Sonntag, Stoßdorf. PM war mit Theo im Raum, als das Haus seltsame Geräusche machte und knirschte und knackte und dann mit einem gewaltigen Schlag die Scheibe zerplatzte und die Wassermassen hereinstürzten. Er kann nicht darüber reden. Die Bilder verfolgen ihn, hindern ihn am Einschlafen. Bilder, die das Leben verändern. Die einen vielleicht ein Leben lang begleiten. Ungefähr wie in The Day after Tomorrow – nur in echt! Ich kann nicht glauben, dass ich dabei war, sagt PM. Zwei Nächte hat er in dem abgesoffenen Haus verbracht, ja auch die zweite. Der Rettungsdienst hatte sich zwar angekündigt, war dann aber nicht
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Zeichen eines ganzen Menschenlebens
Samstag, Stoßdorf. Anne holt mich in Siegburg vom Bahnhof ab, und wir fahren durch zähe Staus direkt nach Ahrweiler. Am Haus parken geht nicht: alles ist aufgerissen, und was von der Straße übrig ist, bedeckt eine an den Rändern meterhohe Schlammschicht. Wir fädeln uns in den rutschigen Autokorso, bis wir eine winzige Lücke beim Getränkemarkt finden. Überall liegen zertrümmerte Autos im Schlamm, die jedoch von den funktionierenden Autos kaum zu unterscheiden sind wegen des unvorstellbaren Drecks.Spaten raus, Gummistiefel an, und schon nach wenigen Metern durch die Matsche sehen wir so verschmiert und bespritzt aus wie alle hier: Workers in action. Vor
WeiterlesenIn Sicherheit
Freitag. So, seit ca 1 Stunde Gewissheit, dass PM in Sicherheit ist. Im Moment ist er bei Freunden in Ahrweiler – ob er da auch heute Nacht untergekommen war, weiß ich nicht. In der gesamten Region gibt es keinen Strom und kein Wasser. Heißt auch: Kein Handy, kein Internet, kein Telefon. Am Nachmittag wird er von Freunden aus Siegburg abgeholt. Wenn die Bahn mitspielt, werde ich morgen dazukommen; heute ist die Strecke leider noch gesperrt.Dann sehe ich ihn also morgen bei Anne und Jacek wieder – ich bin total erleichtert! Hab die letzten 2 Nächte am Telefon gehangen und wenig
WeiterlesenWichtig und wichtigwichtig
Freitag, sehr früh am Morgen. Zum genderwahnsinnigen Vorschlag, Frauen als gebärende oder menstruierende Person zu betiteln: Ist frau noch Frau, wenn sie gerade nicht gebiert? (Also die meiste Zeit ihres Lebens außer den jeweils 5-10 Stunden, die so eine Geburt dauern?) Oder wenn sie aus Altersgründen gar nie mehr Gebärende sein wird oder weil ihr wg. einer Krankheit die GEBÄR-Mutter entfernt wurde? Hoffentlich weicht der große Blödsinn bald wieder den wirklich wichtigen Themen.Mein Liebster hat gestern Nacht durch die Flut im Ahrtal sein Haus und sein gesamtes Hab und Gut verloren, und ich kann nicht zu ihm kommen. Seine Nachbarn,
WeiterlesenLand unter
Donnerstagmorgen. In PMs Haus ist Land unter. Er sitzt mit Theo im oberen Stockwerk fest. Keller und Erdgeschoss sind bis zur Decke geflutet. Gerade als er gestern Abend seine Platten und die Anlage retten wollte, brach das große Wohnzimmerfenster durch und die Flut kam reingeschossen. Er konnte nichts mehr retten. Er hat im Wortlaut nichts mehr. Wenn ich mit ihm telefoniere, erzählt er, was gerade an seinem Haus vorbeischießt: Autos, Öltanks, Betten, Wohnwagen … Alles riecht nach Öl …Und im Hintergrund, also auf der Treppe nach oben, plätschert das Wasser. Ich mache mir riesige Sorgen, ob das Haus hält. X Mal
