Übrigens gab es sehr genaue Frühwarnungen von mehreren Wetterdiensten. Diese Frühwarnungen wurden aber nicht ernstgenommen, auch von Umweltministerin Spiegel nicht. Am Nachmittag des 14. Juli 2021, vier Stunden vor der Flutkatastrophe, gab sie eine Pressemitteilung zur Veröffentlichung frei: Das Hochwasser werde nicht so dramatisch ausfallen, es sei „kein Extremhochwasser“ zu erwarten. Spiegel hat die Mitteilung selbst korrigiert und auf einer Textänderung bestanden: „Bitte noch gendern: Campingplatzbetreiber:innen. Ansonsten Freigabe.“ (Die Mitteilung enthielt Ratschläge für Betreiber von Campingplätzen u.a. ufernahe Betriebe.) Kurz darauf wurde Staatssekretär Dr. Erwin Manz vom Umweltamt informiert, dass diese Mitteilung eine eklatante Fehleinschätzung weitergegeben habe. Es drohe eben
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
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Dienstag. Was für ein Laberrhabarber wegen der zurückgetretenen bzw. zurückbugsierten Anne Spiegel da jetzt in den Medien losgeht! So von wegen die Schuldigen wären keine Einzelpersonen, sondern ganze Teams, und überhaupt sei Teilen und Delegieren von Aufgaben der zeitgemäßere Führungsstil undsoweiterundsofort. Leider war A. Spiegel nicht die einzige Einzelperson, die bei der Flut versagt hat. Es gab noch viele andere Einzelpersonen, allen voran der untergetauchte Landrat Pföhler, der mittlerweile GSD durch die sehr fähige neue Landrätin Cornelia Weigand ersetzt wurde. Das ist ja nun alles hinlänglich bekannt. Wer ein politisches Amt dieser Kategorie übernimmt, der trägt die Verantwortung. So wie
WeiterlesenAmtspflicht
Montag. Zwei Politikerinnen führen familiäre Pflichten an, um ihre mehrwöchige Abwesenheit während und nach der Jahrhundertflut vom 14./15. Juli 2021 zu begründen: Ministerin Ursula Heinen-Esser am 25.03.22: „Meiner minderjährigen Tochter hatte ich nach zwei Jahren Pandemie den Urlaub versprochen.“ Ministerin Anne Spiegel gestern in einer Pressekonferenz: „Die Coronapandemie war für uns mit vier kleinen Kindern eine wahnsinnige Herausforderung. […] Das hat uns als Familie über die Grenze gebracht.“ (Gemeint ist wohl: an unsere Grenzen gebracht.) Aus feministischer Perspektive empfinde ich es als sehr unglücklich, wenn gleich zwei Amtsträgerinnen – die inzwischen zurückgetretene NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) und die damalige rheinlandpfälzische
WeiterlesenGuten Morgen
Sonntag. PM schläft. Erschöpft von Arbeit und Verantwortung, kommt er hier an den Wochenenden zur Ruhe. Die strenge Wochenstruktur, an die ich mich inzwischen gewöhnt habe, tut mir auch gut. Gestern Abend Geburtstagsparty bei K. und H. mit Band im Wohnzimmer und Tanzen und Essen und freundlichen Menschen, die an PMs Schicksal teilnehmen und Zeit finden Fragen zu stellen. Fragen sind auf ganz unironische und unmittelbare Weise sexy. Uwe Bohm ist gestorben, der Darsteller mit den dunklen Augen im hellen Gesicht, die von abgründigen Verletzungen sprechen und nie von Fröhlichkeit, selbst wenn er lacht. 2009 habe ich ihn im Berliner
WeiterlesenGewinnen
