Zum aus der Haut fahren

Freitag. Zwei Tage nach der unheimlichen Begegnung der dritten Art entschließt sich mein Körper zu reagieren. Wird krebsrot, als hätte ich acht Stunden in der prallen Sonne gelegen. Ich habe einen Sonnenbrand, mit allen Symptomen, die dazu gehören, Jucken, Pieksen, Brennen, wie man es kennt. Interessanterweise bleiben Gesicht, Hände und Füße ausgespart, Sonnenbrand also vom Hals bis zu den Fersen. Ich creme, werfe ein Anitallergicum ein, doch was hilft schon gegen Sonnenbrand. Dieser hält sich sogar verdammt lange, länger als üblich. Über die Weihnachtsfeiertage blüht er so richtig auf und bleibt mir ungefähr zwei Wochen. (An Silvester muss ich BAUMWOLLE

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Lass uns über den Tod reden – Ulrike Bliefert

„Ich finde es gut, dass man in der Schweiz unter medizinischer Betreuung freiwillig aus dem Leben gehen kann. In Holland kann man das auch. Bei einer Demenz würde ich das zum Beispiel in Anspruch nehmen wollen. Ich habe da überhaupt keine moralischen Bedenken. Neulich habe ich das mit meinem Mann besprochen. Anlass war, dass ich diese Erkrankung jetzt sowohl bei meiner Schwiegermutter als auch bei meiner Stiefmutter erlebe. Das ist ein Zustand, den ich an mir selbst einfach nicht erfahren will. Doch mein Mann sagte: ‚Nein! Wenn du dement werden solltest, dann wirst du sicher eine ganz liebe Demente.‘ “

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Lass uns über den Tod reden – Enno Kalisch

Donnerstag, B.N. „Sobald die Spritze zu wirken begann, rief ich meine Schwester an, und dann fiel der Druck von mir ab. Ich merkte, jetzt kehrt er heim. Ich kannte das schon von meiner Mutter und hatte das Gefühl, mich auf vertrautem Terrain zu bewegen. Meine Aufgabe war vollbracht. Eine Aufgabe, an der ich teilweise fast zerbrochen wäre. Unbewusst wollte ich wohl meinen Vater am Leben halten, indem ich den perfekten Pfleger abgab. Lauter perfekte Abschiede! Als könnte ich dadurch die Toten festhalten. Manchmal stand ich kurz vor dem Kollaps. Es war der Hausarzt, der mir in dieser Situation klarmachte, dass

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Jahreswechsel

Mittwoch, B.N. Silvester bei Freunden in Erfurt – das ist wie nach Hause kommen: Essen, bis in den Morgen rein quatschen, lachen, schweigen, Raketen am Himmel anschauen und sich so seine Gedanken machen, schöne Dinge gesagt bekommen und sie erwidern, Einklang, glücklich sein. Um die Herausgehobenheit des Abends wissen – obwohl: der Abend davor in Weimar bei F. und K., diesem wunderbaren Pfarrerehepaar und F. ein Alte-Zeiten-Buddy von PM, war genauso schön … es muss an PM liegen …

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Tü aus der Ferne

Freitag B.N. Mitternacht durch, bis eben korrigiert. Fernseher an: Boris Palmer mit Wollschal um den Hals. Steht auf dem Tübinger Marktplatz und redet über das Böllerverbot in der Altstadt wg. eines schlimmen Brandunfalls vor zehn Jahren. Ich mag BP, er setzt sich gerne in die Nesseln, er weiß, wann er recht hat, und steckt nicht zurück. Er hat ziemlich oft recht und manchmal auch nicht, dann gibt er es zu (Blätterwand Mühlstraße). Er hat keine Angst vor dem Urteil anderer, das unterscheidet ihn von vielen. Ich bin froh, dass ich ihn für ein Gespräch gewinnen und er Teil meines Buches

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Lass uns über den Tod reden – Monika Ehrhardt-Lacomy

„… Und auch die Kleinsten der Kita wissen, wer Lacky ist. Die kennen sein Bild und seine Lieder, die reden sogar mit ihm, als wäre er noch hier. Für mich ist das ganz normal. Ich glaube, es gibt viele Areale im menschlichen Gehirn, die leer stehen, weil wir Angst haben, sie zu nutzen. Die Leute, die mir immerzu einreden, ich soll den Lacky endlich loslassen, die haben vielleicht auch nur Angst.“ Das sagt die dt. Schriftstellerin und Drehbuchautorin Monika Ehrhardt-Lakomy in meinem im März 2019 erscheinenden Buch Lass uns über den Tod reden (Chr. Links Verlag). Seit dem Tod ihres Mannes Reinhard Lacomy

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Hass. Mein Weihnachtstext.

Montag. Unfertige Persönlichkeiten hassen. Vor paar Tagen eine unheimliche Begegnung der dritten Art. Sie kulminierte für mich in der sehr leisen, wie zu sich selbst gesprochenen, höchst unkontrollierten, höchst unsachlichen, aber längst in den tiefsten Untiefen rumorenden (und eben nicht gereiften, im Sinne von erwachsenen) Äußerung, gegen mich gerichtet: „Nein, Sie stehen auf andere Sachen.“ Andere Sachen …. hmmm! Abgesehen von den Bildern, die hinter dieser Äußerung stehen mögen (und die ich nicht kennen will), ist es dieses Andere, dass rot und aggressiv leuchtet. Wie kann eine anders sein? Als der große alte Mann, der Kohlhaas, der schon so viel

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Work but no Christmas

Sonntag. Was ist das für ein schöner bürgerlicher Beruf, den ich habe? Ich lerne immerzu dazu, darf das Wissen an andere weitergeben, habe jeden Tag mit tollen, inspirierenden Menschen zu tun. Auch die fremdbestimmten Anteile horizonterweiternd, naja, meistens. Was mir heute am frühen Morgen auffällt: komischerweise gab es unter den Jugendlichen, mit denen ich arbeite, noch nie einen, den ich nicht leiden konnte. Es gibt aber durchaus Leute, die ich nicht leiden kann. Was einmal mehr beweist, dass es deine eigene Einstellung ist, die die Emotionen bestimmt. Weihnachten fällt dieses Jahr, wie auch schon der Sommerurlaub, aus. Aus denselben Gründen.

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