Italienische Reise – Pasta und Paläste

Samstag, Follonica. Drei Tage Gardasee/Desenzano (7.-10. August) braucht es, um sich überhaupt erst in den Urlaubsmodus einzufinden. Per Schiff fahren wir verschiedene Städte an. Mit Abstand die schönste finde ich Lazise. Die Häuser sind bis in den See reingebaut, direkt am Hafen steht das alte venezianische Zollhaus und daneben eine kleine romanische Kirche mit Fresken aus dem 12. Jh. Den Boden des unverhältnismäßig großen Marktplatzes ziert ein dekoratives Schachbrettmuster. Schöne Läden. Flippiges, khakifarbenes T-Shirt gekauft. Abends in Desenzano innovativ biologischdynamischneoitalienisch gegessen und reichlich ProSecco getrunken. Vorwärts, und nicht vergessen, sagt PM irgendwann. Haben wir auch gesungen, sage ich. Zum 1. Mai auf

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OrtsWechsel

Freitag. Jetzt also wieder Tübingen. Und dabei sitzt mir die Hauptstadt noch ganz schön im Nacken. Lässt sich nicht einfach so abschütteln. An allen Ecken und Enden produziert sie Gefühlsaufwallungen und weckt Phantasien mit ihrem historischen Overkill, mit ihren architektonischen Sensationen, mit ihren Menschenmassen und ihrem babylonischen Sprachengewirr, mit ihrer gierigen Präsenz, die dich verschluckt und schmatzend verdaut, was du geschehen lässt, weil du high bist von der Inanspruchnahme, weil sie dich keine Sekunde aus den Augen lässt, weil sie deine Ruhe stört. (Das letzte Mal, als ich in Berlin war, hab ich eine Horde von Pubertierenden eine Woche lang

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Wörter

… Statuskonform zum Beispiel. Finde ich ein enorm brauchbares Wort. Hab es kürzlich im Zusammenhang eines Berichts über Doping und die gruseligen körperlichen und psychischen Auswirkungen auf die Konsumenten – bis hin zur genetischen Manipulation und damit Missbildungen der nachgeborenen Kinder – mitgenommen. Manchmal fühle ich mich von einem Wort wie angefixt. Oder vom Anblick zweier Farben, die aufs Wunderbarste harmonieren. Khaki und Pink. Grün und Senf. Oder von der Stille des Augenblicks. Das ist Adrenalin pur. Das sind die Momente, in denen Entscheidungen fallen. Auch, wenn du es gerade nicht merkst.

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Vibrations

Mittwoch, Berlin. Interview im Kasten. Sehr charmanter Gesprächspartner. Good Vibrations. Er hatte auf das eigentliche Thema nicht so wirklich Lust, was eine gewisse Herausforderung darstellte (Verwendbarkeit?). Viele Hintergrundgeräusche, Geklapper, Geklirr, Interview fand bei Dressler, seiner Lieblingslocation, statt. Anschließend aßen wir gemeinsam zu Abend und er erzählte noch ein bisschen außer der Reihe, bis seine Vorstellung begann. Als wir zusammen auf die Straße traten, stand da schon die Schlange vor der Theaterkasse, und alle glotzten. An dieses Gefühl ist er gewöhnt, ich nicht. Er ist ein unangepasster Typ. Lebt anders, redet anders. Interessiert sich für anderes. Soweit ich das beurteilen kann.

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Haus an der Havel

Sehr ergiebiges Arbeitstreffen zu viert in der sehr sehenswerten Wohnung der Schriftstellerin Herma K. und ihrem Mann in Charlottenburg. Pralinen von Café Fester – am Spandauer Marktplatz – mitgebracht. Sie wurden überschwänglich gelobt und sofort aufgegessen. Für fünf Tage wohne ich jetzt in Berlin-Spandau bei H. und K. Ihr Haus steht direkt an der Havel in einer Sackgasse, die parallel zur Straße verläuft. Dahinter liegt, aus Bad- und Küchenfenster einsehbar, ein wilder Garten mit haushohen Birnbäumen. Noch weiter hinten eine alte, von Pflanzen größtenteils verdeckte  Mauer. Das Haus ist irre groß. Es geht über drei Etagen und hat komplizierte Anbauten mit beängstigend niedrigen Dienstmädchenkammern. Es hat auch

