Karfreitag, B.N. Aus dem Interview mit Arsène Verny: „Durch die Trauererfahrung verschieben sich die Relationen nachhaltig. Vieles, was mich früher brennend interessiert hätte, kommt mir heute so profan vor. Gäbe es eine Wichtigkeitsskala von 1 bis 10, dann würde ich sagen, bis 6 ist alles weg. Das meiste erscheint mir lächerlich unwichtig. Man erkennt plötzlich den Verlust dieses Grundgefühls ‚Das kann mir nicht passieren‘. So lange ich denken kann, habe ich angenommen, wem auch immer der Dachziegel auf den Kopf fällt, mich trifft er nicht. Und genau dieses Denken erweist sich plötzlich als Irrtum! Es gibt für nichts eine Sicherheit.
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
March for our Lives
Eine Millionen Teilnehmer der Anti-Waffen-Demo werden dieses Wochenende in Washington erwartet. Der March for our Lives gilt schon jetzt als das größte Polit-Event in der jüngeren amerikanischen Geschichte. Angeführt wird die Großkundgebung von einer Gruppe überlebender Schüler*innen des Parkland-Amoklaufes am 14. Februar 2018. In nur einem Monat ist aus ihren öffentlichen Protesten eine landesweite Bewegung geworden. So fanden Massenkundgebungen auch in Chicago, Boston, Philadelphia, Miami, Minneapolis, Houston, Los Angeles sowie in New York statt. Vor dem Trump-Tower hielten Aktivisten selbstgemalte Schilder hoch: „Wenn unsere Führer sich wie Kinder verhalten, müssen Kinder führen.“ Wie wahr! Endlich wachen sie auf, die Jugendlichen, und lassen
WeiterlesenLangsam machen
Samstag. Sonne! Hat mich gestern noch ein Hagelschauer direkt auf dem Heimweg erwischt und mit Graupeleis überzogen, ist heute der Frühling da. Mit Susanne und Anne treffe ich mich am Affenberg, was trinken, quatschen, News austauschen. Zum ersten Mal in diesem Jahr sitzen wir im Freien. Samstagsfeeling in Tübingen: Viele Leute treffen (auch ein paar, wo ich nicht so scharf drauf bin), entspannt die Lage checken. Entschleunigung, endlich! Mit Anne verabrede ich einen Atelierbesuch bei einer ihrer Künstlerkolleginnen, die wunderschöne, großformatige Bilder malt. Morgen fahre ich nach B.N., und alles, was vorher noch zu erledigen ist, mache ich jetzt zur
WeiterlesenOrwell’sche Hassminuten
Und immer und immer wieder neue Schreckensmeldungen über Putin. Ich behaupte ja nun wahrlich nicht, dass er ein Liberaler, ein Politiker im aufklärerischen Sinne, ein „lupenreiner Demokrat“ sei. Aber deshalb möchte ich trotzdem keine Kriegs-Rhetorik hören, ich möchte keine verbale und keine tatsächliche Aufrüstung, ich möchte kein Spiel mit dem Feuer. Ich möchte auch keine Doppelbödigkeit. In Orwells Dystopie „1984“, die ich gerade nach langer Zeit wieder lese, heißt das „Doppelsprech“. Ich wundere mich, dass wir uns aktuell über den vergifteten russischen Doppelagenten Sergej Skripal erregen, der in der südenglischen Kleinstadt Salisbury bewusstlos aufgefunden wurde, aber kein Mensch spricht mehr
WeiterlesenSchnee von heute
Sonntag. Als PM und ich gestern Abend von Marcels Geburtstagsparty zurückfahren, ist alles weiß. Es schneit, der Winter ist zurück, bald ist Weihnachten …
WeiterlesenPutin ist schuld
