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WeiterlesenKategorie: 2018
Tü aus der Ferne
Freitag B.N. Mitternacht durch, bis eben korrigiert. Fernseher an: Boris Palmer mit Wollschal um den Hals. Steht auf dem Tübinger Marktplatz und redet über das Böllerverbot in der Altstadt wg. eines schlimmen Brandunfalls vor zehn Jahren. Ich mag BP, er setzt sich gerne in die Nesseln, er weiß, wann er recht hat, und steckt nicht zurück. Er hat ziemlich oft recht und manchmal auch nicht, dann gibt er es zu (Blätterwand Mühlstraße). Er hat keine Angst vor dem Urteil anderer, das unterscheidet ihn von vielen. Ich bin froh, dass ich ihn für ein Gespräch gewinnen und er Teil meines Buches
WeiterlesenLass uns über den Tod reden – Monika Ehrhardt-Lacomy
„… Und auch die Kleinsten der Kita wissen, wer Lacky ist. Die kennen sein Bild und seine Lieder, die reden sogar mit ihm, als wäre er noch hier. Für mich ist das ganz normal. Ich glaube, es gibt viele Areale im menschlichen Gehirn, die leer stehen, weil wir Angst haben, sie zu nutzen. Die Leute, die mir immerzu einreden, ich soll den Lacky endlich loslassen, die haben vielleicht auch nur Angst.“ Das sagt die dt. Schriftstellerin und Drehbuchautorin Monika Ehrhardt-Lakomy in meinem im März 2019 erscheinenden Buch Lass uns über den Tod reden (Chr. Links Verlag). Seit dem Tod ihres Mannes Reinhard Lacomy
WeiterlesenHass. Mein Weihnachtstext.
Montag. Unfertige Persönlichkeiten hassen. Vor paar Tagen eine unheimliche Begegnung der dritten Art. Sie kulminierte für mich in der sehr leisen, wie zu sich selbst gesprochenen, höchst unkontrollierten, höchst unsachlichen, aber längst in den tiefsten Untiefen rumorenden (und eben nicht gereiften, im Sinne von erwachsenen) Äußerung, gegen mich gerichtet: „Nein, Sie stehen auf andere Sachen.“ Andere Sachen …. hmmm! Abgesehen von den Bildern, die hinter dieser Äußerung stehen mögen (und die ich nicht kennen will), ist es dieses Andere, dass rot und aggressiv leuchtet. Wie kann eine anders sein? Als der große alte Mann, der Kohlhaas, der schon so viel
WeiterlesenWork but no Christmas
Sonntag. Was ist das für ein schöner bürgerlicher Beruf, den ich habe? Ich lerne immerzu dazu, darf das Wissen an andere weitergeben, habe jeden Tag mit tollen, inspirierenden Menschen zu tun. Auch die fremdbestimmten Anteile horizonterweiternd, naja, meistens. Was mir heute am frühen Morgen auffällt: komischerweise gab es unter den Jugendlichen, mit denen ich arbeite, noch nie einen, den ich nicht leiden konnte. Es gibt aber durchaus Leute, die ich nicht leiden kann. Was einmal mehr beweist, dass es deine eigene Einstellung ist, die die Emotionen bestimmt. Weihnachten fällt dieses Jahr, wie auch schon der Sommerurlaub, aus. Aus denselben Gründen.
WeiterlesenZechentod
Freitag. Zeche Prosper Haniel in Bottrop schließt heute. Damit geht die Ära der Steinkohleförderung im Ruhrpott zu Ende. Auf der Kohle hat die Stahl- und Eisenindustrie aufgebaut, sie hat Generationen von Bergleuten stolz gemacht und das Ruhrgebiet groß. Rund 230 Jahre Industrie sind Geschichte. Vor dem Bundesliga-Spiel FC Schalke 04 gegen Bayer 04 Leverkusen wurden die Kumpel gebührend verabschiedet (ja, auch den Fußball hat die Kohle groß gemacht). Der Bergmannschor der Ruhrkohle-AG und über 60.000 Fans sangen gemeinsam Glück auf, Glück auf, der Stei-ger kommt. Da flossen die Tränen … Das Steigerlied kann ich im Schlaf. Viele Erinnerungen … mein Vater redete beim Mittagessen von Prosper
WeiterlesenH.H.
Donnerstag. Die Beschäftigung mit Hesse stellt sich immer wieder als eine lohnende Sache dar. Zwar ist gerade der Steppenwolf in seiner ganzen Eitelkeit und – in der Literaturgeschichte wahrscheinlich einmaligen – Ichbezogenheit auch nervig, doch als ein relativ frühes Zeugnis der Auseinandersetzung mit der Wirkung von Psychoanalyse ist er unbedingt erhellend. Obwohl der Protagonist Harry Haller so ein Selbstzweifler ist, statuiert der Roman ein Exempel für Zweifelsfreiheit. Für Unbedingtheit. Für Rigorismus. Ein sehr konstruiertes Stück Literatur, für Jugendliche viel zu schwer, nur in Ansätzen durchschaubar, was z.B. die literarische Verarbeitung von Fetisch-Theorie und Nietzsche-Theorie angeht, aber es lässt sich auch mit
WeiterlesenDie Litanei vom Behördenversagen
Mittwoch. Die Gefährderliste, die der französische Geheimdienst führt, registriert plus-minus 20.000 Dschihadisten. Das sind 20.000 Jungmänner, die irgendwo irgendwann ihren großen Auftritt haben könnten. Waffen, Chemikalien, Geld scheinen ihnen ohne Ende zur Verfügung zu stehen. Auch dieser – mittlerweile von der Polizei erschossene – Chérif Chekatt, der kürzlich auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt um sich geballert hat, war IS-„Soldat“ und als solcher dem Aufruf zum Mord gefolgt, so IS-Propagandasprachrohr Amaq. Chekatt war polizeibekannt, hatte schon eingesessen, im Knast war er den Mithäftlingen durch Missionierungsversuche zu seinem Glauben aufgefallen, auffallend auch der dunkle Fleck auf seiner Stirn, der vom vielen Beten und
Weiterlesen3. Advent
Sonntag, B.N. Nach viel Arbeit fürs „Amt“ abends im Bell’s. Viel Weihnachtsmarkt, viele Menschen, viel Krach, viele besoffene Weihnachtsmänner. Die purzeln nach Mitternacht durchs Stadttor auf die Straße. Restkräfte, sagt PM. Es seien heute an die 200 Busse in B.N. gelandet, verkündet Doris. Die Leute kommen, kaufen und saufen.
WeiterlesenAdvent
Montag. Am 2. Adventssamstag Brunch mit Steve, Gisela, irgendeiner Verwandten von ihr und natürlich PM. Gemütlich, informativ, kuschelig, anregend. Dabei bin ich noch zu keiner Advent-Deko gekommen, nichts weist auf die Jahreszeit hin außer einem Weihnachtsstern von PM. Den hat er zwei Wochen davor mitgebracht, ein Prachtexemplar vom Blumenhändler statt von Lidl/Aldi/Edeka. Leider ist er jetzt nur noch ein Gerippe mit roten Restblüten. Der Schöne hat schlagartig sämtliche Blätter abgeworfen, nachdem ich die Balkontür eine Weile offen stehen hatte, was ein Weihnachtsstern nicht mag. Schade. Die alljährlichen drei mal 24 Adventspäckchen gehen dieses Jahr zeitlich versetzt raus, da L. und
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