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Von Anfängen

Montag, Berlin. Gestern: Familientreffen der Kaskelines bei Sonnenwetter in cooler Location: Im Bootshaus Stella am Lietzensee. Kein überkandideltes Hallihallo. Statt dessen lauter zugewandte, moderne und freundlich eigenwillige Persönlichkeiten. Künstlerinnen, eine Buddhistin, ein paar Ärzte, sogar ein Beamter, über Berufe wurde kaum gesprochen, viel über familiäre Zuneigungen, über Animositäten nur indirekt, über Verletzungen und Gefährdungen/Zerbrechlichkeiten gar nicht, aber spürbar als Kehrseite der künstlerischen und autobiographischen Auseinandersetzung. Angenehm: Es sind Leute, die sich über nichts wundern, du kannst alles erzählen, und sie ersparen dir die Wertung. Sie wissen Bescheid, sie haben selbst genug erlebt. Im Mittelpunkt stand immer wieder das Kaskeline-Trickfilm-Studio, der jüdische Background,

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Reisen und arbeiten

Samstag Morgen. Die Pariser Höfe, die sie neben dem Stuttgarter Hbf hochgezogen haben, dieser kumulierte Waschbeton, hat eigentlich mit Paris so ziemlich gar nichts zu tun. Stuttgart und Paris haben überhaupt gar nichts miteinander zu tun. Soll wohl Weltflair einhauchen, ist aber nur ein Name für eine weitere gesichtslose Ansiedlung. Der ICE ist voll, pünktlich und die Fahrt bisher katastrophenfrei. Bin sehr müde, bis 4 Uhr früh das Interview mit J.B. bearbeitet. Fertig geworden, endlich! Es umfasst fast 20 Seiten, klar zu lang, aber alles so interessant und liebenswert, dass ich nicht weiter kürzen möchte. Jetzt Kopf frei für das nächste.

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Faschos auf türkisch

Freitag. Was da in der Türkei los ist … Aufruf zu blindwütigem Hass. Der Mob darf prügeln und messern, es ist eine Hatz auf die Intellektuellen. Am Sonntag demonstrieren sie in Köln pro Erdogan! Bis zu 30.000 Teilnehmer werden erwartet, die türkischen Neofaschos werden ihre Fahnen schwenken und viel Bullshit proklamieren und eine Schneise von verbaler und körperlicher Gewalt nach sich ziehen. Bizarr: Sie demonstrieren für einen Präsidenten, der in seinem eigenen Land Demonstrationen untersagt.

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Gigi Hadid und Kendall Jenner tauschen was

Wie sich die mentale Beschaffenheit unserer Gesellschaft auf kleinstem Raum und sogar ohne Worte umschreiben lässt, das hat Balmain-Kreativchef Olivier Rousteing (sicher unabsichtlich) gezeigt, indem er (sicher kalkuliert) gezeigt hat, wie man zum Talk des Tages wird: Er ließ die It-Models Gigi Hadid und Kendall Jenner die Haarfarbe tauschen. WOW! Hadid ist jetzt brünett und Jenner blond. Wow wow wow, der Wahnsinn! Mit solchen News erobern Kreative Instagram.

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Der junge Mann

Donnerstag. Gestern beim Friseur saß neben mir eine Frau, so um die Dreißig, im Rollstuhl. Sie hatte kinnlange Haare, die ihr eben geschnitten wurden, kürzer, aber nicht ganz kurz, noch war nicht zu erkennen, wie der Schnitt werden würde. Irgendwas in ihren Augen hielt mich fest, und ich sah nochmal und nochmal rüber und dann merkte ich, dass es sich gar nicht um eine junge Frau handelte, sondern um einen sehr jungen Mann. Ich war sofort elektrisiert – die Thematik Gender-Identität, Transsexualität, Androgynie, Cross-Dressing interessiert mich seit jeher – und überlegte mir die Geschichte dahinter, was man eben so denkt,

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