Donnerstag. Du hast aber hohe Absätze!, sagt die Kollegin A. heute Morgen. Ja, sage ich, und wundere mich über ihren strengen Blick. Ich hab bei der Gelegenheit auch schon mal gesagt: So hoch sind die gar nicht. Oder (bei Plateauschuhen): Die sind vorne auch hoch, das relativiert sich dann. Als müsste ich mich entschuldigen. Fragt sich nur, für was. Als würde das Tragen hoher Absätze ein Vergehen darstellen. Vielleicht tut es das in den Augen der Kollegin. Ich bin auf einmal größer als sonst, größer als sie. Ich mache mich groß, sozusagen. Das klingt nach Täuschung, oder schlimmer noch: nach
WeiterlesenKategorie: 2014
Der Weltbeste
Mittwoch. Ich bin der beste Philosoph der Welt, sagt Rüdiger. So gut wie ich kennt sich kaum einer in der Philosophie aus. Eigentlich bin ich hier schon drüber raus, sagt er. Es gibt da ein Institut in Stuttgart, die interessieren sich für mich, bei denen könnte ich morgen einsteigen. Rüdiger sagt auch: Regie führen ist absolut mein Ding, da könnte ich schon mal was in Richtung Profiliga übernehmen. Manchmal fragt er bei der Sekretärin nach, ob Hollywood heute schon angerufen habe. Das meint er scherzhaft. Das erkennt man an seinem gespielt unscherzhaften Gesicht. Ich hatte das beste Examen meines Jahrgangs,
Weiterlesen2001 – Odyssee im Weltraum
http://www.spiegel.de/einestages/stanley-kubricks-making-of-2001-space-odyssey-a-971834.html Eine Neuauflage des Film-Making-Of von 2001 – Odyssee im Weltraum gibt es nun vom Taschen-Verlag (Das Original hat inzwischen Sammlerwert und kostet 1000 €). 2001 – Odyssee im Weltraum ist für mich nicht nur der beste SciFi aller Zeiten, sondern einer der besten Filme aller Zeiten. Kein anderer Film hat durch seine visuellen und akustischen Eindrücke das Genre künstlerisch und intellektuell so nachhaltig geprägt. Erkennbar ist sein Einfluss auch daran, dass bis heute kaum ein SciFi darauf verzichtet, das unerreichbare Vorbild an irgendeiner Stelle mehr oder weniger gekonnt zu zitieren. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie mein Vater
WeiterlesenBettina Wegner und Joan Baez
Sonntag. Das Meze und die Kelter sind meine, bzw. unsere Stammkneipen geworden. PM: Die Bettina Wegner war unsere Joan Baez, die kenne ich von Eisenach, von der Annenkirche her, na klar, da ist die aufgetreten, die war so ein bisschen weinerlich, das war der Zeitgeist. Musik weckt ja auch Erinnerungen, du denkst an früher, und da wird eben das eine oder das andere Auge feucht. Darf Musik das, Stimmungen manipulieren? Ist das sogar der erklärte Sinn von Musik? (Dringender Recherchebedarf bei Nietzsche, der sich mit Wagners Musik auseinandergesetzt hat, weil er sie als manipulativ und insistierend betrachtet hat. Beide Werke
WeiterlesenSiri Hustvedt ist das Sexsymbol des denkenden Mannes – Die besondere Erotik des Intelletuellenpaares Hustvedt-Auster
Donnerstag. „Du sollst deinen Partner nicht langweilen!“, ist das Credo von Siri Hustvedt und Paul Auster und wohl auch das Geheimnis ihrer Ehe. „Es gibt viele Arten zu leben. Ich habe beschlossen, mit einem Menschen zusammen zu sein, mit dem ich sehr viel teile und der mich immer wieder aufs Neue interessiert“, sagt Siri Hustvedt im ELLE-Interview (April 2014). „Ich suche ein intellektuelles Ego, davon gibt es nicht sehr viele. Ich will keinen Kümmerer und sehe mich auch nicht als eine dem Mann dienende Frau.“ Intellektuelle Menschen sind Jäger und Sammler, ständig auf der Pirsch nach aufregenden Gedanken und neuen Erkenntnissen.
