Donnerstag. Bei Rewe gibt es einen Eierlikör mit gemahlener Bourbonvanille, die knirscht zwischen den Zähnen, dass es eine Wonne ist. Dazu die unter die Haut gehende Filmbiografie Séraphine aus der Arte-Mediathek und später noch ein heißes Bad, und der Abend ist geritzt.Morgen gehts mit der Bahn nach Eisenach (PM ist schon da). Genau ein Zug fährt, alle anderen wg. Streik gestrichen! Ich unterstütze jeden Streik, bloß weshalb die GDL neben der Tariferhöhung eine Coronazulage von 600 Euro fordert, obwohl Lokführer ganz allein in ihrer Fahrerkabine hocken und keinerlei Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind und darüber hinaus während beider Lockdowns kaum Fahrgäste unterwegs
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Ungefiltert in die Ahr
Montag. Wo noch vor sechs Wochen Kinder am Ufer spielten, Mütter und Väter die Beine ins Wasser baumeln ließen und Jugendliche ihr Bier in der Böschung kühlten, wird die Bevölkerung dringend gewarnt, den Kontakt mit dem Ahrwasser zu meiden. Alle vier Kläranlagen im Ahrtal sind durch die Flutkatastrophe entweder ganz (Altenahr und Mayschoß) oder teilweise zerstört. Doch nicht nur die Anlagen selbst, sondern viele hundert Meter Leitungen dorthin sind betroffen: zertrümmert, mit Geröll gefüllt oder komplett weggespült. Die wenigsten der 85.000 Haushalte sind noch an die Kanalisation angebunden. Aus den stark reduzierten Abwässern, die momentan überhaupt in den Kläranlagen ankommen,
WeiterlesenZusagen
Samstag. Zwei Zusagen! Akquise läuft … bin im Arbeitsmodus angekommen, GSD!
WeiterlesenFrauen in Afghanistan
Freitag. Mutiger als die gesamte Genderstrich- und Pro-Kopftuch-für-Lehrerinnen-Szene und die bei frauenfeindlichen Moscheepredigten und reaktionären IS-Seiten im Internet Nix-dagegen-Tuer*innen außer über diversity quatschen: Sich wehrende Afghaninnen: https://www.stern.de/stiftung/frauen-in-afghanistan—ehe-die-uns-umbringen–kaempfen-wir—30681538.html?utm_campaign=stern_fanpage&utm_medium=posting&utm_source=facebook&fbclid=IwAR3ZUwXcsKAMIqV48e_3T1fcqqud5pO9HPOg3UmC9vD7hLaqQ53LASd8LRQ
WeiterlesenU.a. Et Kamellestüffche
Mittwoch. Es zieht uns hin, ein Gang durch Ahrweiler muss sein. Was ist mit den vertrauten Ecken, Kneipen, Menschen? Zuerst fällt der Lärm auf: Überall brummt und knattert es. Die Haus- und Ladeneingänge nur noch teilweise vernagelt, Trockenmaschinen ziehen mit unendlicher Geduld das Flutwasser aus den Gemäuern. Bei den alten Fachwerkhäusern, wo das Mauerwerk aus einer Stroh-Lehmmischung besteht, ist das ein langwieriges Geschäft. Bis zu einem halben Jahr kann es schon dauern, meint einer der Helfer, die nach wie vor unermüdlich im Einsatz sind. Der Staub weht durch die Straßen und legt sich aufs Gesicht und die Atemwege. Wenigstens stinkt
WeiterlesenRIP Charlie
Mittwoch, Oberdürenbach. OMG! Nachts auf der Rückfahrt von einem superschönen Abend bei A. und K. in St. Augustin hören wir im Radio, dass Charlie Watts gestorben ist. Die Horrorvorstellung, dass mal einer von den Stones stirbt … jetzt ist sie wahr geworden.Der Sir der Steine, die nie Moos ansetzen, ist tot. Gott segne Charlie Watts …
WeiterlesenAlles weg
Dienstag, Oberdürenbach. Das provisorische Wohnen an zwei Standorten, von denen einer nur Übergang ist und der andere erst noch werden muss, kratzt am Fundament. PMs Heimatlosigkeit schließt mich mit ein. Die Verunsicherung reicht weit: Bremst mich aus bei der Akquise für mein neues Buchprojekt, bei der Kontaktaufnahme mit Verlagen und meinem Agenten. Was soll ich sagen? Woher die Überzeugungskraft nehmen? Wenn mir selbst die Power fehlt?Ein Abendspaziergang durchs Dorf. Wir laufen durch die Straßen, stellen Vermutungen an, wo hier eine Kneipe sein könnte. Eine Haustür geht auf und ein freundlicher Typ fragt, ob wir etwas suchen. Als wir es ihm
WeiterlesenUngesagt
Montag, Oberdürenbach. Wir vagabundieren so rum, ich muss aufpassen, dass mir die Zeit nicht durch die Finger rinnt. Im Moment sind wir in PMs Ersatzwohnung, die nun aber einfach seine Wohnung ist. Daran müssen wir, insbesondere er sich gewöhnen. Oberdürenbach liegt am A… der Welt. Wenn einer megagestresst ist und sich auf Null runterfahren und niemanden und nichts sehen will außer Wiesen, Felder, Wälder (und den Vulkanpark), dann wäre er in Oberdürenbach gut aufgehoben.Na ja, wir machen uns ein bisschen lustig, dabei sind wir gottfroh, dass es überhaupt eine Wohnung für ihn gibt – mit Wasser und Strom!Ich habe Verschiedenes
WeiterlesenImpressionen
Sonntag, Eisenach. Kommt man in ein Geschäft, setzen die Verkäufer*innen schnell ihre Masken auf – wenn man selbst eine trägt. Was die Besser-Wessi in mir die Stirn runzeln lässt, und gleichzeitig halte ich es für bemerkenswert. Ich glaube, die Leute im Osten lassen sich – egal, worum es geht – weniger bereitwillig Vorschriften machen als wir im Westen, wo beispielsweise vor jedem Geschäftseingang auf die Maskenpflicht und die maximal zugelassene Personenzahl hingewiesen und das in der Regel auch eingehalten wird, weil es den meisten, auch mir, vernünftig erscheint. Vielleicht gab es in der Vergangenheit zu vieles, was sie tun mussten
WeiterlesenParallelwelten
Freitag, Eisenach. Supernette Menschen, Kleinstadtklatsch, schöne Kneipen, klare Ansagen und Offenheit – das ist Eisenach. Keiner fragt, woher wir kommen, was wir beruflich machen und schon gar nicht, welches Auto wir fahren (wie in Ahrweiler, wo es sehr wichtig ist, was einer für ein Auto hat).PM ist dabei, die grüne Hölle rund um unser Häuschen zu bewältigen. R. und Ch. aus Gotha, bei denen wir gestern waren, haben uns verschiedene elektrische Schneidegeräte ausgeliehen. Allmählich kommt Licht in die Sache. Tini und A. bringen gleich zwei alte Stühle und einen Tisch vorbei. Dann können wir in der Sonne sitzen und es
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