Schmerzen, Botoxlippen, NSU

Donnerstag. Mal wieder außer Gefecht gesetzt seit Montag, nach erneuter Zahn-OP: Nix sprechen, nix, lachen, nix essen. Nur mit dem Strohhälmchen Flüssiges schlürfen. Dass das so lange geht mit dem Heilen, du liebe Güte. Bedauerlicherweise ist der Kopf mit dem Schmerz dermaßen verdammt beschäftigt, dass auch nicht viel anderes geht. Dafür habe ich seit zwei Tagen Botoxlippen. Die Schwellung ist aus mir unbekannten Gründen von der Backe in den Mund gerutscht, ganz kostenfrei, das hatte ich jetzt also auch mal. Im Zug bloß niemanden ansehen, dass bloß niemand anfängt zu quatschen. Ahrweiler liegt im Dunkel, als ich ankomme. PM ist

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Das dicke Mädchen

Der Wald ist mir gar nicht geheuer. So dunkel, so schwarz und kein bisschen grün. Ist ja auch schon viel zu spät, um im Wald spazieren zu gehen. Ich gehe jetzt einfach nicht mehr weiter. Ich bleibe hier stehen. Hier an diesen dicken Baum gelehnt, an dem Harz herunterläuft und der so gut riecht. Sollen die mich mal schön suchen! Die suchen vielleicht schon. In der Tiefgarage. Auf der Straße. Hinter den Mülleimern. Dass ich so weit gelaufen bin, würden die gar nicht glauben. Nicht mal, wenn einer es ihnen sagen würde. Die wissen nichts. Die denken, ich bin zu

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Premiere

Sonntag. Das  Stück Party mit totem Neger (Zimmertheater Tübingen) hält leider nicht, was der reißerische Titel verspricht. Das Schlimmste, was im Theater, noch dazu auf einer Premiere, passieren kann: Der Zuschauer langweilt sich. Und hat den Gedanken: Genau so ein Stück habe ich schon drei oder vier Mal gesehen. Oder denkt: Ach ja, Kapitalismuskritik. Oder: Bei so viel Geschrei und Fotze-Ficken-Geschwurbel nichts als heiße Luft. Schade um die wirklich guten Schauspieler. Anschließend, beim Nachspülen im Ludwigs, haben wir das Stück schon komplett vergessen.

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An Eides Statt

Nie wieder einen, der mich klein macht und hält, der ignorant, arrogant, womöglich – igitt! – intrigant ist, der nicht loyal sein kann, der Intelligenz und Kreativität als Angriff auf seine eigenen Allmachtsfantasien begreift – mit solchen Typen bin ich für alle Ewigkeit durch!, spricht Susanne von meinem Balkon herunter in das Feuer der Abendsonne, und ich hol den Limoncello de Menton aus dem Schrank und, kling klong, bestätigen wir uns das jetzt mal gegenseitig, damit die Sache – the sun as our witness –  direkt eidmäßig rüberkommt. Und hier noch etwas Passendes von Marion Brasch: Eine Enttäuschung ist immer auch eine

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Erfurter Einrichtungen

Montag. Gestern war Tag der Bildung: Die Erfurter Synagoge. Das Augustinerkloster. Das Anger-Museum. Da sind wir unter uns. Wir und die Museumswärter, mit denen PM intensiven Kontakt aufnimmt und die ihn nicht enttäuschen. Abends Kino: Snowden von Oliver Stone. Der Film sollte internationales Pflichtprogramm für ALLE sein. Anschließend was zu essen gesucht nach 22 Uhr und fündig geworden im Goldenen Schwan (Thüringer Puffbohnen …)

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Ziemlich beste Freunde

Sonntag Vormittag, Erfurt. Am Abend dann lerne ich UA kennen. Soviel vorweg: PMs Freunde sind auch meine Freunde. Dieser UA hat einen Tisch bestellt. Beim größten Italiener, den ich je gesehen habe, eine tadellose Riesenkneipe, den Erfurter Sizilianern sei Dank. UA und PM haben sich seit 25 Jahren nicht gesehen. Macht aber nichts, sie schließen da an, wo sie damals aufgehört haben, und das geht nur bei ziemlich besten Freunden. UA erzählt von Justizskandalen aus seiner unmittelbaren Praxis, dass dir schwindelig wird. Ich hoffe, dass er sie eines Tages aufschreibt und veröffentlicht. Nicht zum ersten Mal wurde mein Glaube in

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Schöne Tage in Erfurt

Sonntag früh, Erfurt. Aufwachen und Fenster auf: Penatenblauer Himmel, unter mir der Anger. Was bis gestern nur ein Name war, sind jetzt diese wahnsinns Häuserfassaden und in der Morgensonne funkelnde Schaufenster und sachte dahingleitende Straßenbahnen. Eine frühe Seniorentruppe läuft hinter ihrem Stadtführer in albernem historischem Kostüm her, während ein paar Restbesoffene in den Ladeneingängen abhängen und in den hellen Tag blinzeln. Erfurt. Für mich seit Freitag Abend die schönste Stadt der Welt. Mit meinem Rollköfferchen laufe ich fast eine Stunde rum, bevor ich mich entschließen kann im Hotel einzuchecken. PM ist noch nicht da, und ich baue Geschenke, Kerzen und

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