Screenshot

Mittwoch, Aula Uhlandstraße. Manchmal, im Rauschen der täglichen Bilderflut, macht mein Unterbewusstsein einen Screenshot. Eingefrorene Wirklichkeit, Dokumentation eines Lebensaugenblicks. Was mache ich hier? Mein Rückgrat, Beine, Arme, Hände, wie einbetoniert, halten meine Maske aufrecht. Nicht fallen lassen, nicht fallen lassen, darauf kommt es an. Der Klang unendlicher Reden, austauschbarer Satzbausteine von immer ausgetauschten Stimmen, durchwabert die aufgeheizte Luft, Kindergefiedel auf Kontrabass markiert den Wechsel, lähmt Bewusstsein und Luftzug gleichermaßen, blödes, depressives Kontrabass. Weit offene Fenster ändern auch nichts an der Mittagshitze. Weit weg scheint das so nahe Grün der Bäume überm Neckar, der Kühle nur vortäuscht. Applaus, Applaus, wer redet,

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Bequem

Diffamierung ist schon immer ein bequemes Mittel gewesen, mit unbequemen Wahrheiten umzugehen. (Aktuell zu beobachten am Umgang mit Jutta Ditfurth. Ditfurth ist eine harte Nuss. Aber immer bestens informiert. Unser weiblicher Panzerknacker im männlichen Medienkrieg.)

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Ohne Gründe

Sonntag, B.N. 32 Journalisten sind von der Berichterstattung des ohnehin aus dem Ruder gelaufenen G20-Gipfels in Hamburg ausgeschlossen worden. Nachdem sie die Zulassung schon hatten, wurde sie ihnen, ohne Angabe von Gründen, wieder entzogen. Warum? Warum gerade diesen 32? Was sie offenbar verbindet: Mehrere der Betroffenen hatten in der Vergangenheit Schwierigkeiten mit der türkischen Regierung, heißt, sie haben sich kritisch über den türkischen Staat oder über Erdogan geäußert. Steckt also der türkische Geheimdienst dahinter? Fest steht, dass jedem in Hamburg diensthabenden Polizisten „schwarze Listen“ mit den Namen der 32 Journalisten ausgehändigt worden sind. Neun von ihnen wurden komplett ausgeschlossen, die

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Und wieder eins im Kasten

Samstag, B.N. Anrührendes Interview mit einem mega interessanten Schauspieler und Musiker bei ihm zu Hause, in der Nähe von Bonn. Begrüßung durch die ganze Family, dann langes und sehr intensives Gespräch, bei dem er sich und seine Erinnerungen nicht schont. Guter Typ, gute Einstellung. Macht sein Ding. Ganz locker, ganz bodenständig. Sieht sich selbst nicht als Promi – ha!

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Gebundene Hände

Donnerstag. Die dreieinhalb Stunden in der Oberbehörde hätte ich mir sparen können. Eine behördliche Entscheidung rückgängig zu machen, kommt so selten vor wie Schnee im August, nämlich nie. Widerspruch zwecklos. Hilfe von Dritten wirkungslos. Selbst die Tatsache, dass der Oberbehördenobermacker deine Sichtweise teilt, dass er dich sogar nett findet und alles mögliche über dich und deine berufl. Aktivitäten weiß, bringt dir gar nichts. Ihm seien die Hände gebunden. Von wem? Vom Ministerium! Ah, ja …

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Türkischer Schlafrock*

Donnerstag. Mann in türkischem Schlafrock, Professortyp, Schimmer von Gold am Kragen und an den Manschetten, Orient, würdig, würdig soll er aussehen, so stelle ich ihn mir vor, diesen Professor in seinem Schlafrock, von dem ich annehme, er ist türkis. Das ist die Farbe des Orients: Türkise Stoffe, Türkise an den Schmuckständen in den Bazaren, türkisblaues Meer. Ein Professor in türkisem Tuch. Das Gold ist nur Beiwerk, um seine Würde zu unterstreichen. Seine Weisheit. Unbedingt ist der Professor ein weiser Mann. Andere fragen ihn um Rat, wenn einer in Verdacht steht, die Waage zu fälschen oder irgendeine Cousine geschwängert zu haben.

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Sind Sie Peter Härtling?

In memoriam P.H. – Ein Flashback Dienstag. Einmal hab ich Peter Härtling im Real getroffen, im Schleifmühleweg, er lief mit seinem Wagen zur Kasse, ich war mir nicht ganz sicher, ob er es ist, weil er mir so alt vorkam, ich las gerade den Hölderlin und fand es aufregend, ihn da zu sehen mit seinen Milchtüten und Tomaten und hab ihn gefragt: Sind Sie Peter Härtling? Ich wollte ihm sagen, wie sehr mir der Hölderlin in seiner, Härtlings, Interpretation gefällt, aber er sah mich nicht an, sondern sah in die Luft und sagte: Ja! Ich habe mich umgedreht und kam mir

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Leute

Sonntag Morgen. Endlich Regen. Die schwüle Hitze der letzten Wochen, immer nur von kürzesten Gewittern oder Schauern unterbrochen, wenn überhaupt, hat meine Balkonpflanzen dahinkümmern lassen und mir ganze Tage lang die Lebensenergie abgewürgt. 40 Grad wundern inzwischen niemanden mehr. Jetzt, um sechs Uhr morgens, zeigt das Thermometer 23 Grad an. Gestern Stadtfest in Tübingen. PM und ich schieben uns durch die Massen, haben schnell keine Lust mehr und verziehen uns in die GzP, wo man wunderbar spitzwegmäßig in einem Hof mit Ecklaternchen und Blumenkübeln und holprigen Pflastersteinen und gestern Abend sogar mit Blick auf Vollmond sitzt. Die Kneipe soll für Literaten

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Zeugnisse

Warum habe ich das Gefühl, dass irgendetwas passieren wird? Gestern Abend die Veranstaltung hat gut getan. Zeugnisausgabe. Ich hasse Zeugnisse. Hinter fast jedem Zeugnis liegen Verletzungen. (Da bemüht sich einer und öffnet sein Herz, dass du beim Lesen – d.h. beim Korrigieren – mitweinen könntest, und für den Anderen, genannt Zweitkorrektor, ist das banale Ich-Ebene. 1 Punkt, wo du sehr Gutes gelesen hast. 1 Punkt für sechseinhalb Seiten Herzoffenlegen. Soviel zu Notengerechtigkeit.) Jede Veranstaltung ist gut fürs Kontakteknüpfen. Du kommst ins Gespräch. Die Bitte um Gutachten für Stipendien. Aber gerne doch. Die, die dich darum bittet, ist die Richtige. Und

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Nach-Denken

Dienstag. Wie nennt man diesen Zustand, wenn du so richtig viel geschafft hast, aber eben noch nicht alles. Für den Augenblick kannst du die Ärmel wieder runterrollen, aber schon demnächst, nächstens, musst die Power remobilisiert werden – stand by, nur ein Knopfdruck. Unser Sommerfest mit 45 Leuten, die ich lange nicht gesehen habe oder noch nie, die Freitag Abend vor der Tür stehen und sich freuen mit ihren Geschenken und Geschichten, auf die bin ich natürlich scharf, das sind Schicksale, die will ich am liebsten alle gleichzeitig hören, und am Samstag ist der Hauptact und dann regnet es ohne Unterbrechung, weshalb

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