Freude im Herbst

Samstagmorgen. Mieterwechsel. Den Tag der deutschen Einheit habe ich genutzt, beide Gästezimmer samt Fenster und Balkon zu putzen, zusätzliches Bettzeug aus dem Keller zu holen und die Betten zu beziehen – diesmal kommen gleich zwei. Nachdem Dario wieder nach Venezuela abgezwitschert ist, ist meine Wahl auf eine Physikerin aus dem Iran gefallen – ich arbeite mich international durch. Bin sehr gespannt auf sie. Heute Nachmittag kommt sie an. Hoffe, dass es keine ideologischen Kollisionen gibt. Das andere Zimmer bekommt eine Pharmazie-Studentin aus Mainz, die am Montag direkt vom Bahnhof in die Uni rauscht und am Nachmittag mit ihrem Rucksack einigermaßen

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Einheitsjubiläum

Donnerstag. „Im Osten fand keine Entnazifizierung statt …“ – lese ich gerade in einem Social Media Post. Abgesehen davon, dass Entnazifizierung etwas anderes ist als die Aufarbeitung des Nationalsozialismus, was hier wohl eigentlich gemeint ist, ließe sich zu der Behauptung so einiges anmerken.Einer meiner Vorfahren war Anwalt mit Spezialgebiet Entnazifizierung. Glaube bloß keiner, dass mit diesem Vorgang eine tiefergehende Gesinnungsprüfung einhergegangen sei! Wer den Persilschein bekam, war startklar für die Karriere in der BRD, aber der nationalsozialistische Virus war deshalb noch lange nicht ausgerottet – er saß tief und zudem gab es kaum einen, der damit nicht infiziert war. Dagegen hat

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Technik

Zufällig festgestellt: Unter „Texte und Einblicke“ ließ sich keine einzige Seite anklicken. Wie lange schon? Ich hasse diese technischen Ausfälle … sehr blöd … Alle Texte sind jetzt jedenfalls wieder online …

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Ach wie gut, dass niemand weiß –

Sonntag, B.N. Wir hören von der überwachungsstaatlichen Entwicklung in China und denken, Gott!, wie schrecklich, und gut, dass uns das nicht passieren kann! Bei den Chinesen scheint die digitale Technik als Herrschaftsinstrument längst Einzug gehalten zu haben in Gestalt der sog. Versager-App, die Gescheiterte, Verarmte, Ermüdete usw. kenntlich macht. Man bekommt zum Beispiel angezeigt, wer dem Staat noch Geld schuldet, und soll dann zu ihm hingehen und ihn „ermuntern“, seine Schulden zu begleichen. Wenn er es nicht tut, darf er nicht fliegen, sich nicht auf Dating-Foren anmelden, seine Kinder kommen nicht aufs Gymnasium und so weiter. Ein Belohnungs- und Strafsystem

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Die Augen des anderen

Freitag, B.N. Als Frau Lüllich vom gleichnamigen Geschäft mir demonstriert, wie man den Sarah-Pacini-Pullover tragen kann, als Rollkragenpulli mit Schlitz über einer Schulter, als V-Ausschnitt mit weggeklapptem Rollkragen, im Carmenlook über eine oder beide Schultern gezogen, so dass die BH-Träger rausblitzen, weiß ich schon: das ist mein Stück. Ein It-Peace zum Herumspielen, im Internet findet man so was nicht, das muss einem jemand – ein Mensch – zeigen. Und als ich in die Bahn steige, nach so langer Zeit mal wieder, weil PM die letzten Wochenenden mit seinem Vater in Eisenach beschäftigt war, da fühle ich mich großartig. Ich trage

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Schlechte Nachrichten

Donnerstag. Die schlechten Nachrichten folgen auf den Fuß: Einen Tag, nachdem Trump sich über Greta T. lustig gemacht hat – „Sie wirkt wie ein sehr glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut …“ – erfährt die Weltbevölkerung von der massiven Gletscherschmelze am Mont Blanc. Täglich um 50 cm bewegt sich ein Riesengletscher im Dreiländereck voran … 250.000 Tonnen Gletschermasse könnten noch runterbrechen, der Meeresspiegel auf einen Schlag ansteigen, die Städte, die Menschen an den Küsten glattweg verschluckt werden … ich lese zu viel durcheinander, sollte vielleicht gar nichts mehr lesen … wie hält man solche

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„Die Autorin spricht mir aus der Seele“

PetziPetra 5,0 von 5 Sternen Darüber reden 16. August 2019 Format: Gebundene Ausgabe Die Autorin spricht mir aus der Seele. „Wie gehen wir mit dem Tod unserer geliebten Menschen um?Geht es den Anderen genauso, wie mir, habe ich mich oft gefragt.Darüber reden ist für viele immer noch ein Tabu.Warum?Sie hat mit vielen unterschiedlichen Menschen gesprochen. Welche die Trauer erlebt haben, welche die beruflich involviert sind/ waren.Dadurch ist ein sehr intensives und hilfreiches Werk entstanden.Ich denke da ist für jeden mindestens eine Geschichte dabei, wenn nicht mehrere. Mich haben sie sehr berührt..Wenn man selbst mit der Trauer kämpft, liest man eine Geschichte

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Hauptwiderspruch

Dienstag. „Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum.“ Das verkündet Greta Thunberg auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen, der vom 21. bis 23. September in New York stattgefunden hat. „Ihr habt meine Träume und meine Kindheit gestohlen mit euren leeren Worten“, lässt sie die Mächtigen der Welt mit Tränen in den Augen wissen. Thunberg lässt sich nicht mehr aufhalten. Mit 15 weiteren Jugendlichen aus verschiedenen Ländern hat sie bei der UNO eine Menschenrechtsbeschwerde eingereicht. Die Jugendlichen werfen den Staaten vor, gegen die weltweit gültigen Kinderrechte

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Ferck du Drecksau

Samstag. Das Berliner Landgericht hat gesprochen, seit dem 09.09.2019 ist es amtlich: Frauen dürfen als „Drecks Fotze“, „Ferck du Drecksau“ – was immer das sein soll – , als „Stück Scheisse“, „Geisteskranke“, als „hohle Nuss“, „Sondermüll“, „Gehirn Amputiert“ und „Schlampe“ bezeichnet werden. Die Grünen-Politikerin Renate Künast war es, die in dieser Weise auf Facebook beschimpft wurde. Sie klagte und – verlor. Künast will gegen den Beschluss vorgehen: „Der Beschluss des Landgerichts sendet ein katastrophales Zeichen, insbesondere an alle Frauen im Netz, welchen Umgang Frauen sich dort gefallen lassen sollen“, sagte sie der dpa.Für das Berliner Landgericht sind die o.g. Titulierungen

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