Mittwoch. Der Typ, der mir auf dem Heimweg entgegentänzelt, trägt eine Blätterkrone auf dem Kopf. Zwischen den Fingern hält er mehrere Getränkedosen. Er singt sich seine Musik, lacht für sich, direkt vor mir stoppt er. Tänzelt noch ein bisschen auf der Stelle, hebt die Arme wie zum Segen und ruft: „Maria! Mutter Gottes!“ Er macht eine bodentiefe Verbeugung. Bevor ich mir ausmale, was jetzt passiert, ist er schon an mir vorbei und entschwindet, einszweitipp, einszweitipp, in der Unterführung. In Tübingen bist du einiges gewöhnt. Du bekommst die seltsamsten Ansagen von seltsamen Leuten, das ist manchmal lustig und manchmal nervig. Mutter
WeiterlesenKategorie: 2018
Gebanksyed
Vier Tage alt ist das Wort: Gebanksyed. Definition: Wenn nach Verkauf eines Bildes dieses noch in der Auktion durch Aktivierung eines im Bilderrahmen eingebauten Schneidewerks geschreddert wird, sind der erschrockene, schockierte Käufer und sämtliche ZuschauerInnen des Live-Events gebanskyed worden (so Alex Branczik von Sotheby’s). Bei dem zerstörten Bild handelte es sich um das bekannte Werk „Girl with Balloon“ des Street-Art-Künstlers Banksy. Für 1,04 Millionen Pfund (1,18 Millionen Euro) war es unter den Hammer gekommen. Banksy selbst kommentierte das Geschehen auf seinem Instagram-Account mit dem Satz „going, going, gone“.
WeiterlesenLebenswelten
Dienstag. … von halb 8 bis 23 Uhr im „Amt“ – verrückter Großkampftag und anschl. Abendveranstaltung. Im Vorfeld immer stressbehaftet, jetzt mit gutem Gefühl ad acta gelegt. Fazit: freundliche Begegnungen mit den Erziehungsberechtigten, vor allem mein Eisenach-Programm im kommenden Juli wird mit Interesse & Wohlwollen aufgenommen. Bin selber supergespannt, weil es für mich auch neu ist (Ineinandergreifen meiner Lebenswelten, das „Amt“, PM und irgendwie auch das Schreiben …). Meine Schreibwerkstatt hat Zuwachs bekommen, ein schönes Gedicht ist entstanden, zwei, drei gute Essay-Ansätze, und auch eine Einladung zur jährlichen Lesung in Stuttgart/Stadtbibliothek liegt uns wieder vor. Den ganzen Tag keine Zeit zu
WeiterlesenMontserrat Caballé
Sonntag, B.N. … Yet he might have agreed eventually. Caballé believes that if Mercury had lived, he would have delved more deeply into the classical music that increasingly captivated him in his last years. „We talked about doing something together, more classical. We also talked about recording Phantom of the Opera, which he loved very much. It’s a moving thing – I knew he was in bed and very weak, and I wanted to surprise him by recording Phantom. I phoned him and put the speaker near the phone and played it. He was very happy. He said, ‚Thank you,
WeiterlesenEinheit
Und plötzlich ist es Herbst. Und plötzlich sind es Stiefel statt Sandalen, Wolle statt Baumwolle. Und wer in diesen zwei Wochen zwischen Ende September und Anfang Oktober Zug fährt, ist selber schuld: Canstatter Wasen. Eingequetscht zwischen Horden Komplettbesoffener (oder tun die nur so?), Lederhosen, Dirndlkleidern, Dosenbier, sexuellen Verbaleruptionen, vielstimmigem Hei-de-schnitz!-Skandieren (man lernt nie aus) und Bier-her!-Gegröle stehe ich im Gang und versuche, mein Köfferchen im Auge zu halten. Mann, was für eine absolut beschissene Fahrt unter lauter beschissenen, geistlosen Kreaturen oder solchen, die es unbedingt sein wollen, nämlich genau heute an genau diesem komischerweise freien Tag, warum noch mal scheißegal, Hauptsache
