Montag, Eisenach. Die für meine Biografie wichtigen Grundwerte werden von einer doppelmoralischen, man könnte auch sagen, heuchlerischen Politik und einer devoten Medienbegleitung propagandistisch pervertiert, wenn ich das mal so deep formulieren darf. Und ich leide tief mit ihnen: Im Namen der Toleranz herrscht totalitäre Intoleranz. Im Namen des Friedens wird der War to end all wars nationalistisch vorangetrieben. Im Namen der Solidarität werden kritische Stimmen als rechtslastig geframt. Im Namen der Umwelt wird die Umwelt zerstört. Im Namen der Gleichheit wird die totale digitale Kontrolle errichtet. Im Namen des „Guten“ werden Feindbilder gepflegt. Danke, ich mache nicht mit.
WeiterlesenKategorie: 2023
Gregor der Große
Sonntag, Eisenach. Gestern Abend toller Vortrag von Gregor Gysi. Was unterscheidet ihn von anderen Politiker*innen – bzw. was macht ihn so inspirierend? Er spricht schnell und strukturiert. Er hat alle Zahlen im Kopf. Er ist selbstbewusst. Er reißt denkend Grenzen ein. Er ist schlagfertig. Und außerdem hat der Kerl Charme wie kein zweiter.
WeiterlesenBaerbock kämpft Krieg
„Wir kämpfen einen Krieg gegen Russland und nicht gegeneinander“, kauderwelscht Baerbock am Dienstag vor dem Europarat. Dass sie damit nicht nur Kanzler Scholz widerspricht, der doch immer wieder betont, Deutschland sei auch nach den Leopard-Lieferungen keine Kriegspartei, sondern auch das russische Außenministerium aufgeschreckt hat, kann niemanden ernsthaft verwundern. Zwar twittert das Auswärtige Amt unverzüglich: „Deutschland ist kein Konfliktpartner.“ Aber hallo, wie passt denn diese Aussage zu Baerbocks Aussage? „Verstehen Sie selbst, wovon Sie da reden?“, fragt die Sprecherin des russischen Außenministeriums denn auch und fordert eine Erklärung. Verständlich. Klärung wäre das Mindeste, was Russland von der deutschen, des Sprechens nicht
WeiterlesenSchreibwerkstatt
Donnerstag. Wie soll ich anfangen?, fragen sie. Legt einfach los, antworte ich stereotyp. Und lächle ihr Erschrecken weg. Und wende mich ab, indem ich sie zu vergessen scheine. Und wenn ich wie zufällig wieder zurückkomme und ihnen über die Schulter schaue, sind sie über Impuls und Einstiegssatz längt raus, versinken in ihrem Blatt oder Tablet und beachten mich kaum. Meine Rolle in dem Spiel, so soll es sein. Ich weiß schon jetzt, dass sie sich mit ihren Texten selbst überraschen. Dass sie gerade etwas produzieren, das sie weiterbringt. Dass sie ab jetzt dem einzelnen Wort Achtsamkeit schenken.
WeiterlesenMehr, mehr, mehr
Mittwoch. Juhuu!, endlich liefern wir den Leopard. 14 Stück, und Polen, Finnland, die Niederlande und Spanien wollen auch liefern, während die USA sogar ankündigen, gleich 30 Panzer in die Ukraine zu schicken. Kaum ist die Nachricht durch, fordern Selenski und der superproletige Melnyk Langstreckenraketen und Kampfjets aus Deutschland. Wahnsinn! Mir wird, während ich das eben Gehörte niederschreibe, kalt vor Angst. Ob diese Entscheidung richtig ist, werde erst die Zukunft zeigen, kommentiert die Sprecherin. Ja, wenn wir uns das leisten können, dann hoffen wir eben auf die Zukunft und darauf, dass Putin einmal nicht konsequent ist. Was allerdings allen bisherigen Wahrnehmungen
WeiterlesenAchterbahn
Dienstag. Mein Autorenfreund Klemens Ludwig ist gestorben. Ich erfuhr es zufällig, durch eine Nachricht, die ich ihm schrieb und auf die mir sein Schwiegersohn mit der traurigen Mitteilung antwortete. Inhaltlich waren wir in ganz verschiedenen Welten unterwegs, aber mental auf einer Ebene. Wenn es mir schlecht ging, reichte ein Kaffeetrinken mit ihm, und die Welt war wieder in Ordnung. Nachhaltig in Ordnung, das hatte er drauf. Ich bin sehr traurig. Die Welt (und ich) hätten Klemens Ludwig noch gebraucht. Erneute Absage für meinen Roman. Check und weg, Misserfolge hake ich ab wie nichts. Wenn er irgendwann mal gedruckt werden sollte,
WeiterlesenTovs Hütte
Sonntag, Eisenach. Das Feuer im Ofen, die sich allmählich wärmenden Wände, die Flaschen und Gläser auf dem wackeligen Tisch und wir auf dem alten Sofa. Als wir gegen Mitternacht die Tür öffnen, stolpern wir in eine dicke, unberührte Schneedecke. Der Schnee rieselt uns auf die Köpfe, und die Wartburgallee sieht aus wie eine Rodelbahn. Bei jedem Schritt knarscht und knarzt es unter unseren Sohlen. PM heißt in Tovs Stasi-Akte Mao. Das finde ich sehr seltsam. Sie waren pubertäre Jungs und wurden von einem, der ihnen ständig auf den Fersen war, belauert, wie sie an ihren Mofas schraubten, sich besoffen oder
WeiterlesenSeltsame Begegnung
Dienstag. Können Sie mir rüber helfen?, ruft die junge Frau von der anderen Straßenseite mir zu. Eingemummelt in einen mönchskuttenartigen Parka mit übergroßer Kapuze, die ihr die Seitensicht nimmt, den Blick auf mich geklebt, scheint sie keine Sekunde warten zu wollen. Gehen Sie lieber über die Ampel, rufe ich und zeige wild gestikulierend auf die fünf Meter von uns entfernt stehende Anlage. Vielleicht hört sie mich nicht, sie tritt auf der Stelle wie ein ungeduldiges Kind. Schaffe ich nicht. Hab Kreislauf! Sie greift sich dramatisch an den Hals. Indem sie mich weiterhin unerbittlich fixiert, setzt sie bereits einen Fuß auf
WeiterlesenKorrektur
Alle, die Soldaten ermutigen Menschen zu töten, sind Feinde des Friedens.
WeiterlesenGut fürs Gemüt
Donnerstag. Und wieder ein Interview fertig. Gutes Gefühl.
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