Interesse

Mittwoch. Viele Anfragen wg. Lesungen u. Veranstaltungen im Oktober/November, wenn die stillen Feiertage kommen. Anfang August Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger direkt in Köln. Kommenden Dienstag erscheint ein komplettes Kapitel aus meinem Buch Lass uns über den Tod reden – das über den Trauertherapeuten Roland Kachler – auf psylife.de. Das ist das online-Magazin des Deutschen Psychologen Verlags (DPV), eine 100%-Tochtergesellschaft des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP). Insofern eine schöne Adresse.Das Interesse tut gut. Noch besser fühlt es sich an, wenn Kollegin B. mir heute erzählt, sie habe Lass uns über den Tod reden schon zum dritten Mal verschenkt.

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AugenBlicke

Dienstag. Manche Krankheiten sind so hässlich wie das Wort selbst. Zum Beispiel Glaskörperabhebung. Das ist etwas sehr Doofes. Ich sehe Blasen, einen dicken Tropfen und jede Menge Flusen, als stünde ich vor einer verdreckten Glasscheibe, die mir mächtig die Sicht versaut.Ganz besonders nervt, wenn ich face to face mit jemandem rede, und dauernd flitzt dieser Tropfen über das Gesicht des anderen. Weil der mitgeht mit jeder kleinsten, beschissenen Augenbewegung. Seitdem weiß ich, wie oft man seine Augen bewegt. Das strengt dermaßen an, den Tropfen nicht zu sehen, weil ich ihn nicht sehen will, aber er ist immer da, dass ich

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Seethaler

Samstag. Da sitzt Robert Seethaler vorm Wilhelmsstift. Eigentlich sitzt er vor einem Klamottenladen auf dem schmalen Bürgersteig an einem schmalen Tisch und signiert. U.a. mein direkt vorher erworbenes Exemplar von Das Feld.Ich komme mir vor wie ein aufgeregtes Groupie. Ganz klar ist er mein persönlicher Favorit auf dem Tübinger Bücherfest. Ganz klar sieht er noch besser aus als im Fernsehen. Er freut sich, als ich ihm erzähle, dass ich den Trafikant demnächst mit meiner Truppe im „Amt“ lese. Gefragt, ob ich ihn fotografieren darf, wirft er sich liebenswürdig in Pose. Ich stelle das einfach mal hier ein, k. A., was

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Zu zweit

Donnerstag. Zu zweit ist besser als zu dritt. Als allein sowieso. Zu zweit auf einem Dach sitzen, zwischen zwei Schornsteinen, und der Sonne beim Abtauchen zusehen. Zu zweit auf einem Dach spazieren gehen. Tanzen. Kunststücke machen. Fast runterfallen. Sich auffangen. Am anderen festhalten. Zu zweit ist ein ständiges Hinhören. Kann auch nerven. Hin ist von sich weg. Allein ist Herhören, Insichreinhören. Oder: gegen die Stille anhören. Zu dritt ist fremdhören. Das ist schizo, das geht gar nicht. Da lasse ich mir nichts mehr erzählen. Zu zweit erzählen: Was hast du heute gemacht? Und du, was hast du gemacht?Ich habe an

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Abgeschlossen

M: Na super! T: Geht da noch was? M: Was soll da gehen? Zu ist zu. T: Man könnte … M: Was? T: Versuchen … M: Mit Gewalt? T: Gewalt wär eine Lösung. M: Hey, du bist doch sonst so peaceful! T: Ist ja nur gegen Sachen. Nur eine Tür. M: Die ist dann kaputt. T: Ja. M: — T: Aber wir hätten Klarheit. M: Stimmt. T: Also? M: Mach du. T: Wieso ich? M: Du wolltest reingucken. T: Alter, als wolltest du nicht! M: Geht so. Ist wahrscheinlich bloß Gerümpel drin. T: Oder eine Leiche. M: Pfff. Solln wir