WeiterlesenStarkregen, Überschwemmungen, Erdrutsche
Mittwoch. „Die Prüfung soll unvorhersehbar sein!“ – O-Ton Kultusministerium. Ja, passt! Die Lehrenden sind Getriebene, die Lernenden die Verarschten. Was soll das? Was soll damit wem bewiesen werden? Dreitägiger Prüfungsmarathon. Jetz‘ isch over, sozusagen. Trotz der Gängelung von oben in Gestalt zunehmender Gleichschaltung pädagogischer Prozesse und Kontrollierbarkeit jedes einzelnen Handlungsschrittes waren da viele tolle Ergebnisse und sogar durchaus spaßige Momente. Highlight: Das Oberarm-Tatoo eines Prüflings in sog. WeckerSchrift: NOW!, passend zum Thema Heldentum (Mut … Schmerz). Bereitwillig legte er es für uns, die dreiköpfige Prüfungskommission, frei, und wir staunten nicht schlecht. PM verzweifelt: Die Ahr ist über die Ufer gestiegen.
WeiterlesenBad Luck Banging or Loony Porn
Sonntag. Bad Luck Banging or Loony Porn heißt soviel wie Pech beim Knallen oder verrückter Porno und ist ein verrückter, wilder Film des rumänischen Regisseurs Rado Jude. Wenn wg. Corona nur die beiden Programmkinos geöffnet sind und ihr kleines, sehr spezielles Angebot dir sagt: das oder gar nichts, dann wählst du eben das und landest in einem Film, der dich zwei Stunden lang ins Plüschpolster drückt, dass dir Hören und Sehen vergeht. PMs Kommentare wie üblich laut und zahlreich, was angesichts der rar gesäten Zuschauer*innen diesmal nicht so auffiel, und von den wenigen verließen zwei auch noch vorzeitig den Saal.
WeiterlesenCappuccino mit Sahne
Donnerstag. Stress im „Amt“. Der Umgang mit Ärger/Verunsicherung/Sinnlosigkeit spielt sich nur by doing ein. Das Falscheste ist so: ich kann sowieso nichts ändern, das ist immer so, ich versuch das einfach zu vergessen … Das mit dem Vergessen klappt nicht. Als wenn man Vergessen anordnen könnte, ha! Dann würde ich eine Menge vergessen. Es hilf nichts: Der Weg führt mitten hindurch! Die wichtigste Frage an dich selbst: Was macht das mit mir? Warum macht mir das was aus? Sich selbst ernst nehmen. Dann erst zur Strategie: 1. Uneitle, angstfreie Ansage. 2. Was ich mir wünsche. 3. Ausblick über den Tellerrand
WeiterlesenSchützenhilfe …
Dienstag. … erhält Baerbock von Horst Seehofer. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.
WeiterlesenFrau Baerbock schreibt ein Buch
Sonntag. Die Grünen-Kanzlerkandidatin wehrt sich.Zuerst die zu späte Meldung von Sonderzahlungen beim Bundestag (wofür überhaupt die Coronazulage???). Dann die Übertreibungen, was ihren Lebenslauf angeht. Und nun das: In ihrem Buch Jetzt soll Anna-Lena Baerbock kräftig abgekupfert haben. Entschuldigen mag sie sich nicht schon wieder. Lieber engagiert sie den Medienanwalt Christian Schertz, um sich argumentativ gegen die Plagiats-Vorwürfe aufzurüsten. Und das hört sich dann so an: Sie habe „sehr bewusst auf Fakten aus öffentlichen Quellen zurückgegriffen“, die ja ohnehin jedermann bekannt seien! „In diesem Sinne stecken hier auch Ideen, Kenntnisse und kreative Gedanken von all den Menschen drin, mit denen ich
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