Montag. Mein Agent schickt mir eine Absage – von dtv. Es geht um meinen Roman, und er meint, es sei keine 0815-Absage, sondern eine mit Begründung. Also eine, auf die ich mir was einbilden kann. Ich öffne den Anhang und versuche ihn emotional unbeteiligt zu überfliegen: … Eine interessante Autorin, aber … laberrhabarber. Die interessante Autorin merke ich mir, für den Rest stelle ich auf Durchzug. Trotzdem. Hm.„Manchmal suchen Verlage auch ein bisschen, um Absagen zu begründen“, tröstet mich mein Agent. Und: Ich soll einfach weitermachen. Ja, Mann! Was sonst?
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Inge Auerbacher II
Donnerstag. Meine Lieblingsstelle – Interview mit der wunderbaren Inge Auerbacher: „Ich habe die Stärke, aus etwas Bösem etwas Gutes zu machen. Ich bin kein Judenstern. Ich bin ein positiver Mensch. Für mich sind alle Menschen Stars, Sterne. Das ist meine Stärke. Meine Eltern haben mir das Gefühl gegeben, mich zu beschützen. Das hat mich durchs Leben getragen. Zum Beispiel jetzt – wir haben Corona, und die Leute drehen durch! Sie können nicht raus – na und? Sie haben zu Essen, sie haben ein warmes Zuhause, Fernsehen, Telefon, sie haben alles! Aber sie halten es nicht aus. Herrgott, wenn die in
WeiterlesenZwänge
Freitag. Mein Lieblingsgrieche ist weg. Ist irgendwo anders hingezogen, wo die Mieten erschwinglicher sind, das ist so ein typisches Tübingen-Problem: die völlig gaga Mieten. Das Meze ist eines von vielen Coronaopfern, die sich in der Innenstadt schon längst bemerkbar machen. Alteingesessene Geschäfte geben auf, weil sie im Lockdown die Mieten nicht zahlen können, die Läden stehen leer, die Vermieter vermieten lieber gar nicht, als dass sie die Miete stornieren, und noch lieber übergeben sie ihren Raum an zahlungskräftige Ketten oder Geldwäsche-Unternehmen wie diese dubiosen Friseure und Nagelstudios, wo die Sessel noch in Folie eingepackt sind, weil sich sowieso niemals ein
WeiterlesenInge Auerbacher
Mittwoch. Für mein neues Buchprojekt hatte ich die Ehre, die New Yorker Holocaust-Überlebende, Buchautorin und Biochemikerin Inge Auerbacher zu interviewen. Gerade jetzt empfinde ich ihre Lebenszugewandtheit und ihre Lebenskraft als großes Geschenk und als persönliche Bereicherung.
WeiterlesenAusgangssperre
Dienstag. Jetzt sitze ich noch im „Amt“, meinen Online-Unterricht für morgen vorzubereiten, und hab total die nächtliche Ausgangssperre vergessen. 21.56 Uhr … was machen? Durch menschenleere Straßen schleichen wie ein Verbrecher und womöglich kontrolliert werden – verdammt, da habe ich vielleicht Bock drauf! _________________ *Nachtrag: Alleine spazierengehen ist erlaubt, wusste ich nicht, wie großzügig, danke, lieber Gesetzgeber
WeiterlesenFineline-Medien
Meine Erfahrung mit diesem jungen, dynamischen Unternehmen: Super sorgfältig, wachsam, genau! www.fineline-medien.de
WeiterlesenPolitisch ungeimpft
Samstag: Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die Wirksamkeit des russischen Impfstoffs Sputnik V wird kaum noch bestritten. Doch die EU weigert sich ihn zu bestellen. Zu mächtig sind die Bedenken, Putin damit zu einem Imagegewinn zu verhelfen. Trotz der EU-Bestellungen von 2,6 Milliarden Impfdosen bei sechs verschiedenen Herstellern ist zu wenig da. Entweder sind die Präparate noch gar nicht zugelassen oder noch nicht produziert. Warum die EMA-Zulassung des russischen Impfstoffs sich dermaßen in die Länge zieht, obwohl die halbe Welt schon damit geimpft ist, darüber kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Das Zulassungsverfahren läuft seit Anfang März.
WeiterlesenTübinger Modell
Freitag. Finito mit dem Tübinger Corona-Modell! Ab nächste Woche ist es wegen der Bundesnotbremse beendet. Diese besagt: Ab einer Inzidenz von 100 wird das öffentliche Leben runtergefahren, ab 165 auch Schulen und Kitas. Im Landkreis liegt der Inzidenzwert derzeit bei 240, während er in Tübingen bei 91 steht. Warum müssen Geschäfte, die Gastronomie, Theater und Kinos wieder schließen, wenn der Anstieg im Vergleich nicht höher ist als in anderen Landkreisen? Wenn der Wert in der Stadt sogar deutlich niedriger ist, was doch für das Modell spricht. Das ist unlogisch. Ich kann die politischen Entscheidungen nicht mehr so ganz nachvollziehen. Als
WeiterlesenCoronatest
Mittwoch. Ja kloar! Wenn wir online-Seminar haben, mute und game ich. Machste auch so, oder? Muten – ich lasse mir das Wort auf der Zunge zergehen. Der Typ ist Student, er jobbt als Corona-Tester und entertaint mich mit seinen Anekdoten, während er das Stäbchen in meiner Nase herumdreht. Was ich bei Online-Konferenzen wirklich nebenher mache, erzähle ich ihm lieber nicht – weniger gamen, eher Küche putzen. Er ist fertig, das Glasröhrchen mit meiner Probe muss jetzt 20 Minuten warten. Ich feiere das krass, wie Sprache mitgeht. Sich im Rhythmus der gesellschaftlichen Ereignisse entfaltet, neue Blüten treibt, immer lebendig – sogar
WeiterlesenDanke
Dienstag. Heute nach der Stunde kommt einer und bedankt sich für meinen „tollen Unterricht“. Ich habe ihn seit drei oder vier Jahren, ich kenne ihn und er mich. Er ist schlecht drauf, wie wir alle, vielleicht noch ein bisschen schlechter, die Seelen sind wund und liegen offen und man hat nichts zu verlieren und redet ungeschönt über sich selbst. Ein schöner Moment. Das zählt auch.
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