Samstag. Ja, ich habe Angst. Ich gebe es frei und unumwunden zu. Ich habe Angst vor der seit Monaten drehenden Eskalationsspirale an rhetorischer Gewalt gegenüber Russland und Putin. Ich habe Angst vor den öffentlich-rechtlichen Nachrichten. Es ist schon soweit, dass ich wegzappe, bloß um den Nachrichten zu entkommen. Da vernehme ich nämlich nur noch eins: Die Russen sind schuld, allen voran Putin. Fast egal ist es, um welchen Konflikt es sich gerade handelt. Immer höre und lese ich: Die Russen waren es. Kriege werden nur von Putin und den Russen angezettelt, Fake News und Cyberkriminalität machen ausschließlich die Russen, Wahlen
WeiterlesenAzur
Freitag. Highlight bei der Ernennung und Vereidigung der neuen Bundesregierung sind die neuen Ministerinnen Franziska Fiffey (Familie) und Julia Klöckner (Agrar). Nicht nur, dass sie bemerkenswert gut aussehen – sie schlagen auch noch im gleichen Outfit auf: einer leuchtenden Kleid-Bolero-Kombi in der aktuellen Trendfarbe Azur. Man stelle sich das vor, die beiden Politikerinnen gehen shoppen für diesen immens wichtigen Termin, vielleicht zu Peek & Cloppenburg, die eine in Berlin, die andere in Bonn, und beide greifen zielsicher nach demselben, königsblauen Kleid. Anstatt auf Distanz zu gehen, um den Faupax zu kaschieren, setzen sie sich auf der Regierungsbank nebeneinander (während Merkels Wiederwahl),
WeiterlesenSchwere Themen II
Mittwoch. Ich weiß nicht, warum mich das so beschäftigt, aber ich denke gerade an eine Begebenheit mit einem älteren, alten Kollegen. Ich war damals um die dreißig, deshalb kam er mir so alt vor, und er sah auch alt aus, weil er von seiner Krankheit gezeichnet war. Er hatte ein vertrocknetes Gesicht und ganz schlimme Augen, rote, tränende Augen, die so basedowmäßig vorstanden, er sah wirklich nicht besonders gut aus. Drei Mal die Woche musste er zur Dialyse, das war beschwerlich für ihn, und das erzählte er mir, und dann sagte er, dass er so dringend auf eine Niere warte,
WeiterlesenUnd immer noch NSU
Dienstag. Seit gestern liegt der Abschlussbericht über den NSU-Untersuchungsausschuss vor. Die Regierungsseite komme dabei zu „unerwarteten Eingeständnissen“, so der Kommentar der Hessenschau. 713 Seiten in vier Jahren – da war Wolfgang Schorlau doch deutlich schneller und effizienter: Seine Ergebnisse, bzw. sein Buch Die schützende Hand liegt seit 2015 vor, umfasst 380 Seiten und kommt zum Teil zu den gleichen Schlüssen. Nur wurden die bisher als Verschwörungstheorie abgestempelt. Mit dieser Einschätzung dürfte es ab sofort schwierig werden. Der Abschlussbericht fasst zusammen, was in den vergangenen vier Jahren des NSU-Untersuchungsausschusses im Landtag geschehen ist – und spricht aus, was ausgesprochen werden muss: Zum
WeiterlesenSchwere Themen beim Frühstück
Samstag, B.N. Lange, kontroverse Diskussion mit PM über Stammzellentherapie, die Nutzung von embryonalem Material und Organtransplantation. Die Vorstellung, dass ein Embryo, weil embryonale Stammzellen sich schneller teilen, nur Material für ein anderes – höheres? – Leben sein kann, macht mir massive Schwierigkeiten. Die Vorstellung, dass ein Anderer erst sterben muss, um MIR das Leben zu retten, auch. Meine Horrorvision in Bezug auf Stammzellentherapie: Alte, Reiche eignen sich das Genmaterial von Armen, Jungen an, um ihr kostbares Leben zu verlängern … Da wir im Kapitalismus leben und auch die Medizin sich nach gewinnorientierten Maximen richtet, liegt der Missbrauch einfach zu nahe.
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