Islamisten, der den IS bei der Planung eines Sprengstoffanschlags auf das BfV-Hauptgebäude in Köln Chorweiler unterstützen wollte. Dies sei sicher im Sinne Allahs, verkündet der Hero im Facebook-Chat auf der Suche nach Gleichgesinnten. 2014 sei er, so liest man es, per Telefon zum Islam konvertiert, was immer das bedeutet. Eigentlich sei er Bankangestellter und erst 2016 als Quereinsteiger zum Verfassungsschutz gekommen, um die islamistische Szene auszuspionieren. Jetzt ist er selber ausspioniert worden. Zufällig, von einem anderen Verfassungsschützer, der, auch auf Facebook unterwegs, den Aktivitäten des abtrünnigen Kollegen auf die Schliche gekommen
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
An Büchern leiden?
Donnerstag. Irgendwie mag ich Bücher, die ich nicht so ganz verstehe. Wie Jonathan Franzens Korrekturen. Hemmungslos seitenfüllend wird da Expertenwissen ausgewalzt, Historien- oder Wirtschaftswissenschafts- oder Chemie-Lastiges zum Beispiel über die Entwicklung eines Medikaments, das für den Plot zwar von Bedeutung, aber in dieser abnormen Breite doch irgendwann eher eitel als unterstützend wirkt. Sehr seltsam. Das Buch, so scheint mir, will etwas von mir, es fordert mich zum Duell – und schlägt mich gelegentlich. Das erste Mal ging mir das vor vielen Jahren so mit Irmtraud Morgners Trobadora Beatriz. Vor der Uni-Frauengruppe hielt ich ein flammendes Plädoyer für den Roman, nicht
WeiterlesenMarokkanisches Fernsehen
Dienstag. Im marokkanischen TV gibt es Schminktipps für geschlagene Frauen. Also wie frau sich ihr blaues Auge weg-make-uppen kann. Gewalt gegen Frauen scheint in Marokko so alltäglich, dass Polizei und Justiz kaum gegen die Täter vorgehen, sondern den Missbrauch dulden (spiegel-online). Also echt pragmatisch, dieses marokkanische Fernsehen.
WeiterlesenPrivileg
Sonntag. Interview in Mainz. Ich empfinde es durchaus als Privileg und genieße es, durch diese Arbeit so viele wunderbare, spannende, schöpferisch tätige Menschen kennen zu lernen. Querverbindungen herzustellen, ein Netz zu weben. Ich habe dann das Gefühl, es geht weiter. Gesprächsbasis: Wenn einer stirbt, geh ich nach Paris und Mein Vater, sein Vater und ich. Der erste Film geht unter die Haut bis an die Grenzen des Verstehbaren, der zweite ist poetische Auseinandersetzung mit Männlichkeitsidealen. Der Regisseur ein eigenwilliger Typ mit einer sehr genauen Vorstellung davon, was für Filme er machen will, und genau die Filme macht er dann. Nicht
WeiterlesenBeiß!
Samstag. Dr. K., den ich manchmal Frau Tietze nenne und der mir in einer begrenzten, höchst prekären Situation das Leben gerettet hat, faltet mich mal wieder nach allen Regeln seiner Kunst zusammen. (Er weiß, dass ich mich später wieder ent-falte). Ich bin deprimiert wegen der Sache mit meiner Zahnbehandlung, einer never ending story, und er fängt an: Sie trauen Ihrer Bisskraft nicht, Sie haben Angst zu beißen, Sie opfern lieber Ihre Zähne anstatt zu beißen und so weiter und so fort, das geht ziemlich lange, das setzt mir zu, das macht mich regelrecht sauer: Krankheit als Schuldzuweisung? Das Denken fängt
WeiterlesenVereinigung
Es ist alles gut, wenn du da bist. Die sexyste Botschaft ever. Ist Gegenwart ist Zukunft ist eins … (Samstag, B.N.)
WeiterlesenFuck the Future, Willkommen im Augenblick
Freitag. … eines dieser zufälligen Küchenmeetings: Steve macht sich seinen Kaffee mit der Kaffeemaschine, ich bin an meiner Schoko-Spezialmischung und Karina trinkt ihren Kaffee aufgebrüht, ist aber schon fertig und spült ihre Sachen mit der Hand ab, weil sie Spülmaschinen-Tabs für Gift hält. Es riecht so gut, das Dasein ist leicht wie Watte, fuck the future, Willkommen im Augenblick, was mal wieder beweist, dass alles eine Sache der Perspektive ist. Durchs Fenster dringt Morgendämmerung, das stimmt mich froh, denn meine Fahrradlampe ist kaputt. Steve hat’s von seiner Prüfung. Karina weiß noch nicht, ob ihr Seminar zustande kommt. Und ich muss auch
WeiterlesenMacho & Chica
Vermeide Gängiges, vermeide Klischees. Falle Nr. 1 beim Schreiben und im Leben. Oder tritt sie so breit aus, bis dir übel wird. Manchmal mag ich Klischees. Das ist wie nach Hause kommen. Beim Klischee kennst du dich aus, weißt wie es funktioniert. Und, hey!, genauso funktioniert es wirklich. Die Überraschung liegt in der Erfüllung des Erwarteten. Klischees sind pure Bestätigung. Sie enttäuschen dich nie. In der Mühlstraße gibt es einen italienischen Klamottenladen, Macho & Chica. Entsprechend sind die Klamotten. Der Chica nimmt man nichts krumm, dem Macho auch nur wenig. Hallo?, die sind Klischees! Die müssen so sein! Sei selber
WeiterlesenIm Dom
Sonntag, Erfurt. Noch drei Stunden, bis mein Zug geht. Seltenes Gefühl: Ich habe ZEIT. Im Dom nimmt einer donnernd die Orgel durch. Ein Klangteppich – dagegen sind Colosseum und Jethro Tull und Status Quo zusammengenommen Waisenkinder. Sollte dieser Organist stinksauer gewesen sein, müsste es ihm jetzt besser gehen. Direkt unter ihm, in der Bank, spüre ich jeden einzelnen meiner Knochen und sämtliche Eingeweide. Andere Dombesucher stehen wie angewurzelt auf der Stelle. Wenn jetzt alle auf einen Schlag zu weinen oder zu schreien oder übereinander herzufallen anfingen, würde mich das kein bisschen wundern.
WeiterlesenHauptfriedhof
Samstag, Erfurt. Nun weiß ich also, wie man am Samstag vor Totensonntag der Toten gedenkt ohne jegliche religiöse Rückbindung. Für mich sehr strange. (Erst am anderen wird der eigene Standort deutlich wie nie.) Mein Text kommt gut an. T. hat mir ein phänomenales Hustenmittel empfohlen, mit dem man wirklich über die Runden kommt. Er hat damit schon Konzerte bestritten, bei mir geht es nur um zehn Minuten lesen. Danach zeigt der Veranstalter mir den Erfurter Hauptfriedhof, den ganzen!, und der ist wirklich riesig, indem wir einfach überall mit seinem Auto rumcruisen – die entsprechende Lizenz hat er vorne an der
Weiterlesen