Donnerstag. Ich habe jetzt einen Agenten. Bisher habe ich alles allein gemacht, doch die Zeiten ändern sich. Verlage reagieren nicht mehr auf unaufgefordert eingesandte Manuskripte. Der Agent ist der Filter, der ihnen die ganz üblen Sachen vom Leib hält. Einen Agenten für sich zu gewinnen, ist nicht gerade einfach. Viele winken von vorn herein ab, sie nehmen niemanden mehr. Andere wollen nicht, weil sie mit dem Manuskript nichts anfangen. Meiner will. Er mag meinen Roman. Seit der Vertragsunterzeichnung, mit der alles unter Dach und Fach ist sozusagen, höre ich allerdings nichts mehr von ihm. Das kann mehrere Gründe haben. Die
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Programmatisches. Eigentlich …
Mittwoch … merkt man es sofort. Wenn einer sich selbst belügt, kannst du das Interview direkt knicken. Lebenslügen lassen sich nur schwer umgehen. Zu pietistisch, zu demütig, zu frömmelnd, um sich im gleichen Atemzug von der Religion zu distanzieren, aber nicht von Gottvater in Gestalt des übermächtigen Vaters – da merkst du gleich, das kann nichts werden. Große Persönlichkeiten müssen sich oft gegen übermächtige Eltern behaupten, nicht selten ist ihre Größe erst aus diesem Widerspruch entstanden. Das Interview mit Jochen Busse aus Lass uns über den Tod reden ist ein wunderbares Beispiel dafür. Busse weiß, dass die erdrückende Lebenslüge seiner
WeiterlesenLass uns über den Tod reden
Lass uns über den Tod reden, 2019 im Ch.Links Verlag Berlin erschienen. Über Tod und Trauer reden – das habe ich gemacht mit: Joe Bausch, Katrin Sass, Jochen Busse, Christopher Buchholz, Dieter Thomas Kuhn, Hans Jellouschek, Roland Kachler, Boris Palmer, Monika Ehrhardt Lakomy, Ilse Rübsteck-Falkenstein, Enno Kalisch, Arsène Verny, Hans Christof Müller-Busch, Ulrike Bliefert und anderen. Sie alle haben einen geliebten Menschen verloren und erzählen davon, wie sie mit der Trauer umgehen und ins Leben zurückgefunden haben.
WeiterlesenWorte, Repräsentanten
Samstag, B.N. Die obersten Repräsentanten der beiden großen Kirchen zeigen sich erschüttert angesichts des jüngsten Amoklaufs in Trier. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, beklagt auf Facebook „Abgründe von Leid“. Er betet, dass die Angehörigen der Opfer Stärkung erfahren und die Verletzten wieder gesund werden. Der stets wie aus dem Ei gepellte Bedford-Strohm ist ein Meister des wohlplatzierten Wortschwalls. Für Menschen außerhalb der Kirchenhierarchie, also für den Normalo, der einfach Antwort auf eine konkrete Frage haben will, muss sich das unerträglich anhören. Kleine Kostprobe aus seinem Zukunftspapier Kirche auf gutem Grund: „Parochiale Strukturen werden sich wandeln weg vom
WeiterlesenLockdown
Freitag, B.N. Im Bahnhofsaufzug. Die Tür schließt sich, schnell springt noch eine Frau rein, und ehe die Tür ganz zugeht, noch eine. Zu viert – ein Mann ist schon drin, als ich einsteige – drängen wir uns zusammen.Ich zu Frau 2: Das hat jetzt mit Abstand aber nicht mehr viel zu tun.Frau 2: Ja, das sind die Widersprüche bei der Bahn. Zwischen draußen und drinnen. Drinnen ist es immer zu eng.Frau 3 (sieht auf den Boden): – – –Mann (sieht an die Decke): – – –Ähm. Ja. Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Und die Aerosole lassen schön
WeiterlesenFort Führen
Donnerstag. „Man ist Fort-Fortführer – oder es gibt einen gar nicht. Der Dichter führt vorangegangene Dichter fort. Der Dichter führt aber auch Leser fort, entfernt sie aus ihren Umständen, Belangen und Geschäften.“ (Botho Strauß)
WeiterlesenEin Mal
Mittwoch. Wenn der Bürgermeister von Trier mit anklagendem Blick in die Kamera sagt: Ich verstehe nicht, wie man einen Van gezielt in Menschen fahren kann!, dann verhält er sich genauso wie die Medien, die unisono seit dem schrecklichen Vorfall nach dem WARUM fragen: Warum tut einer so etwas? Zur Sache: Ein Mann hat gestern wahllos und brutal Passanten in der Fußgängerzone von Trier an- und überfahren, fünf dabei getötet, 18 weitere schwer verletzt und mehrere Hundert zufällige Augenzeugen für ihr Leben traumatisiert. Er fuhr einen SUV der Marke Land Rover, der ihm nicht gehört. Da er keinen Wohnsitz hat, lebte
WeiterlesenBeben
Dienstag. Wenn dich um Mitternacht ein Bombenknall aus dem Sessel reißt und der Boden unter deinen Füßen schwankt und der Schrank schwankt gleich mit und die Vasen auf dem Schrank kippeln und die Fensterscheiben geben nie gehörte Geräusche von sich und du weißt nicht, ob du spinnst oder ob das gerade wirklich passiert, dann erkennst du schlagartig mitten in deine Angst rein, dass du nur eine kleine Laus, ein winziges Stäubchen bist, das im nächsten Moment unter einem Berg Betonbrocken begraben liegen könnte, ohne dass ein Hahn danach kräht. Ich ziehe mich an, schnappe Schlüssel und Handy und renne auf
WeiterlesenKlarheit
Montag. Das Interview, das ich im Juni gemacht habe, ist für die Katz, basta! Deshalb brauche ich es auch nicht zu wiederholen, wie ich mir seither, um die Sache irgendwie zu retten, einzureden versuche. Auch im zweiten Anlauf kann es nicht besser werden. Fakt ist, dass die gegenseitige Inspiration ausblieb, da gibt es nichts zu deuteln. Heute Morgen die Idee für einen neuen Ansatz. Ich greife danach und wickle frische Gedanken drumherum, ehe sie einknickt, ehe sie wieder verblasst. Unter Corona verblasst soviel, Corona nimmt Kraft und Leben aus meinem Gehirn. Große Namen sind nicht per se von Vorteil, eigentlich
WeiterlesenJakob Augstein twittert nicht mehr
Mittwoch. „Ich twittere nicht mehr. Aber ich denke noch“, sagt der Publizist im Interview mit Marvin Schade:„Die Corona-Krise hat mir den Rest gegeben. Die Mischung aus Dummheit, Aggression und Mangel an Fantasie, die die Debatte geprägt hat, hat mich erschreckt. Wir erleben in dieser Krise wieder einmal eine große Gleichrichtung der Medien.“Und weiter: „Es ist nicht die Aufgabe der Medien, die Regierungsentscheidungen unters Volk zu bringen, sondern sie zu kritisieren und auf den Prüfstand zu stellen. Das ist in den ersten Monaten viel zu wenig geschehen. Selbst heute hat sich daran kaum etwas geändert.Bei Twitter war es so: Wenn Sie die
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