Donnerstag. Mit den Bildern von den Gräueltaten von Butscha sind die 27 Millionen durch die deutsche Wehrmacht getöteten Russen endgültig aus dem historischen Gedächtnis / Gewissen gelöscht. Ist ja auch schon verdammt lange her. Schluss mit der Zurückhaltung in der deutsch-russischen Beziehung, sie wird ab sofort als antiquiert gewertet. Entsprechende Uminterpretation erfährt das Konzept Wandel durch Annäherung, das von führenden Politikern plötzlich als fehlgeleitete Idee abgetan wird. Die völlig sinnlosen, brutalen Morde in Butscha beantwortet unsere Regierung mit noch mehr innenpolitischem Beschuss. Die meisten Deutschen befürworten das und haben ein gutes Gefühl dabei. Die neue Sehnsucht nach Aufrüstung ist auf
WeiterlesenKehrseite
Montag. Der Krieg wird immer dreckiger. Grausame Bilder aus Butscha – einem Vorort von Kiew – gehen seit gestern um die Welt. Inzwischen sind 300.000 ukrainische Flüchtlinge in Deutschland angekommen. Auch im „Amt“ haben wir ab dieser Woche mehrere Kinder aus der Ukraine. Die Armen haben furchtbare Wochen hinter sich, kein Zuhause mehr, Ungewissheit über ihre im Krieg kämpfenden Väter und müssen noch dazu eine fremde Sprache lernen. Von ihren alten Schulen werden sie weiterhin im Fernunterricht beschult, wie lange noch, weiß niemand. Sie können sich sicher sein, dass hier alles für sie getan wird, damit sie und ihre Familien
WeiterlesenZeitenwende interpretiert
Samstag. Mit seiner Zeitenwende-Rede hat Bundeskanzler Scholz dem alten Wort neue Bedeutung eingetrichtert: Zeitenwende heißt in seinem Kontext Aufrüstung. Pazifistische Modelle gelten als überholt in Zeiten, in denen unser Wirtschaftsminister einen tiefen Diener beim Emir von Katar hinlegt, dass man ihm an liebsten tröstend über den Kopf streicheln möchte ob dieses „realpolitisch notwendigen Schrittes“, und in denen unsere grüne Außenministerin die Lieferung von Kampfflugzeugen an eine Kriegspartei fordert. Selbige Außenministerin teilt am 18. März der staunenden deutschen Öffentlichkeit mit: Bei Fragen von Krieg und Frieden, bei Fragen von Recht und Unrecht kann kein Land, auch nicht Deutschland, neutral sein. Echt
WeiterlesenDepardieus Hintern
Mittwoch. Es langweilt mich, über die ab Montag geltenden Lockerungen der Corona-Regeln zu schreiben. Die Infektionen steigen weiterhin steil an, und Lockerungen zu diesem Zeitpunkt scheinen widersinnig. Andererseits sind die Erkrankungen längst nicht mehr so schlimm wie am Anfang, andere Länder wie die Schweiz oder Holland haben sämtliche C-Regelungen sogar komplett aufgehoben, ohne dass ihr Gesundheitssystem zusammenbricht. Die Menschen um mich herum sind in sehr gedrückter Stimmung. Es gibt zu viele schlechte Nachrichten und kaum gute. Mittlerweile suchen vier Millionen Geflüchtete aus der Ukraine eine Bleibe zum Überleben, die meisten davon Frauen mit ihren Kindern, während ihre Männer im Krieg
WeiterlesenGzP
Sonntag sehr früh. Ein besonderer Abend bei V. und U. im GzP / Gaststätte zum Pflug. Die beiden machen, dass ihre Gäste sich wohlfühlen. Das Ambiente: eine Mischung aus gutem Essen, guten Büchern (die überall rumstehen und -liegen), good feeling. U. von der Edition Epoca – ein Jammer, dass dieser besondere Verlag sich nicht halten konnte. Und V. kocht mit Liebe (ohne Kitsch und Schmus), so schmeckt es auch: einfach gut. Sie wechselt wöchentlich die Karte, sie macht alles selbst, die Lachsravioli … sogar das Pesto … Lange gequatscht, PM erzählt von seinem Buchprojekt und von der Flut, die ihm
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