Deal

Mittwoch. Mit zweien, die nicht gelernt haben zu schreiben, die damit über die Jahre irgendwie durchgerutscht sind, einen Deal abgeschlossen. Per E-Mail schicken sie mir jeden Tag Texte, Inhalt egal, und ich schicke sie mit Fehleranalyse und dem entspr. gramm. Regelwerk versehen wieder zurück. Bisher funktioniert es. Der eine entwickelt, ausgehend von einem Impuls-Satz, eine Fantasy-Reisegeschichte, die mich an In achtzig Tagen um die Welt erinnert. Der andere schreibt kleine Reflexionen über sich und das Leben. Sie können eigentlich doch schreiben. Wenn mal einen Tag nichts kommt, hake ich nach und provoziere sie mit Fragen. Jeder kann doch irgendetwas, schreibt

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Langer Tag

Dienstag. Bis halb vier morgens korrigiert. Zweieinhalb Stunden gepennt (als ob!), Weckerklingeln und dann zehn Stunden Dienst im „Amt“. Einmal fast eingeschlafen. Abends bei Sudoku und Die Höhle der Löwen die Work-Life-Balance (ha!) wiederhergestellt. Es gibt Tage, da bist du froh, wenn sie vorbei sind.

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Blick aus dem Fenster am Morgen

Montag. Eine geputzte Fensterscheibe, eine fertige Arbeit, eine neue Glühbirne, eine nie getragene und neu entdeckte Bluse, frisch lackierte Nägel, ein warmes Bad … kleine Auferstehungen. „Es gibt keine Natur des Menschen, die den Menschen festlegt, sondern der Mensch ist das, wozu er sich …“ On y va!, Monsieur Sartre …

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Schlau

Das macht die türkische Regierung doch sehr schlau, das Beweismaterial über die Ermordung Khashoggis nur häppchenweise rauszulassen. Auf die Weise schlägt Grinseprinz MbS immer neue Haken, um sich reinzuwaschen, verstrickt sich immer tiefer in sein aberwitziges Lügengespinst, zeigt sein wahres Gesicht. Und zwingt die Außenminister dieser Welt zu einer Reaktion (oder doch nicht, wenn die USA oder Deutschland o.a. ein Waffenembaro gegen Saudi Arabien verhängen wollten, hätten sie es längst tun können …). Und jetzt die CIA: Kein anderer als der saudische Kronprinz sei es gewesen, der Khashoggis Ermordung angeordnet habe. Belegt wird die geheimdienstliche Einschätzung mit Mitschnitten der Telefonate

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Klare Ansage

Sonntag. 1938-2018 / Gegen jeden Antisemitismus / Kein Vergeben, kein Vergessen  Gerade in diesen Zeiten ein so wichtiges Statement. Dank an das Epplehaus hier in Tübingen, dass ihr immer klare Ansagen macht und Haltung beweist! (Foto: Andreas Bergholz auf FB)

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Lass uns über den Tod reden – Jan Schmitt (Dokumentarfilmer)

„Das Bild Die Toteninsel von Arnold Böcklin ist eine Metapher für unsere Familie.“ … sagt der Dokumentarfilmer Jan Schmitt in meinem im März 2019 erscheinenden Buch Lass uns über den Tod reden (Chr. Links Verlag). Mit dem Tod beschäftigt sich Schmitt, seit seine Mutter Suizid beging und auf ihrem Schreibtisch einen Auftrag an ihn, den Sohn, hinterließ, der sein Leben für immer veränderte.

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Ein Geräusch*

Freitag. Kommt da einer oder knackt nur die Tür? Tickt die Uhr plötzlich irre laut oder ist das ein irres Insekt, das seine Flügel wogegen schlägt? Schiebt einer heimlich den Schlüssel ins Schloss oder ist das in der Nachbarwohnung? Fliegt da etwas von der Kommode oder raschelt die Zugluft durch die am Boden liegende Zeitung? Glühen die Heizdrähte des Toasters oder dehnt sich der Heizkörper aus? Tropft der Wasserhahn oder klopft Regen an die Scheibe? Ich schließe die Augen und schaue nicht nach. Vielleicht kommt einer, vielleicht fliegt was runter, vielleicht heizt sich was auf oder kühlt sich was ab.

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Spuren im Abwasser

Die Causa Khashoggi wird immer widerlicher. Saudi-Arabien habe nach dem Mord an dem regierungskritischen Journalisten eine Kommando von Spezialisten eingeflogen, um Spuren zu beseitigen, berichtet die türkische Zeitung „Sabah“ unter Berufung auf „vertrauenswürdige Quellen. Zu diesem Team, das am 11. Oktober in Istanbul eingetroffen sei, haben auch ein Chemiker und ein Toxikologe gehört. Trotz Chemiker und Toxikologe – Khashoggi ist nicht ganz spurlos verschwunden. In der Abwasserleitung des saudiarabischen Konsulats in Istanbul wurden Rückstände von Säure gefunden …

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Heile, heile Segen, kein Tag Regen

Sonntag. Das gab es noch nie: Tankstellen haben kein Benzin mehr. Die Schifffahrt auf dem Rhein ist wegen des niedrigen Wasserstands mehr oder weniger eingestellt. In Florida fackeln Wälder und Häuser ab bei einem der schlimmsten Flächenbrände in der Geschichte des Westküstenstaates. Heute Morgen dann zum ersten Mal seit Monaten REGEN, richtiger Regen mit stehenden Pfützen und Lachen auf dem Boden, du bist total erleichtert (woran du merkst, wie dich die Sache beschäftigt) und denkst, jetzt geht es weiter! Doch der Himmel klärt sich schon wieder auf – zartblau, engelsrosa – und die Freude darüber bleibt dir im Hals stecken.

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Lebe intensiv

Samstag. Genau jetzt … gibt es nichts Schöneres als das getupfte Engelsrosa auf dem Zartblau des Morgenhimmels, nichts Beruhigenderes als mit der dampfenden Kaffeetasse auf dem kalten Balkon zu stehen, unter diesem ewigkeitlichen Farbenhimmel und über der noch ziemlich leeren B27. Weiter vorne drehen sich tags und nachts zwei himmelhohe Kräne um sich selbst. Auf dem Dach von einem der drei Neubauten steht einer im Funkenregen seiner Flex, auf dem anderen legen sie Bretter aus, das Kreischen und Krachen vom Nebel abgedämpft, die Schornsteine qualmen. Und ich muss gleich wieder ran. Seit Wochen jede freie Minute ausgefüllt mit Korrekturarbeit, ich wundere

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