Freitag. Heute hat mir ein Ex-Schüler so eine unglaubliche und wunderbare Geschichte erzählt, dass ich total neben mir stehe, seit ich sie gehört habe. Es ist eine wahre Geschichte, sie ist ihm passiert, wie wenn sie für ihn bestimmt wäre. Er hat sie mit seiner Freundin zusammen erlebt. Und doch erscheint sie in all ihren aufeinander bezogenen Einzelheiten so phantastisch, wie ich noch keine wahre Geschichte gehört habe. Ich kann sie leider nicht aufschreiben, das käme mir irgendwie entwürdigend vor. Diese Erfahrung mit jemandem teilen zu dürfen, ist ein Geschenk.
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Frieren für die Freiheit
Als Joachim Gauck Bundespräsident wurde, sagte meine Mutter: „Kinder, der ist ein Schauspieler!“ Wenn Gauck jetzt bei Maischberger verkündet: „Wir können einmal frieren für die Freiheit,“ dann bedaure ich, dass meine Mutter nicht mehr fernsehen kann. Sie wäre auf ihre Kosten gekommen. Mit seiner telegenen Geste zeigt Gauck einmal mehr, wie weit er von den Normalos weg ist. Denen tut es nämlich weh, dass die Energiepreise gerade durch die Decke gehen. Die großen Gasanbieter kündigen für ihre Bestandskunden Preiserhöhungen von 25 Prozent und mehr an … glücklich, wer davon nichts spürt. Will der Altbundespräsident uns allen Ernstes glauben machen, mit
WeiterlesenVermittlung
Altkanzler Gerhard Schröder fährt auf eigene Faust nach Moskau, um mit Putin zu reden. Seine Partei (aus der manche ihn rausschmeißen möchten) und die Regierung äußern sich nicht zu der Mission. GsD! – es gibt Menschen, die klüger sind als alle Politiker*innen zusammen. Schröders NEIN zum Irakkrieg im Sommer 2002, für das er ein Bündnis mit dem französischen Präsidenten Chirac und dem russischen Präsidenten Putin gebildet hatte, erfüllte mich seinerzeit mit Stolz. Anstatt ihn für seine mangelnde Bekenntnisbereitschaft zu dissen, hätte man Schröder auch gleich um Vermittlungshilfe bitten können. Darauf muss aber erst der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk,
WeiterlesenMitverantwortung
Donnerstag. Dass sich der ukrainische und der russische Außenminister heute in der Türkei zu neuen Gesprächen treffen, macht mir doch ein wenig Hoffnung. Es bringt ja nichts, den einen zum hundertsten Mal als Schurken/Irren/Wahnsinnigen zu klassifizieren und den anderen als Helden. Die Menschen in der Ukraine leiden und sterben nun schon seit zwei Wochen, und nichts bewegt sich, im Gegenteil drehen beide Seiten unaufhörlich an der Spirale, was nur zu noch mehr menschlichem Leid führt. Die politische Riege in Berlin, Paris und London lenkt weiterhin von ihrer Mitverantwortung an diesem Krieg ab. Sie redet in rein militärischen Kategorien über Waffenlieferungen
WeiterlesenFrüh am Morgen
Donnerstag. Wo hängt denn der Mond heute rum? Der ist ja viel zu tief! Und schmutzig orange ist er, als wäre er wo reingefallen.
WeiterlesenPazifismus ade
Mittwoch. Ist der Pazifismus tot? War die deutsche Nazi-Vergangenheit uns immer nur ein Alibi, wieder in kriegerischen Kategorien zu denken / uns wieder militärisch zu engagieren? Darf man die militärische Aufrüstung befürworten, wenn man genau weiß, dass das eigene Leben nicht davon bedroht ist? Markiert der russische Krieg gegen die Ukraine einen Abschied von alten und vertrauten, gegenüber der Elterngeneration leidenschaftlich verteidigten – sprich, von internalisierten, persönlichkeitsbildenden – Werten? Ist Pazifismus nicht mehr zeitgemäß?
WeiterlesenKeine Antworten
Dienstag. Russische Soldaten zerstören, wie man hört, ihre eigenen Waffen, weil sie diesen Krieg nicht führen wollen. Desperados aus der ganzen westlichen Welt ziehen als Söldner in die Ukraine. Offenbar ist der Widerstand viel größer erwartet. Das gesamte russische Militär soll sich jetzt in der Ukraine befinden, es gibt keine Reserven mehr. Die Verluste auf der russischen Seite sind zahlreicher als die der Ukraine. Wie groß ist der Kreis um Putin noch? Kann die Lösung bei der russischen Bevölkerung liegen? Die ist aber leider sehr schlecht informiert und steht angeblich zu großen Teilen hinter ihrer Regierung. Putin ist nicht mehr
WeiterlesenRussischer Zupfkuchen
Sonntag. Man hört viel von russischen Demonstrationen … und ihren brutalen Niederschlagungen … Vielleicht löst sich das Problem ja auf diese Weise von innen heraus … Die Antwort sind zunehmend diktatorische Maßnahmen gegenüber der russischen Bevölkerung: Demonstrant*innen werden verhaftet, soziale Plattformen gesperrt, Mediengesetze kurzfristig geändert und freie Rundfunksender geschlossen; auf der anderen Seite Selenskyjs Einheizen und unermüdliches Pochen auf Unterstützung von der NATO. Wir können wirklich froh sein, dass die NATO-Chefs klüger sind als so manche CDU-Politiker, die zum Glück in der Opposition sitzen. Das Feiern von Kriegshelden statt von Diplomaten … Keiner glaubt der anderen Seite mehr ein Wort.
WeiterlesenNichts zu verlieren
Freitag. Russisches Militär zündelt an ukrainischem Atomkraftwerk. Auch Tschernobyl hat es schon eingenommen. Warum?, da lässt sich einiges ausmalen. Schlimmste Erinnerungen an 1986 werden wach. Ist das der Kriegsgang eines Präsidenten, der nichts mehr zu verlieren hat? Zu gewinnen sowieso nichts. Leider kann ich an den Erfolg von endlosen Sanktionen und internationaler Isolation ebenso wenig glauben wie an militärische Eskalation. Die Opfer sind schon zu zahlreich, für Verhandlungen scheint es zu spät. Momentan fehlt mir die Fantasie für ein irgendwie gutes Ende.
WeiterlesenNächstes Kapitel
Donnerstag. Interview mit dem berühmten Wissenschaftsastronauten Ulf Merbold. Wunderbares Gespräch, auch abseits der Physik und Raumfahrt. Da er sich aus privaten Gründen sowieso in Tübingen aufhielt, fand das Treffen bei mir zuhause statt. In kürzester Zeit und ohne Navi fand er den Weg durch das Großbaustellenlabyrinth, das für die nächsten zwei Jahre ein Durchkommen durch unsere Stadt dramatisch verkompliziert. Aber wer in 90 Minuten um die Erde geflogen ist, lässt sich vom Tübinger Verkehrschaos nicht schrecken… Schlüsselbegriffe / Kernpunkt konnte ich schon während des Interviews ausmachen. Jetzt steht die spannende Arbeit am Text an. Danke, Danke, Danke, U.M.!
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