Weiterlesen28 Jahre – „ohne durchdachte Grundlage“
Mittwoch. Die D-Mark kam – und mit dem neuen Geld kamen die Aufkäufer aus dem Westen. Zum 28. Jahrestag der Deutschen Einheit sollten endlich die Vorgänge rund um die Abwicklung der 8000 Betriebe der DDR durch die „Treu“hand (zur Wahrung des Volkseigentums!!), die Einverleibung der ostdeutschen Banken durch die WestBanken und die Währungsunion aufgearbeitet werden. Privatisieren, Sanieren, Stilllegen-Liquidieren statt Transformieren – die DDR wurde entindustrialisiert und marginalisiert und der Westen rieb sich die auf wundersame Weise so plötzlich vergoldeten Händchen. Seitens der Aufkäufer/Profiteure gab es, gelinde gesagt, bisher wenig Interesse an der Vergangenheitsbewältigung. Darüber müsste endlich gesprochen werden – anstatt
WeiterlesenHinrichtung – Opfer zum Schweigen gebracht
Dienstag. Heute wurde die 24-jährige iranische Kurdin Zeinab Sekaanvand hingerichtet. Mit 15 Jahren wurde sie mit einem Mann verheiratet, der sie jahrelang misshandelte und – abwechselnd mit seinem Bruder – missbrauchte. Nun wurde das Opfer endgültig zum Schweigen gebracht. Hier der Text von Amnesty International zu dem Geschehen: Als Antwort auf die schrecklichen Nachrichten, dass die 24-jährige iranische kurdische Frau Zeinab Sekaanvand am frühen Morgen im Zentralgefängnis von Urumieh in der Provinz West-Aserbaidschan hingerichtet wurde, sagte Philip Luther, Forschungs- und Advocacy-Direktor von Amnesty International für den Nahen Osten und Nordafrika: „Die Hinrichtung von Zeinab Sekaanvand ist eine widerliche Demonstration der Missachtung
WeiterlesenVerlust der Selbstverständlichkeit
Sechs Jahre ist der Crash jetzt her, dramatisch-peinlich-klischeehaft wie eine RTL-II-Realitydoku-Schmonzette. Ich kann wieder nach vorne schauen, mich über schöne Tage, Herausforderungen und auf die Zukunft freuen. Ich kann wieder lieben. Und so Fundamentales wie essen, einkaufen, was lange Zeit mit Ekel & Widerwillen behaftet war. Aus dem Supermarkt schlugen Flammen bis auf die andere Straßenseite, und wenn der Wahn mal überwunden war und ich endlich drin war und den Einkaufswagen durch die Gänge schob, überkam mich so eine erdrückende Dumpfheit, dass ich mich wie ein Sack über den Wagen hängen wollte, nur schnell das Notwendigste aus den Regalen herausgriff
WeiterlesenZusammen
Sonntag. Zusammen Geburtstag feiern (PM) / uns feiern / Pläne machen. Alles, was ich liebe …
WeiterlesenEinzeltäterin – Hélène Gordon-Lazareff
Freitag. „Ernst im Leichten, Ironie im Schweren“ – cooles Motto für Schreibende von ELLE-Begründerin Hélène Gordon-Lazareff. Die Journalistin und studierte Ethnographin war die erste, die Politik, Feminismus, Kultur und Mode unter einen Hut brachte. Ihr neues Konzept überzeugte schnell, die erste ELLE-Ausgabe erfolgte am 1. Oktober 1945. Die Themen des Heftes bewegten sich zwischen Frauenwahlrecht, Rezepten und wie man aus alten Kleidern neue Modelle zaubert. Sich als Intellektuelle und Feministin für Mode zu engagieren, stellte für sie keinen Widerspruch dar. Während so unaufbauende Themen wie die never ending Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche (alles Einzelfälle), immer Neues von der MeToo-Front
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