WeiterlesenLoneliness am Montag
Dienstag. Gestern. Um 17 Uhr ist Moni immer noch nicht da. Ich mache das Papier weg und esse die drei Stücke, die ich für uns gekauft habe, hintereinander und im Stehen auf. Donauwelle. Mit Blick aus dem Küchenfenster auf die verregnete B27 und auf meine Loneliness an diesem bemerkenswert beschissenen Montagnachmittag. Eva ist auch nicht da. PM sowieso nicht. Um 17.30 Uhr schreibe ich ihr eine SMS, dass sie unseren Termin (also mich!) NUN DOCH vergessen habe. Sie schreibt unmittelbar zurück, dass sie noch kommt. Ich suche nach etwas anderem Essbaren und finde im Gefrierschrank einen Aldi-Kuchen, den ich schnell
WeiterlesenLesetreffen
Sonntag. Stichwort für das heutige Lesetreffen ist ‚Athen‘. Stress. Ich habs nicht so mit der antiken Mythologie. Was sonst aber sollte man mitbringen, wenn es um Athen geht? Mir jedenfalls fällt nichts ein. In allerletzter Sekunde (und wenige Minuten vor Abgabe meiner Wahlzettel zu Europa-, Kreis- und Kommunalwahlen in der Grundschule um die Ecke) ziehe ich die Lysistrate vom obersten Regalbrett, na bitte, Reclamheftchen mehrerer Jahrzehnte seid Dank! Als Dorle mit Fürst Pücklers Reisebericht durch Griechenland anfängt und mehr und mehr Vergnügen am Vorlesen jener vergangenen Sprach- und Erlebniswelt findet, starre ich noch indifferent auf das Teppichmuster. I.`s Geschichte der
WeiterlesenKunstmuseum und Kulturnacht
Morgens (Frühstück auf der Terrasse): Ich: Die Eva, ja?, die setzt sich zum Denken an den Tisch. Dann sitzt die da mit ihrer Teetasse und guckt einfach vor sich hin und denkt. PM: – Ich: Wie findest du das? PM: Das ist mir eigentlich relativ egal gerade. Ich: Setzt du dich auch zum Denken hin? PM: Ich denke im Schlaf! Mittags (Stuttgarter Markthalle): PM: Da hat man einige Bierchen getrunken und dann gings rauf auf den Großen Hörselberg, und nach einer Weile ist der eine oder andere nicht mehr gewandert, sondern gepurzelt. Nachmittags (Kunstmuseum Stuttgart): Ich: Wo ist denn die
WeiterlesenErkenntnisse
Dienstag. Wenn das absolut Böse (Verrat, Betrug, Illoyalität) durch eine Person in dein Leben tritt, dann ist das ganz allein die Entscheidung dieser Person. Persönliche Gründe mag es für seine Entscheidung geben, aber keine Entschuldigung. Unerreichbarkeit ist ein aggressiver Akt. Unerreichbarkeit, Schweigen sind subtile Formen von Feindschaft. Schlimm, wenn die feindliche Person dir von Liebe spricht. Der Unerreichbare – wie auch das Unerreichbare – wird gerne idealisiert. Je unerreichbarer – kälter – , desto höher das Podest (der vermeintliche König). Das ist die Tragik der Vergeblichkeit. (Dr. K.)
WeiterlesenEisenach
Montag. Am Wochenende waren wir in Eisenach. Kaum angekommen, schenken sehr freundliche, alte Menschen, die PMs Eltern sind, mir eine Kiste voller Bücher. (Eine DDR-Literaturgeschichte. Viel Sekundärliteratur. Ein paar Romane.) Vom Küchenbalkon der freundlichen, alten Menschen sieht man direkt auf die Wartburg. Wir reden nicht nur über Luther. Aber auch, was mir gefällt. Und dass sie mir schwarz-weiße Kinderfotos von PM zeigen, gefällt mir auch. Es gibt Kartoffelsalat und Würstchen, später Kaffee und selbstgemachten Streuselkuchen. Am Abend suchen wir PM’s Freund auf seinem Grundstück am Fuße der Wartburg, doch der ist leider ausgeflogen. Schade. Ich hätte so gerne sein legendäres Kühlhaus
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