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Anverwandlung

Sonntag, im Zug. Nochmal also zu Leila Slimanis Roman Alles das zu verlieren: Zu vermuten ist doch, dass die Autorin sich explizit in die Tradition Flauberts stellt – zu auffällig sind die inhaltlichen Parallelen – und damit kann ich mich von dem Buch leider nur verabschieden. Gegen Madame Bovary wirkt Alles das zu verlieren wie der – ziemlich kunstlose – Holzschnitt nach der Vorlage eines eminent kunstvollen Ölgemäldes der Meisterklasse.Ist auf der inhaltlichen Ebene die Protagonistin psychologisch kaum nachvollziehbar, so eiern auf der erzähltechnischen Ebene nicht nur die Vergangenheits-Tempi wild durcheinander, dass du beim Lesen besoffen zu werden glaubst, sondern

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Sarah-Lee Heinrich

Samstag, B.N. Eine wie Überraschungsgast Sarah-Lee Heinrich lässt Altbundespräsident Joachim Gauck im Nachtcafé ganz schön alt aussehen. Zu „Würde, Wut und Toleranz“ hat die 18-jährige Abiturientin aus Unna viel zu sagen – als Tochter einer Hartz IV-Empfängerin mit Migrationshintergrund kann sie sich auf ihre eigenen Erfahrungen berufen. Heinrich ist Sprecherin der Grünen Jugend in Unna, Feministin und Antifaschistin, außerdem engagiert sie sich in der Black lives matter-Bewegung. Klingt vielversprechend. Heinrich ist Stipendiatin des Schülerstipendienprogramms „RuhrTalente“.

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Ab-Gründe

Donnerstag, B .N. Seit ich in Köln war, sind Ladekabel und Netzteil verschwunden. Zwar kann ich mich genau daran erinnern, das Handy in die Handtasche gesteckt zu haben, wo es auch schon die ganze Nacht über gesteckt hat – am Stromnetz angeschlossen, wie ich das immer mache, um es beim Verlassen des Hauses nicht zu vergessen. Nicht erinnern kann ich mich jedoch, dass ich es ausgesteckt habe. Genauso wenig, wie ich mich an die Bewegung oder die gedankenlose Aktion oder den Umstand zu erinnern vermag, die dazu geführt haben, dass das Kabel samt Adapter herausgefallen, irgendwo liegengeblieben, verloren gegangen ist.

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Nato-Grüne

Sonntag, Tübingen. Dass die ursprüngliche Friedenspartei der Grünen eine atlantische NATO-Partei geworden ist, stellt Cem Özdemir mit einem geradezu ikonischen Foto dar: Da posiert er, zusammen mit dem sicherheitspolitischen Sprecher der Grünen, Tobias Lindner, in Oberleutnant-Unform, um sich für die Sache der Aufrüstung stark zu machen. Das Foto gefällt Özedmir dermaßen gut, dass er es am 14. Juni auf Twitter veröffentlicht.2001 war er wegen eines Bonusmeilen-Skandälchens und wegen eines Steuerhinterziehungs-Skandals als innenpolitischer Sprecher im Bundestag zurückgetreten und für drei Jahre von der bundesdeutschen Bildfläche verschwunden. Wohin? Als Transatlantik-Fellow des German Marshall Fund in die USA. Dort müssen sie ihn irgendwie umgedreht und

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Il Centro

Freitag, Italien. Klar, dass die vom Hotel nichts wissen. Zum Glück finden wir es dann doch noch: Il centro – die Straße immer weiter hinauf und von unten nicht zu erkennen, liegt das kleine Städtchen Portese in der Hügellandschaft der Valtenesi. Mit einem Laden, nach dem wir an der Rezeption gefragt hatten („Nein, gibt es hier nicht!“) und in dem wir uns erstmal mit Getränken aller Art eindecken. Mit der verblüffend großen, wunderschönen Chiesa Parrocchiale di Portese aus dem 16. Jh. Mit einem verfallenen Kastell, in dem am Abend ein Dorffest stattzufinden scheint. Mit verwinkelten Gassen, uralten Treppen, Holztoren und

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