Mittwoch. Nach dem Frühstück laufen wir zum Guggenheim, das mich gleich mal durch seine Lage mitten in einem Wohngebiet überrascht. Fensterlos, weiß und spiralförmig liegt es da wie eine an Land gespülte Riesenschnecke, nicht höher als die Mehrfamilienhäuser rechts und links. Interessant, welche Künstler der Kupferbaron Solomon Guggenheim in ihrer Bedeutung so früh erkannt und gekauft hat, dass er sich jeweils kleine Sammlungen zulegen konnte: Kandinsky, Pollock sind prominent vertreten, auch Klee, Feininger, Légers, Picasso, Brancusi und Guggenheims Freundin Hilla Rebays. Am Nachmittag machen wir eine geführte Tour im Tenement Museum über die Anfänge der deutschen jüdischen Auswandererfamilien, sind zunächst ein
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New York und die Lichter
Dienstag. Das MoMA ist nochmal eine ganz andere Erfahrung als das Metropolitan Museum. Hier wirken die Bilder viel unmittelbarer. Was natürlich an uns liegt; mit den Kunstwerken von Jackson Pollock, Andy Warhol, Jasper Johns sind wir praktisch aufgewachsen, mit dem Betrachten ihrer Arbeiten hat unser künstlerisches Auge sich gebildet und unser Verständnis von Kunst seinen Anfang genommen. Die Eindrücke der zweiten Etage, die komplett dem Werk von Robert Rauschenberg gewidmet ist, wirken lange nach. Rauschenberg war besessen von der Idee, verschiedene künstlerische Ausdrucksformen zu verbinden zu Gesamtkunstwerken: Combines von Tanz, Musik und Gebrauchsdingen, von darstellender und gestaltender Kunst, von Technik,
WeiterlesenNew York und die Inspiration
Montag. Fünf Stunden im Metropolitan Museum. Vor vielen Bildern stehst du und denkst, verdammt, das kenne ich schon so lange, das war doch im Deutschbuch oder im Lieblingskunstbuch oder es hing in irgendeinem Zimmer von irgendwelchen Freunden als Kunstdruck: Feininger, Picasso, Braque, aber auch die alten Meister: Vermeer, Hals, Rembrandt … hier sind sie alle, PM bekommt seinen Chagall und seinen Dix, ich meinen Hopper und meinen Cézanne. Nachmittags holen wir Theo ab, essen was in einer kleinen Kaffee-to-go-Bar und machen uns mit der Subway auf nach Chinatown. Vor den Läden hängen T-Shirts mit fuck you, you fucking fuck-Aufdruck, was
WeiterlesenNew York, die Erste!
Sonntag. Als wir den Flieger verlassen, das Procedere mit Auschecken und so überstanden und unsere Koffer geholt haben, reihen wir uns in die Warteschlange für ein Taxi ein. Das ist alles ganz geregelt, genau wie am Flughafen Tel Aviv: du wirst von langen Plastikbändern mehrfach um die Kurven geführt, bis du dran bist und deinen Zielort angibst: Manhattan! Die Black Lady in Uniform studiert einen Organizer oder tut so als ob und weist uns das vorderste Taxi zu. Ah ja, da wäre man jetzt auch selbst drauf gekommen, aber es ist schon ganz cool, wenn die Dinge so ihre Ordnung haben.
WeiterlesenSchneller als gedacht
„jetzt wird es ernst. Gestern wurde trippus aus seinen handtuch getragen, mit die füss zu erst. Nach ersten angaben muss ihn der ’schlag getroffen‘ haben. Er hatte wohl noch am tisch gesessen. Grüße, H.-P.!“
WeiterlesenSterben im Kapitalismus
„Friedliches Sterben rechnet sich nicht“, fasst der Arzt und Autor des Buches „Patient ohne Verfügung“, Dr. med. Matthias Thöns bei Markus Lanz seine Erfahrungen aus der täglichen Praxis von Ärzten und Krankenhäusern zusammen, bei denen nur der Profit zählt. Zynischer, kürzer, treffender gehts nicht: Der Tod im ausgehenden Zeitalter des Kapitalismus. Meine Interviews mit Betroffenen zeigen andere Erfahrungen auf. Ja, das gibt es noch, das friedliche Sterben …
WeiterlesenGrünes Fracking?
Freitag, B.N. Wie stehen die Grünen nun eigentlich zum Fracking? Man findet Eindeutiges und Zweideutiges. Weicht die Putinphobia die Fracking-kritische Haltung auf? So im Sinne von: lieber umweltschädigende Erdgasgewinnung als Geschäfte mit Russland? Blicke gerade nicht ganz durch… und werfe die Frage mal in die Runde …
WeiterlesenZurück in die Zukunft
Donnerstag, B.N. Meine Mutter ist jetzt halb blind, ziemlich taub und irgendwie zur Ruhe gekommen. Wir haben draußen in dem Café gesessen, in dem ich früher als Schülerin oft war, die Leute in der Fußgängerzone beobachtet, die sterbenden Läden in Werne betrauert, von den guten Momenten der alten Zeiten geredet (die Oper in Dortmund). Bei Eisschokolade und Kräutertee das Gesicht in die Sonne gehalten. Alles ganz peacefull. Bis eine Windböe kam und den Sonnenschirm an unserem Tisch umwarf. Das Teil krachte genau zwischen uns zu Boden. Schwein gehabt! Abends auf dem Weg zum Bahnhof am Anne-Frank-Gymnasium vorbei gelaufen. Gefühlte hundert
WeiterlesenUm zu
Dienstag, B.N. Schreiben, um Welt in Worte zu fassen. Innenwelt, Außenwelt. Erfassen: Im Laufen, Fahren, Arbeiten, Warten schreibend denken. Bin ich fröhlich, schreibt es in mir, bin ich traurig, schreibt es in mir Wortsalat, Sätze, Geschichten, manchmal gar Gedichte. Mit Worten einen Moment in die Ewigkeit verlängern. Schreiben ist die zweite Ebene, die immer mitläuft, reflektierend, auswertend, sinnsuchend. Das ist wie implantiert. Schreiben ist Konkretisieren. Dem ultimativen Wort nachspüren. Diese Befreiung, wenn es sich offenbart! Das Wort ist die Welt und die Welt ist das Wort. Und das Leben darf weitergehen.
WeiterlesenMuseum der Erinnerung
Wenn man die ersten dreißig, vierzig Seiten überwunden hat und großzügig über einige holprige Sätze und sprachlich logische Fehler hinweg sieht, die den Lesefluss tatsächlich irritieren, was aber höchstwahrscheinlich ein Übersetzungsproblem ist und auch zunehmend nachlässt, dann ist das Weiterlesen von Museum der Erinnerung von Anna Stothard ein Genuss und ein Gewinn. Ich hatte schon Pink Hotel von dieser Autorin gelesen. Sie ist sehr jung, sehr talentiert und ihr Sujet sehr anders als das, was die zeitgenössische deutschsprachige Literatur gerade so aufarbeitet. Weit weg vom Genre des Eltern-, Generationen-, Dorf- und Regionalromans, geht es Stothard immer um die Narben und
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