Zechentod

Freitag. Zeche Prosper Haniel in Bottrop schließt heute. Damit geht die Ära der Steinkohleförderung im Ruhrpott zu Ende. Auf der Kohle hat die Stahl- und Eisenindustrie aufgebaut, sie hat Generationen von Bergleuten stolz gemacht und das Ruhrgebiet groß. Rund 230 Jahre Industrie sind Geschichte. Vor dem Bundesliga-Spiel FC Schalke 04 gegen Bayer 04 Leverkusen wurden die Kumpel gebührend verabschiedet (ja, auch den Fußball hat die Kohle groß gemacht). Der Bergmannschor der Ruhrkohle-AG und über 60.000 Fans sangen gemeinsam Glück auf, Glück auf, der Stei-ger kommt. Da flossen die Tränen … Das Steigerlied kann ich im Schlaf. Viele Erinnerungen … mein Vater redete beim Mittagessen von Prosper

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H.H.

Donnerstag. Die Beschäftigung mit Hesse stellt sich immer wieder als eine lohnende Sache dar. Zwar ist gerade der Steppenwolf in seiner ganzen Eitelkeit und – in der Literaturgeschichte wahrscheinlich einmaligen – Ichbezogenheit auch nervig, doch als ein relativ frühes Zeugnis der Auseinandersetzung mit der Wirkung von Psychoanalyse ist er unbedingt erhellend. Obwohl der Protagonist Harry Haller so ein Selbstzweifler ist, statuiert der Roman ein Exempel für Zweifelsfreiheit. Für Unbedingtheit. Für Rigorismus. Ein sehr konstruiertes Stück Literatur, für Jugendliche viel zu schwer, nur in Ansätzen durchschaubar, was z.B. die literarische Verarbeitung von Fetisch-Theorie und Nietzsche-Theorie angeht, aber es lässt sich auch mit

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Die Litanei vom Behördenversagen

Mittwoch. Die Gefährderliste, die der französische Geheimdienst führt, registriert plus-minus 20.000 Dschihadisten. Das sind 20.000 Jungmänner, die irgendwo irgendwann ihren großen Auftritt haben könnten. Waffen, Chemikalien, Geld scheinen ihnen ohne Ende zur Verfügung zu stehen. Auch dieser – mittlerweile von der Polizei erschossene – Chérif Chekatt, der kürzlich auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt um sich geballert hat, war IS-„Soldat“ und als solcher dem Aufruf zum Mord gefolgt, so IS-Propagandasprachrohr Amaq. Chekatt war polizeibekannt, hatte schon eingesessen, im Knast war er den Mithäftlingen durch Missionierungsversuche zu seinem Glauben aufgefallen, auffallend auch der dunkle Fleck auf seiner Stirn, der vom vielen Beten und

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3. Advent

Sonntag, B.N. Nach viel Arbeit fürs „Amt“ abends im Bell’s. Viel Weihnachtsmarkt, viele Menschen, viel Krach, viele besoffene Weihnachtsmänner. Die purzeln nach Mitternacht durchs Stadttor auf  die Straße. Restkräfte, sagt PM. Es seien heute an die 200 Busse in B.N. gelandet, verkündet Doris. Die Leute kommen, kaufen und saufen. 

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Advent

Montag. Am 2. Adventssamstag Brunch mit Steve, Gisela, irgendeiner Verwandten von ihr und natürlich PM. Gemütlich, informativ, kuschelig, anregend. Dabei bin ich noch zu keiner Advent-Deko gekommen, nichts weist auf die Jahreszeit hin außer einem Weihnachtsstern von PM. Den hat er zwei Wochen davor mitgebracht, ein Prachtexemplar vom Blumenhändler statt von Lidl/Aldi/Edeka. Leider ist er jetzt nur noch ein Gerippe mit roten Restblüten. Der Schöne hat schlagartig sämtliche Blätter abgeworfen, nachdem ich die Balkontür eine Weile offen stehen hatte, was ein Weihnachtsstern nicht mag. Schade. Die alljährlichen drei mal 24 Adventspäckchen gehen dieses Jahr zeitlich versetzt raus, da L. und

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„Geheimnisse, glänzend und neu …“

Samstag. Schlaflos in Tübingen, finde ich ein unglaubliches Video im weltweiten Netz: Searching  for sugar man.  Ein tot geglaubter Sänger, dessen Titel im Amerika der Siebzigerjahre gefloppt haben, aber, ohne dass er selbst davon weiß, in Südafrika zu höchstem Ruhm gelangt sind, weshalb jedes Kind dort bis heute seine Lieder mitsingen kann, lebt in Detroit als Entrümpler. Es handelt sich um Sixto Rodriguez, never heard. Ein hartnäckiger südafrikanischer Journalist, selbst leidenschaftlicher Rodriguez-Fan, nimmt in den Neunzigern seine Spur auf. In Südafrika kursieren mehrere Mythen um seinen Tod, er habe sich auf offener Bühne erschossen, angezündet und dergleichen, und dann, ich

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Die freie Welt – das sind freie Finanzmärkte

Die freie Welt – das sind freie Märkte und vor allem freie Finanzmärkte. Anders ist das Aus für die Finanztransaktionssteuer nicht zu verstehen. Nicht, dass ich mich für diese Thematik besonders interessiere oder mich besonders darin auskenne. Die Nachricht heute löst trotzdem eine mittlere Depression in mir aus. Denn soviel ist klar, dass sich an dieser Entscheidung die ungebrochene Macht der Finanzlobbys zeigt: „Letztlich haben sich nicht die Interessen der Mehrheit der Menschen durchgesetzt, sondern jene Regierungen, denen die Profite des Finanzsektors wichtiger sind als seine Stabilisierung und Beteiligung an den Krisenkosten“, sagt Detlev von Larcher von Attac Deutschland, und weiter:

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Eliminieren!

Mittwoch. Die USA arbeiten an einer  neuen Weltordnung mit Trump als dem künftigen Weltherrscher. Um die Restwelt davon in Kenntnis zu setzen, entsandte Big Brother seinen Außenminister Mike Pompeo nach Brüssel, wo der schon mal mit einer Grundsatzrede den Auftakt gab. Das Programm, das Pompeos staunende EU-Kollegen zur Kenntnis nehmen durften, ist denkbar einfach: Amerika first. Für alles Böse sind China, Russland sowieso und Iran schuldig zu benennen. Internationale Institutionen werden eliminiert, sollten sie nicht rückhaltlos die Werte der Guten vertreten. Die Guten, das ist die sogenannte „freie Welt“, die USA. „In den besten Traditionen unserer großartigen Demokratie bringen wir die

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Zentrum für politische Schönheit

Zur neuesten Aktion des ZPS, das ich bisher immer echt erfrischend fand, kann ich nur sagen, und da ist es egal, gegen wen die Aktion sich richtet: Das schlimmste Schwein im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. Übrigens, liebe ZPSler – in China machen sie es genauso: Bloßstellen am öffentlichen Pranger … voll cool! (Kollateralschäden eingeschlossen.)

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